Ursula und das V-Team: Das Schicksal muss warten

  • Eichborn
  • Erschienen: Mai 2025
  • 2
Ursula und das V-Team: Das Schicksal muss warten
Ursula und das V-Team: Das Schicksal muss warten
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Marcel Scharrenbroich
92°1001

Phantastik-Couch Rezension vonMär 2026

Blootrausch, Kölsch un e lecker Mädche

Drink doch eine met

Da will man sich nach einer spontanen Trennung mal ordentlich einen in die Rüstung römern, und wo gerät man rein? Nein, nicht in eine gepfefferte Kneipenschlägerei…, sondern in einen handfesten Krieg zwischen magischen (?) Jungfrauen (!!!) und untoten (??) Hunnen (???). Klingt wild, macht aber durchaus Sinn. Schalten wir aber noch mal einen Gang zurück, um diese durchaus skurrile Situation etwas greifbarer zu machen:

Der Amerikaner Adam ist Kunststudent und verdient sich seine Brötchen in Köln damit, dass er als Touristenführer jobbt. Seiner angeblich kranken Freundin Caroline wollte er etwas Gutes tun, überraschte sie aber dabei, wie sie einem Belgier etwas noch viel Besseres tat. So viel zur angeblichen Tatsache, dass man aus religiösen Gründen mit der Knatterei warten wolle. So landete Adam an der Theke von Günther, der durch fleißiges Nachschenken nun seinen Beitrag leistet, dass der frischgebackene Single sich mit dutzenden Gläsern Kölsch (sofern das mit dem Gebräu überhaupt möglich ist) selbst die Funzel austreten will. Er ist gerade mittendrin, sich in einem guten Lauf einhändig den Helm zu lackieren, als er von einer hübschen jungen Frau angesprochen wird. Passiert jetzt nicht jeden Tag, doch Adam hat am heutigen Abend – aus unerfindlichen Gründen – nicht die größte Lust, sich auf Zweisamkeit einzulassen. Vielmehr ist er auf der Zielgeraden, sich endgültig die Nieten aus der Hose zu schießen. Doch Ursula, wie sich ihm die junge Frau vorstellt, ist nicht an intimen Stündchen interessiert, denn sie braucht unbedingt eine Jungfrau *autsch*, um etwas ganz, ganz Schlimmes zu verhindern. Das… klingt durchaus ungewöhnlich und dürfte selbst im weltoffenen Köln kein Anmach-Spruch von der Stange sein, doch Adam stimmt kurzerhand zu. Es mag sein, dass diese Kurzschlusshandlung seinem Promillestand zu verdanken ist, oder einfach der Tatsache geschuldet sein, dass dieser Abend sowieso unmöglich beschissener enden kann.

Die kühle Abendluft haucht zwar wieder etwas Klarheit in seine gut getränktes Hirn, doch auf was Adam sich da in Wirklichkeit eingelassen hat, wird ihm erst nach und nach bewusst. Ursula verfrachtet ihn in einen Kleinbus und los geht die wilde Fahrt. Mit an Bord sind sechs weitere junge Frauen… beziehungsweise Jungfrauen… und eine betagte Dame namens Una, die hinter dem Steuer sitzt… vermutlich keine Jungfrau. Una entpuppt sich als Ausbilderin der Mädels, die seit Jahren nur auf diese eine Nacht vorbereitet wurden. Wir kommen gleich dazu, wie nun die Hunnen ins Spiel kommen, aber erstmal etwas mehr Kontext…

Kleine Geschichtsstunde

Die christliche Legende von Ursula von Köln, auch die heilige Ursula genannt, dreht sich um die Tochter von König Dionotus von Cornwall, der im vierten Jahrhundert n. Chr. von Conan Meriadoc, dem ersten Herzog der Bretagne, den Auftrag erhielt, Bräute für die neuen Siedler in der Region zu beschaffen. Er schickte seine Tochter Ursula, der der olle Conan umgehend einen Antrag machte (was für ein Stelzbock!). Ursula, die eigentlich Christus Enthaltsamkeit geschworen hatte, ging darauf ein, bat aber um eine Frist, damit ihr zukünftiger Gemahl gefälligst erstmal dem Christentum beitreten solle. Wo sind wir denn hier??? Während dieser dreijährigen Zeit (ich frag mich, was die so lange mit Conan veranstaltet haben?) begab sich Ursula mit zehn Jungfrauen auf eine Pilgerreise nach Rom, damit diese dort getauft werden. Jeder Jungfrau schlossen sich 999 weitere Jungfrauen an, was in Summe die stattliche Anzahl von 11.000 Jungfrauen ergab.

An dieser Stelle sind die Überlieferungen allerdings etwas schwammig, denn frühere Quellen berichten nur von elf Jungfrauen, was auf einen Übersetzungsfehler zurückgehen kann.

Auf ihrer langen Reise kam das Grüppchen auch in Köln vorbei, wo Ursula im Traum ein Engel erschien. Der hatte die düstere Prophezeiung im Gepäck, dass ihr und ihren Begleiterinnen auf der Rückreise, wenn sie wieder in Köln einkehren, ein Martyrium bevorstünde. So war es dann auch, denn die Stadt wurde mittlerweile von den Hunnen regiert. Das wäre eigentlich schon das Ende der Reise gewesen, denn mit Attila & Co. fackelt man nicht lange. Allerdings hatte ein Sohn des Hunnenkönigs ein Auge auf Ursula geworfen. Die sagte aber „“ und das war es dann für sie. Und für alle anderen auch. Ende der Legende. Naja, nicht ganz… denn nach dem Massaker erschien dem Hunnensohn ein Heer von Engeln im Traum, woraufhin er sich in sein Fellhöschen schiss und aus Angst vor dem Zorn von Oben die Belagerung Kölns aufgab. Seitdem gilt die heilige Ursula als Schutzpatronin der Stadt.

Drink doch NOCH eine met

Unsere Ursula der Gegenwart wurde sorgfältig ausgewählt und musste mit der Ernennung zur Nachfahrin ihr altes Leben, inklusive aller Erinnerungen an dieses, komplett aufgeben. So auch ihre Schwestern im Geiste, die dafür aber allesamt mit übermenschlichen Fähigkeiten ausgestattet wurden. Von Una und Ursula erfährt der schlagartig nüchterne Adam, dass die alte Legende hier und da etwas falsch interpretiert wurde. In Wahrheit hat ein mächtiger Nekromant damals einen noch mächtigeren Fluch ausgesprochen, der die Hunnen nun alle achtzehn Jahre wieder in Geisterform auf Köln loslässt. Einhalt kann ihnen nur von der Inkarnation Ursulas und ihren zehn Jungfrauen geboten werden. Und heute ist die Nacht der Nächte!

Zu dumm allerdings, dass die Schwestern nicht vollzählig sind. Deshalb muss notgedrungen Adam als Ersatz herhalten. Für ein geeignetes Casting war schlicht und einfach keine Zeit. Kurz wünscht der Bursche sich, er hätte sich mit aller Kraft an Günthers Tresen festgebissen, aber um aus der Harakiri-Nummer auszusteigen, ist es zu spät. Noch ahnen Ursula, Adam und die anderen aber nicht, dass das Gastspiel der Geister-Hunnen aber nicht das Highlight dieser Nacht ist. Die Story wird noch viel, viel abgedrehter und wilder!

Urban-Fantasy-Klamauk mit Charme und Suchtfaktor

Gerade WEIL die Story so wild und abgedreht ist, ist es wichtig, dass sie von jemandem erzählt wird, der sein Handwerk versteht. Der irische Bestseller-Autor und Stand-Up-Comedian C. K. McDonnell, der mich bereits mit seiner „Stranger Times“-Reihe stets blendend unterhält, hat sich zur Verstärkung seine Ehefrau Elaine Ofori ins Boot geholt. Eine gelungene Verstärkung, denn die Hand-in-Hand-Arbeit des Ehepaars ist ganz wunderbar geglückt. Zwischen verspieltem Wortwitz und sich aneinanderreihenden Schlagabtausch-Dialogen gibt es viel Spannung und auch reichlich Abwechslung. Dafür sorgt allein schon die Vielzahl an Charakteren. Hier hatte ich zu Beginn noch Sorge, dass die Übersicht darunter leiden könnte und dass ich beim Versuch, Namen und Figur irgendwie unter einen Hut zu bekommen, den Kürzeren ziehen würde. Ähnliches äußert auch Adam nach dem ersten Kennenlernen, weshalb ich mich ihm gleich verbunden fühlte. Doch weit gefehlt, denn im Laufe der Geschichte lernt man die Mädels (und ihre jeweiligen Fähigkeiten!) besser kennen. Hilfreich ist auch, dass die Jungfrauen häufig in kleineren Grüppchen unterwegs sind.

Fazit:

Ich hoffe sehr, dass McDonnell und Ofori, die hier ihr schriftstellerisches Debüt gibt, Ursula und ihrem V-Team (das V steht übrigens für Virgin = Jungfrau) weiterhin treubleiben. Kurzweilig, rasant und gespickt mit liebenswert-schrägen Charakteren. Außerdem ist es durchaus interessant, den Blick auf eine deutsche Großstadt und ihre Mythologie durch die Augen nicht-heimischer Autoren zu sehen.

Ursula und das V-Team: Das Schicksal muss warten

Elaine Ofori, C. K. McDonnell, Eichborn

Ursula und das V-Team: Das Schicksal muss warten

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