Swedish Machines: Ein illustrierter Roman
- Fischer
- Erschienen: Mai 2025
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Sensible Coming-of-Age-Erzählung vor dystopischer Kulisse.
Svartlöten. Nach einem missglückten Waffentest eines schwedischen Rüstungsunternehmens wurde die Insel zur Sperrzone erklärt. Seitdem ranken sich Gerüchte um seltsame Ereignisse und unerklärliche Phänomene. Jahre später kehrt ein Mann an diesen Ort zurück – auf der Suche nach einem Menschen, der seine Jugend entscheidend geprägt hat.
Geheimnisse in einer verbotenen Zone
Simon Stålenhag schafft in „Swedish Machines“ eine für ihn typische dystopische Prämisse. Doch auch diesmal entfaltet seine Geschichte wieder eine mitreißende Mischung aus Science-Fiction, Melancholie und Menschlichkeit. Die Handlung führt zurück in die Jugendjahre von Valter und Linus. Zwei ehemalige Schulfreunde, die sich nach einer Phase der Entfremdung wieder annähern und gemeinsam in die verbotene Zone aufbrechen. Zwischen verlassenen Industrieanlagen, gewaltigen Maschinen und den Dünen der Insel begegnen sie nicht nur den Geheimnissen des Ortes, sondern auch ihren eigenen Gefühlen. Valter und Linus suchen Halt, Orientierung und Sinn. Sie sind grundverschieden und doch auf eine Weise miteinander verbunden, die sie selbst erst allmählich begreifen. Besonders Valters persönlicher Schicksalsschlag verleiht der Geschichte emotionale Tiefe und macht ihn zu einer Figur, deren Entwicklung lange nachwirkt.
Geschickt vermischt Stålenhag die Zeitebenen. Die fantastischen Elemente bleiben dabei lange bewusst rätselhaft. Nichteuklidische Zonen, seltsame Theorien und unerklärliche Vorkommnisse erzeugen eine Atmosphäre von Unbehagen und Faszination. Doch die eigentliche Geschichte handelt nicht von Technologie oder wissenschaftlichen Erklärungen, sondern von Erinnerung, Verlust, Liebe und Identität. Dazu passend löst Stålenhag am Ende mit feinsinniger Symbolik das vermeintlich Unerklärliche auf und verankert es in der emotionalen Innenwelt seiner Figuren.
Wie bei allen Werken Stålenhags sind die Illustrationen weit mehr als schmückendes Beiwerk. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil der Erzählung. Die digital geschaffenen Bilder besitzen eine enorme Präsenz und vermitteln sowohl die Bedrohlichkeit der gigantischen Maschinen als auch die Einsamkeit weiter Landschaften und die Intimität leiser Momente. Und so ist es ebenso beeindruckend, wie Stålenhag Gegensätze in seinen Motiven und Szenen miteinander verbindet: gewaltige militärische Fluggeräte vor stillen Seen, monumentale Maschinen inmitten scheinbar gewöhnlicher Landschaften, futuristische Technologie neben alltäglichen Szenen menschlichen Lebens. Insbesondere auf den Doppelseiten entfalten die Bilder eine beinahe cineastische Wirkung.
Fazit:
Die dystopische Kulisse bildet den Hintergrund für die persönliche Geschichte zweier Menschen, die ihren Platz in der Welt suchen und erkennen, was sie einander bedeuten. Was als Mystery-Erzählung beginnt, entwickelt sich zunehmend zu einer feinfühligen Coming-of-Age-Geschichte. Simon Stålenhag erzählt eine ebenso melancholische wie faszinierende Story von Verlust, Freundschaft und Liebe, die durch emotionale Figuren und eine außergewöhnliche Bildsprache berührt. Ein weiterer atmosphärisch dichter, illustrierter Roman, dessen wahre Stärke weniger in seinen Geheimnissen als in seinen Menschen liegt.

Simon Stålenhag, Fischer

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