Emily Wildes Kompendium der verlorenen Geschichten

  • Fischer
  • Erschienen: Juni 2025
  • 0
Emily Wildes Kompendium der verlorenen Geschichten
Emily Wildes Kompendium der verlorenen Geschichten
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Andrea Betschart
80°1001

Phantastik-Couch Rezension vonJan 2026

Fairywell my friends!

Alles hat einmal ein Ende. Leider trifft das auch auf die Trilogie von Heather Fawcett rund um die Feenforscherin Emily Wilde zu. Mit grosser Freude und etwas Wehmut habe ich mich daher an die Lektüre des Abschlussbandes gemacht.

König werden ist nicht schwer – König sein dagegen sehr!

Emily hat es geschafft! Es ist ihr tatsächlich gelungen, die geheime Feentür zu finden, die nach Silva Lupi führt, das Königreich ihres Verlobten Wendell Bambleby. Dort angekommen bleibt kaum Zeit zum Verschnaufen. Schliesslich gilt es, die Ansprüche eines Feenprinzen geltend zu machen! Mit der Besteigung des Throns durch Wendell als neuer König von Silva Lupi werden diese jedoch in kürzester Zeit vollumfänglich erfüllt.

Emily bietet sich nun im Gegenzug die einmalige Chance, ein Feenreich von innen zu erforschen. Dies nicht nur als Dryadologin, sondern ebenso als dessen Königin. Sozusagen "mittendrin statt nur dabei". Wer jetzt auf den klassischen Märchenschlusssatz "Und wenn sie nicht gestorben sind…" hofft, den muss ich leider enttäuschen. Wir befinden uns hier ja auch nicht in einer Erzählung der Gebrüder Grimm, sondern in einem waschechten Feenreich mit seinen ganz eigenen Regeln und Gebräuchen.

So erstaunt es nicht, dass sich Emily und Wendell schon bald mit allerlei Problemen konfrontiert sehen. Sie müssen sich mit intriganten höfischen Feen herumschlagen, herausfinden ob Wendells Schwester Freund oder Feind ist und ganz nebenbei noch einen Fluch brechen, welcher das ganze Königreich bedroht. Wie gut, dass Emily immer dann zur Höchstform findet, wenn die Lage praktisch aussichtslos erscheint!

Silva Lupi

Heather Fawcett hat in den ersten beiden Bänden bereits mit ihrem hervorragenden World Building gepunktet. Mit Silva Lupi dürfen wir ein neues Feenreich bereisen und gemeinsam mit Emily erforschen. Die Autorin spielt hier ihre Stärke, unglaubliche Schauplätze zu schaffen, wieder voll aus. Es begegnen uns frische Gestalten, fremdartige Wesen sowie einmalige Landschaften. Oder haben Sie schon mal vom Unteren See gehört, bei welchem hexenköpfigen Rehe hausen? Eben!

Es macht einfach wieder ungeheuer Spass, mit Emily und Wendell ihr neues "Zuhause" kennenzulernen. Häufig trifft dabei Emilys akribische Wissenschaftlichkeit auf Wendells Nonchalance. Beispielsweise als es darum geht, die "Aufmerksamen Eichen" zu beschreiben. Dabei handelt es sich um Bäume, welche mit unzähligen Augenpaaren versehen sind, einem gerne mal folgen und dabei unentwegt mit ihren Blättern rascheln. Für Emily ganz klar eine Monstrosität, mit dem Potenzial, Albträume zu bescheren. Für Wendell lediglich Bewohner seines Reiches, von denen keinerlei Gefahr ausgeht, solange man sie nicht beleidigt.

Ihre Gegensätzlichkeit sorgt wieder für heitere Momente während der Lektüre. Obwohl ich sagen muss, dass mir die Dynamik zwischen Emily und Wendell in den ersten beiden Büchern besser gefallen hat. Vielleicht liegt es daran, dass Emily präsenter ist, mehr Handlungsstränge hat, die sie ohne Wendell absolviert. Dies sorgt zwar dafür, dass sie als Figur noch mehr über sich hinauswächst und uns neue Seiten von sich zeigt. Gleichzeitig bleibt Wendell dadurch jedoch etwas blass.

Alles richtig gemacht

Das "Kompendium der verlorenen Geschichten" ist genau wie seine Vorgänger als Tagebuch gestaltet. Fussnoten, die immer wieder auftauchen, versorgen uns zusätzlich mit vielen Informationen, Geschichten und Sagen aus der Feenwelt und untermauern so glaubwürdig, dass man ein echtes Forschertagebuch in Händen hält. Die Sprache ist leicht und flüssig zu lesen und bekannte Figuren mischen sich gekonnt mit neuen Charakteren. Die Handlung selbst überzeugt mit viel Spannung, Rätseln sowie gekonnten Wendungen. Wenn ich ehrlich bin, haben mir Band 1 und 2 minim besser gefallen. Doch ich ziehe meinen Hut vor Frau Fawcett, der es gelungen ist, über drei Bücher hinweg unglaubliche Kreativität und Ideenreichtum an den Tag zu legen, und die uns so einzigartige Feenwelten geschenkt hat!

Fazit:

Heather Fawcett hat das grosse Kunststück geschafft, eine Trilogie zu schreiben, die ein konstant hohes Niveau hält. Auch im Abschlussband überzeugt sie noch einmal mit wunderbarem World Building und einzigartigen Figuren. Etwas wehmütig habe ich mich nun von Emily und Wendell verabschiedet. Einen kleinen Hoffnungsschimmer, dass es ein Wiedersehen mit den beiden gibt, bewahre ich mir aber trotzdem. Schliesslich ist im Reich der Feen alles möglich…

Emily Wildes Kompendium der verlorenen Geschichten

Heather Fawcett, Fischer

Emily Wildes Kompendium der verlorenen Geschichten

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