Feuerblüte - Im Reich der Wolkentrinker

  • Ueberreuter
  • Erschienen: Januar 2006
Feuerblüte - Im Reich der Wolkentrinker
Feuerblüte - Im Reich der Wolkentrinker
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Carsten Kuhr
75°

Phantastik-Couch Rezension vonAug 2006

Fantasy aus Deutschland weckt Appetit auf mehr

Im zweiten Band der zweiten ";Daresh Trilogie"; lernen wir eine neue Gegend kennen. Seit Jahrhunderten wird das Reich der Gilden durch eine Magischen Barriere von den Gefahren der Wüste und des unbekannten Landes dahinter geschützt. Doch dann versagt einer der drei Türme, die Grenze fällt, und das Land wird von eine Plage heimgesucht. Allesfressende Zecken und riesige, kaum aufzuhaltende Felswesen gelangen über die einstige Grenze, ganz Daresh ist in Gefahr.

Während Alenas Vater zu den Türmen gerufen wird und versucht die Abschirmung zu reparieren, nutzt Alena, die junge Feuermeisterin, die Chance, sich das Land jenseits der bekannten Welt anzuschauen. Ein Geschwisterpaar und ein Iltismensch begleiten sie auf ihrem Abenteuer. Schon bald wird deutlich, dass sich ein Verfolger an ihre Fersen geheftet hat. Dem gildenlosen Jorak, der sich unsterblich in die junge Schwertmeisterin verliebt hat, gelingt es, sie vor den tödlichen Gefahren der Wüste zu retten. Doch dann gelangen sie nach Rhiannon, der Stadt der Wolkentrinker, in der jeder sich der Kunst widmet, und alle von dienstbaren Geistern umsorgt werden. Was zunächst aussieht wie ein Schlaraffenland, das entpuppt sich bei näherer Betrachtung als ein System, das auf einer bedenklichen und gefährlichen Ausbeutung einer ganzen Rasse beruht. Die überall unauffällig aber fleissig tätigen Diener sehen zwar wie Menschen aus, doch gleichen sie von ihrer Intelligenz und ihrer sozial-kulturellen Ausrichtung her einem Ameisenstaat. Das Individuum zählt nicht, die Masse entscheidet und setzt um. Schon einmal wurde ein blühendes Staatswesen von den Dienern unterwandert und vernichtet, jetzt droht auch Rhiannon dieses Schicksal. Doch die Bewohner des Stadtstaates wollen auf die Warnungen der Fremden nicht hören. Diese werden gefangen genommen, gejagt und vertrieben. Als sich die Diener auf ihre Spur setzen, kann ihnen nur noch der Schatz von Atakán helfen, die Würfel des Schicksals mit ihren magischen Kräften zeigen ihre Kräfte sowohl zum Guten wie zum Schlechten.

Die Protagonistin entwickelt sich weiter

Katja Brandis hat erneut bewiesen, dass sie es versteht, eine spannende Handlung mit Aussage zu verbinden. Vordergründig erzählt sie erneut eine Geschichte voller Spannungsmomente. Sie präsentiert uns die faszinierende Welt einer lebensfeindlichen Wüste voller gefährlicher Bewohner. Dann, quasi als Widerpart zur Wüste die Oase der Stadt Rhiannon mit ihren zunächst paradiesisch erscheinenden Zuständen.

Jeder Bewohner gibt sich scheinbar ganz der Kunst und Kultur hin, Aggressionen oder Verbrechen sind so gut wie nicht bekannt. Oberflächlich betrachtet lebt jeder in einem Zustand des immerwährenden Glücks, für die Versorgung der Bewohner sorgen die allgegenwärtigen dienstbaren Geister. Doch dann kommt die Kehrseite der Münze zum Vorschein. Unterdrückung Andersdenkender bis hin zu Folter und Mord durch die herrschende Clique, die Ausbeutung der Diener in einer symbiothisch anmutenden Wechselbeziehung, die Negierung der Bedrohung durch diesen Dienerstaat. Wo bleibt das Verantwortungsbewusstsein des Einzelnen für die Gemeinschaft, wo das Wachsen, das sich Entwickeln gerade an schwierigen Aufgaben, wenn den Bewohnern alles abgenommen wird? Brandis deutete es nur an, doch den künstlerischen Werken mangelt es an Originalität, an Wucht und Kraft. Zu dekadent sind die verwöhnten Städter schon geworden, zu satt um wirklich Neues schöpfen zu können.

Auch die Sichtweise auf unsere Protagonistin ändert sich. Wurde sie im ersten Band als aufbrausende junge Wilde beschrieben, die erst handelt und später dann – wenn überhaupt – nachdenkt, so ist sie immer noch impulsiv, lernt aber zusehends vorauszuplanen und Verantwortung zu übernehmen.

Erste zart angedeutete sexuelle Erlebnisse mit Frauen und Männern, die Suche nach Geborgenheit, nach einem Platz in der Welt, ja nach ihrer Bestimmung rückt immer mehr in den Mittelpunkt der Handlung. Sie hinterfragt ihre Einstellung zu Themen wie der Diskriminierung der Gildenlosen, lernt andere nach ihrem Wesen zu beurteilen, nicht nach dem äusseren Schein oder den altbekannten Vorurteilen.

Für meine Begriffe wiederum ein wenig zu kurz gekommen sind erneut die faszinierenden Tiermenschen. Ansonsten ein rundum gelungener, farbenprächtiger Roman, sauber strukturiert und stilistisch gefällig, der Appetit auf mehr weckt.

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