Für den Wolf (Wilderwood 1)

  • Blanvalet
  • Erschienen: Oktober 2023
  • 1
Für den Wolf (Wilderwood 1)
Für den Wolf (Wilderwood 1)
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Sebastian Fischer
78°1001

Phantastik-Couch Rezension vonDez 2023

Die Schöne und das Biest

Mit „Für den Wolf“ stieg Hannah Whitten direkt auf Platz 10 der New York Times Bestsellerliste ein. Nicht schlecht. Auf der Innenseite des Covers sind reichlich Vorschusslorbeeren abgedruckt. Na schau her. Außerdem wird das Buch als Booktook Sensation (ein bücherbezogener Teil der Plattform TikTok) beworben. Das wird ja immer besser.

Bekommen wir hier also den ultimativen Lesespaß vorgesetzt? Wer die Antwort wissen möchte, muss sich wohl oder übel durch diesen Text arbeiten. Ist vielleicht anstrengender, als sich Impressionen auf TikTok zu holen, denn das geschriebene Wort ist in Zeiten von kurzen Aufmerksamkeitsspannen hier und da mit einer kleinen Hürde verbunden, lohnt sich aber eventuell umso mehr. Aber keine Sorge liebe Leser, die Wahrheit hinter dieser These dürft ihr für euch selbst entdecken.

So jetzt aber schleunigst zurück zur Sache!

Ein trauriges Schicksal

Man stelle sich vor, man wäre mit der Bestimmung geboren, einem blutrünstigen Monster überlassen zu werden, ohne den Hauch einer Chance, sich aus den Fäden dieses Schicksals zu befreien. Diese Umstände sind gelinde gesagt ziemlich bescheiden. Genau in dieser Situation befindet sich unsere Heldin der Geschichte. Redarys, von den meisten Red genannt, ist die zweitgeborene Tochter des Königreiches Valleydas. Somit ist sie von Geburt an dazu verdammt, den Wilden Wald zu betreten und sich in die Obhut des Wolfes zu begeben. Weigert sie sich, ist ihr Königreich dem Untergang geweiht. Neve, Reds Zwillingsschwester, versucht alles, um Red zur Flucht zu bewegen, kann ihre Schwester letztendlich jedoch nicht überzeugen. Denn Red trägt ein Geheimnis in sich, das sie noch fester an ihr Schicksal bindet. Neve lässt jedoch nicht locker und verstrickt sich in eine folgenschwere Intrige, die das Leben aller in Valleyda bedroht. Aber erstmal kommt es, wie es kommen musste, und die zweite Tochter wird dem Wilden Wald und somit dem Wolf anvertraut.

Der Wilde Wald

Vorne weg möchte ich sagen, dass ich wie immer versuche, Spoiler so gut es geht zu vermeiden. Bei diesem Buch sind meine Sensoren jedoch besonders empfindlich eingestellt, denn ich möchte, dass ihr, liebe Leser, den Wilden Wald und seine Geheimnisse möglichst selbstständig erforscht, um in den wahren Genuss der in diesem Buch verwurzelten Magie zu kommen.

Die Bezeichnung für den Wald ist vortrefflich gewählt. Er ist finster, voller Gefahren und hat ganz eindeutig ein Eigenleben. Für den Roman ist er das Fundament, auf dem die Geschichte wächst und gedeiht. Der Wilde Wald ist ein Schild, der die Welt vor Bösem bewahrt. Dazu ist er jedoch auf Hilfe angewiesen, derer er sich skrupellos bemächtigt – ganz nach dem Motto: Der Zweck heiligt die Mittel. Red bekommt dies körperlich zu spüren und springt dem Tod durch den Wilden Wald einige Male nur knapp von der Schippe.

Der Mythos und Zauber, der sich um den Wilden Wald legt, ist der Autorin hervorragend gelungen. Die Bilder und Impressionen, die uns in den Kopf gepflanzt werden, erzeugen eine schauderhafte Atmosphäre, die in perfekter Symbiose zu Reds mitleiderregendem Schicksal steht. Der Wolf, so viel sei verraten, ist eine Art Wächter des Waldes und besitzt somit eine ganz besondere Beziehung zu ihm. Wer glaubt, dieses Miteinander sei friedlicher Natur, den muss ich enttäuschen. Auch hier obsiegt Trostlosigkeit über Harmonie. Hannah Whitten stößt also immer wieder in dieselbe Kerbe, um den Leser an den Punkt zu bringen, an dem sie ihn haben möchte. Denn je intensiver die Tristesse, desto intensiver auch das Licht am Ende des Tunnels. Und was eignet sich besser als die Liebe, um Angst und Schrecken zu vertreiben und Lichtblicke zu schenken. Hierzu später mehr.

Auf der Stelle treten

Wenn ich eben davon sprach, dass die Autorin atmosphärisch immer wieder in dieselbe Kerbe schlägt, so lässt sich diese Assoziation auch auf den Verlauf der Geschichte ummünzen. Ich möchte versuchen, es folgendermaßen zu erklären: Der Storyverlauf ähnelt einem Formel-1-Rennen. Die einen schütteln wegen der im Kreis fahrenden Protagonisten gelangweilt den Kopf und die anderen erfreuen sich an den vielen kleinen Details und Highlights. Sobald Red beim Wolf angelangt ist, erleben wir Leser häufig sich immer wieder ähnelnde Storyfragmente. Der Wald ist gefährdet und der Wolf rückt aus, um zu helfen. Ist die Gefahr gebannt, beginnt der Kreislauf von vorne. Auch wenn sich in den einzelnen Sequenzen viele relevante Details verbergen, so ist bei der strukturellen Bewertung des Romans meine Objektivität gefragt. Mag mich der Geschichtsverlauf subjektiv betrachtet gar nicht so sehr gestört haben, so muss sich der Roman objektiv betrachtet die Kritik gefallen lassen, sich zu gleichförmig zu entwickeln.

Die Kraft der Liebe

Der Klappentext weist bereits deutlich darauf hin. Zwischen dem Wolf und Red sprühen die Funken. Gemächlich züngelt das Feuer vor sich hin, bis der Funkenflug ein wahres Inferno an Emotionen entfacht. Ich möchte betonen, dass sich das Inferno in erster Linie auf Gefühle wie Zuneigung und Zugehörigkeit bezieht. Wer in den Seiten dieses Werkes nach feuriger Fleischeslust sucht, wird diese nicht finden. Natürlich gehört zur Liebe auch die körperliche Nähe, und diese lässt sich in diesem Roman sehr wohl finden, aber eben auf eine zögerliche und schüchterne Art und Weise. Schritt für Schritt wachsen die Gefühle der Protagonisten aufeinander zu und es ist ein Genuss, dieses Abtasten, eingepackt in ein tolles Setting, zu verfolgen. Hier entfaltet „Für den Wolf“ seine wahre Stärke.

Fazit:

Das Buch drückt seine ganz eigenen „Die Schöne und das Biest“-Impressionen aus. Wer schön ausgestaltete Magie gepaart mit einer liebevollen Romanze sucht, wird hier fündig. Wer nicht genug davon bekommen kann, freut sich auf den bald erscheinenden zweiten Band. Wer noch hin und hergerissen ist, dieses Buch zu lesen, dem sei gesagt, dass Hannah Whitten sich mit „Für den Wolf“ ihren Platz auf den Bestsellerlisten dieser Welt verdient hat. Es wird ein gelungenes Lesevergnügen geboten, jedoch ohne mein einleitendes „ultimativ“.

Für den Wolf (Wilderwood 1)

Hannah Whitten, Blanvalet

Für den Wolf (Wilderwood 1)

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