Verlorene Städte: Lichter unter London I

  • Cross Cult
  • Erschienen: April 2025
  • 1
Verlorene Städte: Lichter unter London I
Verlorene Städte: Lichter unter London I
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Andrea Betschart
70°1001

Phantastik-Couch Rezension vonJun 2025

"Unterirdische" Fantasy

Orte, welche sich unter der Erde befinden, üben auf mich eine grosse Faszination aus. Viele tolle Geschichten und Filme haben unterirdische Schauplätze. Nehmen wir etwa Alice, die einem Kaninchen durch dessen Bau folgt und so im Wunderland landet. Oder den Horrorfilm "The Descent", in welchem eine Gruppe Frauen in einem Höhlensystem eingeschlossen ist. Im vorliegenden Buch steigen wir hinab in die Katakomben Londons... Unterwelt, ich komme!

Ein Sturz in die Unterwelt

Die junge Maeve O'Sullivan ist Studentin an der Universität Dublin, Hauptfach Katakombenforschung. Nach Abschluss ihrer Ausbildung möchte sie ein "Mudlark" werden. Also jemand, der diese Unterwelt erforscht und ihr die unentdeckten Schätze entlockt. Leider kennt sie die Katakomben bisher nur aus der Theorie. Das soll sich nun ändern. Angespornt durch eine Wette, bucht Maeve bei einem Ausflug nach London eine Katakomben-Führung. Um die Gewölbe auf eigene Faust zu erkunden, verlässt sie die Gruppe bei einer günstigen Gelegenheit. Blöd nur, dass Maeve stürzt und dabei bis in die unbekannten Ebenen der Katakomben abrutscht.

Als wäre das nicht schon schlimm genug, wird sie von einer monströsen Kreatur verfolgt und von dieser durch einen Biss wortwörtlich "gezeichnet". Einzig Blaise verdankt sie es, dass sie mit dem Leben davonkommt. Doch ihr mysteriöser Retter hilft ihr eher unfreiwillig und gibt sich zu Beginn ziemlich wortkarg. Nach und nach wird er jedoch zugänglicher und eröffnet Maeve, was es mit ihrer Verletzung durch den sogenannten "Wächter", auf sich hat. Der Biss sorgt dafür, dass sie die Erdoberfläche niemals mehr betreten kann. Tut sie es doch, stirbt sie unweigerlich. Maeves einzige Hoffnung auf Heilung ist ein Ort am tiefsten Punkt der Katakomben, den noch nie jemand gesehen hat.

Eine einmalige Welt

Der grösste Pluspunkt des vorliegenden Buches ist für mich eindeutig die von Anne Herzel erdachte Unterwelt. Sie bevölkert die verschiedenen Schichten der Katakomben mit unglaublichen Wesen und Pflanzen. Alle fantasievoll und mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Ein einzigartiges Ökosystem, welches bildgewaltig vor dem inneren Auge entsteht. Zusammen mit Maeve und Blaise erkunden wir diesen fremdartigen, bizarren Schauplatz und kommen aus dem Staunen kaum heraus.

Einmal mehr ist es der Mensch, der diese wunderbare und fragile Welt bedroht. In unserer Geschichte sind es die Mudlarks, die ohne Rücksicht auf Verluste immer gieriger und tiefer graben. Dass sie dabei einmalige Flora und Fauna zerstören nehmen sie billigend in Kauf. Traurig und leider gut vorstellbar, dass wir eine solch fantastische Welt tatsächlich nach und nach zerstören würden, sollten wir je eine entdecken.

Hauptfiguren mit Luft nach oben

Die beiden Hauptcharaktere, Maeve und Blaise, haben mich nicht ganz überzeugt. Vor allem Maeve handelt für mich in einigen Situationen sehr naiv oder unpassend. Sich wegen einer Wette in Lebensgefahr begeben und im Anschluss gleich noch erfahrene Mudlarks auf eine Expedition begleiten, anstatt voller Angst einen Ausweg zu suchen, wirkt für mich eher unglaubwürdig. Zudem finde ich es unlogisch, dass Maeve bereits mehrere Semester Katakombenforschung studiert, aber selbst noch nie vor Ort war, um diese zu besuchen. Auch bei Blaise dauert es sehr lange, bis man hinter seine Fassade blicken darf. Das ist schade, denn er wäre eine durchaus interessante Figur. So braucht man als Leser indes einige Zeit, um mit den beiden warm zu werden.

Mit Maeve präsentiert uns die Autorin eine non-binäre Hauptfigur und greift das Thema Diversität zusätzlich in der Sprache auf, indem sie an manchen Stellen anstatt "sie" oder "er" das geschlechtsneutrale Pronomen "dey" verwendet. Mich hat dieses Neopronomen im Lesefluss eher gestört, aber das darf ja jede und jeder für sich selbst beurteilen.

Fazit:

Anne Herzel erschafft im vorliegenden Buch eine tolle Welt unter Tage. Die Katakomben sind ein faszinierender Schauplatz, den die Autorin detail- und ideenreich lebendig werden lässt. Nicht ganz so überzeugend fand ich hingegen die beiden Hauptfiguren. Vielleicht ändert sich dies im Abschlussband der Dilogie, der unter dem Namen "Vergessene Sterne: Lichter unter London II" bereits erhältlich ist.

Verlorene Städte: Lichter unter London I

Anne Herzel, Cross Cult

Verlorene Städte: Lichter unter London I

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