Schwarze Wacht
- Piper
- Erschienen: August 2025
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Ein typischer Richard Schwartz
Richard Schwartz ist ein Name, der mittlerweile in festem Bezug zu gelungener Fantasy- und Science-Fiction-Literatur zu nennen ist. Insbesondere seine Romane rund um „Askir“ bieten grandiose Unterhaltung und erfreuen sich einer großen Anzahl an begeisterten Lesern.
Nun wagt sich Herr Schwartz erneut in das Fahrwasser der phantastischen Literatur und entführt uns in die Epoche des europäischen Barocks. Im Gegensatz zu seinem historischen Vorbild gehören in diesem Roman Wesen wie Werwölfe und Vampire ebenso zum Leben dazu wie das Anwenden von Magie. Demzufolge bekommen wir also ein Fantasy-Erlebnis in einem realhistorischen Setting präsentiert.
Ob Richard Schwartz mit diesem Werk an seine Erfolge der Vergangenheit anknüpfen kann, werden wir, lieber Leser und liebe Leserin, nun näher betrachten.
Rache funktioniert immer
Der Leserschaft wird eine weibliche Protagonistin vorgesetzt, die sich zu Anfang des Romans noch im Kindesalter befindet. Eva, so lautet ihr späterer Deckname, ist mit ihrer Familie unterwegs nach Brünn, der Hauptstadt des Königreiches Mähren. Ihre Familie gehört dem spanischen Adel an, und ihre Anreise sorgt für mächtig Ärger bei der Kirche der Dreieinigkeit. Diese fürchtet, dass Evas Vater Einfluss auf den König in Brünn nehmen wird, der sich negativ auf das Kräfteverhältnis der Kirche auswirken könnte. In Prag, dem Machtzentrum der Dreieinigkeit, werden Attentäter losgeschickt, um die Reisenden auszulöschen. Das Vorhaben gelingt größtenteils, nur Eva, ihr Bruder und wenige Freunde der Familie überleben schwerverletzt das Attentat. Die Geschwister werden getrennt, und Eva taucht in Brünn unter. Nero, ein geheimnisvoller Krieger der Schwarzen Wacht, einer verborgenen Organisation, die direkt dem König Mährens unterstellt ist, nimmt das Mädchen unter seine Fittiche. Um ihr Leben zu retten, war Nero gezwungen, der kleinen Eva das Herzblut eines uralten Vampirs zu verabreichen. Es kommt, wie es kommen musste, und Eva entwickelt im Laufe ihres Lebens immer mehr mächtige Fähigkeiten. Doch auch in ihrem Urzustand haftet etwas Besonderes an dem Mädchen aus Spanien.
Eva ist damit einverstanden, von der Schwarzen Wacht ausgebildet zu werden. Angetrieben von dem Gedanken der Rache durchläuft sie im Laufe der Handlung die skrupellosen Prüfungen der schwarz gekleideten „Wächter“ und wächst zu einer mächtigen jungen Frau heran.
Die vorgenannte Ausbildung ist eindeutig der Schwerpunkt der Handlung dieses Romans. Mit der eigentlichen Rache an den Häschern ihrer Familie hat der Handlungsstrang wenig zu tun. Hier müssen wir wohl auf etwaige Folgebände warten.
Spielerische Leichtigkeit
Der Charakterzeichnung von Eva lässt sich eindeutig Richard Schwartz‘ Handschrift entnehmen. Egal ob bei den Askir-Romanen oder bei den Sax-Chroniken, Schwartz‘ Protagonisten sind von Beginn ihrer Heldenreise an extrem mächtig. So auch Eva. Die Prüfungen der Schwarzen Wacht erledigt sie mit spielerischer Leichtigkeit und verwundert ihre Lehrer Tag ein und Tag aus. Das liegt nicht nur an ihren Fähigkeiten begründet, die sie durch das Blut eines Vampirs erhalten hat, sondern insbesondere auch an ihrer Intelligenz. Um Morde aufzuklären, braucht sie lediglich die entsprechenden Akten zu lesen, und um Werwölfe zu besiegen, wendet sie ihre Blutmagie an, um den übelriechenden Wolfsmenschen das Herz stehen zu lassen. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass sie sogar in der Lage ist, sich und andere zumindest ein stückweit zu heilen.
Eva ist ein Wunderkind, die Konflikte leichter löst, als ein Kardinal Sünden gegen entsprechende Bezahlung vergibt.
Das Ganze spitzt sich so weit zu, dass es Eva und ihrer Freundin Suzanne, die ebenfalls die Ausbildung der Schwarzen Wacht durchläuft, keinerlei Probleme bereitet, im Rahmen ihrer Lehre ins Bordell gesteckt zu werden, um unter dem Deckmantel der Verführung die Belletage Brünns „beglücken“ zu müssen. Die beiden stecken diese Nächte in ihren jungen Jahren besser weg als Frankensteins Monster ganze Musketensalven. Bei aller Liebe zur sexuellen Offenheit und Leichtigkeit in moderner Literatur schießt Schwartz hier über das Ziel hinaus.
In allen anderen Bereichen passen die Charakterzeichnungen zu Herrn Schwartz wie die Faust aufs Auge. Wie auch in seinen anderen Romanen umgibt sich seine Protagonistin schnell mit einer Reihe mächtiger und interessanter Verbündeter, sodass ein angenehmes Gruppengefüge entsteht. Der Autor nimmt es in Kauf, dass die Spannungskurven in den Auseinandersetzungen weit weniger ausschlagen als bei der breiten Genre-Konkurrenz, denn der Leser lernt schnell: Eva regelt das schon! Gleichwohl bietet jede Auseinandersetzung – und davon gibt es einige, das Buch kommt wahrlich kaum zur Ruhe – gelungene Unterhaltung. Auch wenn die Leserschaft das Gefühl bekommt, die Protagonistin sei schier unbesiegbar, sorgt die geballte Machtpalette, die Eva umgibt, für unterhaltsame Kämpfe und Dialoge. Unterstützt wird das Ganze durch ein Fundament aus Sarkasmus, mit dem Potenzial, die Mundwinkel der Lesenden jederzeit zucken zu lassen. Letzteres sorgt dafür, dass dieser Roman sich eher leicht und locker anfühlt und weniger mit einer düster emotionalen Rachegeschichte gemein hat.
Fazit:
Wir dürfen dankbar sein, mit Richard Schwartz einen deutschen Fantasy- und Science-Fiction-Autor zu haben, der sich seiner Art und Weise zu schreiben treu bleibt und in regelmäßigen Abständen gewohnt unterhaltsame Fantasyliteratur liefert. Dieser Roman erreicht zwar nicht den Tiefgang und den Ideenreichtum des Askir-Universums, um genug Neugierde und Vorfreude auf mögliche Folgebände zu schüren, genügt es gleichwohl allemal.

Richard Schwartz, Piper

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