Conan - Das Blut der Schlange
- Cross Cult
- Erschienen: März 2025
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Gewalt, Magie & Monster - und fast eine Liebesgeschichte
Vor langer, langer Zeit: Nachdem sein Schiff unweit der stygischen Küste gesunken ist, verdingt sich Conan als Söldner. Er wird weit im Süden des tropisch heißen Landes sowie in Sukhmet stationiert. In dieser schmutzigen Stadt herrschen Gewalt und Langeweile. Für Söldner gibt es wenig zu verdienen, denn einträgliche Feldzüge stehen selten an. Stattdessen prägen Routinedienste wie aktuell die Begleitung einer Sklavenkarawane den Dienstalltag.
Conans Laune bessert sich, als die schöne Valeria auftaucht. Als Frau in einer Männerwelt weiß sie sich durchzusetzen - auch mit dem Schwert, wie sie bald unter Beweis stellt, als geile Strolche sie belästigen. Zeuge Conan ist beeindruckt - und besorgt, denn offenbar hat Valeria die stygischen Schlangenpriester gegen sich aufgebracht. Während der erwähnten Karawane kommt es immer wieder zu magisch eingestielten Mordattacken.
Zwar kehren Conan und Valeria heil nach Sukhmet zurück, doch erneut muss sie sich eines Überfalls erwehren. Dieses Mal liegt ein stygischer Adliger tot im Straßenschmutz. Sein Bruder fordert Rache. Valeria flüchtet, wird aber verfolgt. Conan will helfen und folgt ihren Spuren. Diese führen tief in tropische Regionen, wo kriegerische Einheimische, blutrünstige Raubtiere und böser Zauber ihn erwarten. Widrigkeiten stacheln Conan seit jeher an, weshalb er sich unbeirrt dorthin durchschlägt, wo die Zeit mit unheilvollen Folgen stehenblieb und Kreaturen weiterleben, die längst tot sein sollten ...
Er kommt immer wieder!
Nur 30 Jahre wurde Robert E. Howard (1906-1936) ‚alt‘, aber ihm gelang dennoch ein Werk, das in die Populärkultur eingegangen ist. Aus der erstaunlichen Menge seiner Storys und Kurzromane ragen jene hinaus, die sich um den ‚Barbaren‘ Conan ranken, der in einer imaginären Vorzeit - der „Hyborischen Epoche“ - Abenteuer erlebt, in denen sich Fantasy und Horror verknüpfen. „Sword & Sorcery“ nennt sich dieses Genre, in dem Gewalt und Action die Handlung nicht einfach bereichern, sondern auch darstellen.
Conans Aufstieg zum modernen Mythos verdankt sich dem Talent seines Schöpfers. Der Vielschreiber Howard nahm sich wenig Zeit, um farbenfrohe Phantastik der schlagkräftigen Art zu kreieren. Dennoch gelangen ihm mehr als die typischen „Pulp“-Garne seiner Ära. Howard war ein begnadeter Geschichtenerzähler, der für eine Fantasy sorgte, die ihre unterhaltsame Wucht bis heute bewahren konnte.
Zwar drohte Howard nach seinem Tod in Vergessenheit zu geraten, doch spätestens seit den späten 1960er Jahren kehrte er triumphierend zurück - und das Fantasy-Publikum verlangte mehr. Neue Autoren schrieben Geschichten, in denen Howard-Helden weitere Abenteuer erlebten. Auch Conan kehrte zurück und mutierte sogar zum Franchise, indem er seine Spuren (bzw. die Leichen seiner Widersacher) nicht nur in der Trivialliteratur, sondern auch im Comic und schließlich in Kino und Fernsehen hinterließ. Viel zu viele Romane entstanden, deren Autoren die Figur aufgriffen und sie in immer gleiche Konflikte mit bösen Magiern, Monstern und anderen Klischee-Schuften verwickelten. Schließlich hatten selbst die Conan-Fans die Nase voll und verweigerten den Konsum dieser eintönig produzierten Fantasy-Fließbandware.
Abwarten und erneut versuchen
Franchises sind widerstandsfähig wie Bärtierchen. Geht ihnen die Luft aus, versinken sie für eine Weile in eine Art Winterschlaf. Neue Generationen potenzieller Fans wachsen heran. Um an den Inhalt ihrer Geldbörsen zu gelangen, muss das Franchise nicht bei Null anfangen, sondern das jeweilige Bärtierchen bloß wecken. Die Figur „Conan“ ist etabliert. Sie existiert zudem in einer ausgeformten Welt, die man nicht neu schaffen, sondern ebenfalls nur aufpolieren muss.
Nachdem einige Conan-arme Jahre vergangen waren, erfolgte Anfang der 2020er Jahre ein Neustart, für den der von Howard eingeführte Held und sein rauer Mikrokosmos behutsam für das 21. Jahrhundert entwickelt wurden. Zwar darf Conan weiterhin Schädel spalten und Gliedmaßen abhacken, doch er muss sich einer Lesewelt anpassen, die - Stichwort „wokeness“ - auf Rassismen und Vorurteile deutlich anders bzw. empfindlicher reagiert als in den 1930er Jahren.
So ist auf ein Frauenbild zu achten, das ungeachtet einer weiterhin männlich dominierten Urwelt ‚modern‘ wirken muss. Valeria als weibliche Hauptfigur demonstriert permanent ihre Selbstständigkeit und ahndet maskuline Unverschämtheiten umgehend (wobei ein Schwertstoß durch die Kehle ausdrücklich gestattet ist). Umgekehrt muss sich Conan nun u. a. gefallen lassen, dass ihn die sexuell ausgehungerte Irawagbon erst in seinen „netten Arsch“ kneift und dann auf ihr Lotterlager zerrt.
Die Definition von „Tempo“
Es gab also einige Klippen, die Stephen Michael Stirling umschiffen musste, als er mit dem Job betraut wurde, Conan in eine Gegenwart zu transferieren, die gewisse Verhaltensvorgaben verlangt, denen sich auch Barbaren beugen müssen, wenn sie franchisetauglich bleiben wollen. Was das konkret bedeutet, lässt sich im direkten Vergleich feststellen: „Das Blut der Schlange“ ist die direkte Vorgeschichte zur Novelle „Red Nails“ (dt. „Rote Nägel“), die kurz nach Robert E. Howards Selbstmord erschien. Auch hier spielen Conan und Valeria die Hauptrollen. „Rote Nägel“ wurde Stirlings Roman bei- oder besser angefügt: Dieser endet offen und geht nahtlos in die Novelle von 1936 über.
Howard sorgte (unbeabsichtigt und ahnungslos) dafür, dass ein solcher Übergang möglich ist. Stirling steigt gemächlich in seine Geschichte ein und beschreibt ausführlich, wohin es Conan verschlagen hat. Wir erfahren, wie der Söldnerdienst in Sukhmet aussieht, und folgen unserem Barbaren buchstäblich auf dem morgendlichen Gang zum Plumpsklo. Es vergehen viele Seiten, bevor die eigentliche Handlung startet.
Howard verliert keine Zeit. Er ‚springt‘ umgehend in das Geschehen, ignoriert die Vorgeschichte und gibt ein Erzähltempo vor, dem er kein Abbremsen gestattet. Eine Story mag anderen Gesetzen folgen als ein Roman, doch „Rote Nägel“ ist eher eine Novelle und vergleichsweise seitenstark. Ungeachtet dessen steht die Handlung im Vordergrund. Hintergrundinformationen lässt Howard einfließen. Wo es nicht nötig ist, erspart er sich (und uns) eingehende Beschreibungen. Eine Geschichte ist für ihn ein Fluss, dem sich Inhalt und Form anpassen. Dazu passt Howards Verweigerung einer bindenden Chronologie: Seine Conan-Storys ‚springen‘ zwischen Jugend und Alter des Helden. Es gibt aus seiner Sicht keinen Grund, sich als Erzähler ein Korsett anzulegen. Eine Conan-Vita entstand erst nachträglich.
Barbarenliebe
Eine Folge der kuriosen Kombination von Alt und Neu ist eine Handlung, in der Conan zwar rasch in Valerias Netz zappelt, ohne dass diese es freilich jemals einziehen würde. Erst lässt sie ihn abblitzen, dann verabschiedet sie sich aus dem Geschehen. Auf den vielen Buchseiten, die ihrer Flucht aus Sukhmet folgen, setzt sich Conan auf ihre Spuren, um ihr erst auf der letzten Seite wieder zu begegnen, bevor Howard mit „Rote Nägel“ übernimmt. Kein Wunder, dass Conan problemlos Irawagbons Reizen erliegt! („‚Nein, ich werde Valeria todsicher nichts von diesem Teil der Reise erzählen‘, dachte Conan, als er hinüberging.“)
Wie Howard ist auch Stirling ein Vielschreiber, der seit 1984 eine schier endlose Zahl oft seriengebundener Fantasy- und SF-Titel ausstößt. Das Handwerk ist in diesem Milieu ebenso wichtig wie die Phantasie, denn Serien müssen kalkulierbar sein. (Dem verdanken wir auch die schönen Innenillustrationen: Roberto de la Torre ist als Comic-Zeichner praktischerweise ebenfalls für „Titan Entertainment“ tätig.) Zeit- und Finanzrahmen stehen fest, und wer sich anheuern lässt, weiß um die Konsequenzen. ‚Literatur‘ kann in diesem Umfeld nicht entstehen, aber Lesefutter.
Das Franchise arbeitet dieses Mal vorsichtiger. „Das Blut der Schlange“ blieb drei Jahre ohne Nachfolger. „City of the Dead“ (von John C. Hocking) ist zudem keine Fortsetzung, sondern ein eigenständiges Kapitel. Schon der Titel zeigt, dass hier und in einer Ära einschlägiger Grusel-Phantastik mit Horror-Elementen à la „The Witcher“ oder „The Last of Us“ für Kaufpublikum gesorgt werden soll. Schon in „Das Blut der Schlange“ lässt sich eine Neuverortung des Schreckens feststellen. Zwar waren Robert E. Howard und H. P. Lovecraft (1890-1937) nicht nur Zeitgenossen, sondern auch vom Werk des Anderen angetan. Diverse Lovecraft-Unholde trieben auch in Howard-Storys ihr Unwesen. Doch Stirling geht wesentlich weiter, zitiert Cthulhu und seine Brut direkt und kann sich damit einen weiteren Populär-Mythos nutzbar machen.
Fazit:
Nach längerer Zeit erscheint ein neuer „Conan“-Roman. Form und Inhalt werden den Wertvorstellungen der Gegenwart angepasst; das Franchise sondiert das Terrain für eine Rückkehr auf den Buchmarkt. Der Unterhaltungswert ist solide, dennoch fällt auf, wie viel schwungvoller und ungestümer Conan-Schöpfer Robert E. Howard seinen Helden agieren lässt.

Stephen Michael Stirling, Cross Cult


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