All Hallows Eve
- Festa
- Erschienen: September 2025
- 0


Spuk in Salem
Neuengland im ausgehenden 19. Jahrhundert: Die junge Alice Jacobs reist mit ihrer Tochter Abigail nach Salem, um nach ihrem verschollenen Ehemann zu suchen. Seine Arbeit als Wissenschaftler, der versucht, Fortschritt und Paranormales unter einen Hut zu bringen, hat ihn hierhergeführt, wobei er jedoch spurlos verschwand. Alice und ihre Tochter hat es ausgerechnet an All Hallows‘ Eve in das Städtchen verschlagen, der Nacht, in welcher der Schleier zwischen der diesseitigen Welt und dem Reich der Geister sich hebt. Als gestandene Frau, die an Vernunft und Verstand glaubt, will Alice sich davon jedoch nicht entmutigen lassen, und befragt den alten Benjamin Emmons, Museumsleiter und Ehrenbürger – und der letzte, der ihren Mann lebend gesehen hat. Von ihm erfährt sie von einem schrecklichen Fluch, der Salem heimsuchen soll: Vor 100 Jahren, zur Zeit der Hexenprozesse, habe eine gewisse Rebecca Hale ihre Seele an den Teufel verkauft und sei gehängt worden. Genau zur heutigen Halloweennacht werde sie zurückkehren und grausame Vergeltung an der Stadt üben, die ihr das Leben und ihren sieben Kindern die Mutter nahm. So wurde es prophezeit von Sarah Bridges, der letzten Angehörigen einer Familie, die aufgrund heidnischer Praktiken aus Salem verbannt wurde. Alle von ihr geweissagten Omen sind eingetreten.
Unbeirrt hält Alice an ihrem Vorhaben fest, ihren Ehemann zu finden. Doch kurz darauf wird ihre standhafte Überzeugung, dass es sich bei diesem Fluch nur um alten Aberglauben handeln kann, zutiefst erschüttert: Ein unheimlicher Nebel dringt in ihre Herberge ein, nimmt die Gestalt einer bedrohlichen Frau im Trauerschleier an, und entführt ihre Tochter Abigail. Alice ist verzweifelt. Nur mithilfe des Notizbuches ihres Mannes und des jungen Seemanns Jonas, dessen Tochter ebenfalls entführt wurde, will sie den Geschehnissen auf den Grund gehen. Ihre Reise führt sie nicht nur zu den furchterregendsten Ecken und Winkeln von Salem, sondern auch tief hinein in die Historie der Stadt. Ist der leibhaftige mörderische Geist von Rebecca Hale wahrhaftig wiederauferstanden, um Salem seine Kinder zu nehmen? Wurde sie gar von Sarah Bridges heraufbeschworen, die sich für ihre Verbannung rächen will? Welche Geheimnisse hat Alice‘ Ehemann vor seinem Verschwinden aufgedeckt? Und was ist mit Hales Kindern geschehen? Es bleibt nicht viel Zeit, die Rätsel Salems zu entwirren, denn bei Sonnenaufgang wird Rebecca Hale ins Fegefeuer zurückkehren – und Abigail wird für immer verloren sein …
‚Sie sind kalt … so furchtbar kalt … Sie wollen dich … brauchen dich … Sie wollen dein Fleisch … Sie wollen dein Blut … Gib es ihnen … Wärme ihre Gräber …‘
Michael Penning, der mit seiner Familie in Montreal lebt, ist großer Fan von Halloween und schreibt vorzugsweise schauerliche Geschichten im Horrorgenre. Eigentlich Drehbuchautor, dessen Werke bereits mit Preisen ausgezeichnet und auf internationalen Filmfestivals gezeigt wurden, hat er mit All Hallows Eve seinen Debutroman vorgelegt. Tatsächlich handelt es sich dabei um den ersten Band einer Reihe mit dem Titel „Book of Shadows“. Ursprünglich bereits 2020 veröffentlicht, ist All Hallows Eve nunpünktlich zur Halloweensaison auf Deutsch im Festa-Verlag erschienen.
- „Ist die Liebe keine stärkere Kraft als die Angst?“
- „Leider schert sich das Übernatürliche nur wenig um die Liebe“
Hexen, Geister, Teufelsanbetung, Tod und Verderben, blutige Rache, und all das vor dem Setting der berüchtigten Stadt Salem im Jahr 1892 zu Samhain in einer unheilschwangeren Nacht – All Hallows Eve hat alle Zutaten einer runden Horrorstory. Leider wollen diese aber nicht so recht zu einem stimmigen Ganzen aufgehen. Die Handlung bedient sich so einiger Klischees, die Charaktere sind zwar interessant und ansprechend, werden aber nicht stark genug entwickelt, und die Gruselszenen sind zu sparsam eingesetzt. Der wabernde Nebel, aus dem sich die blutrünstigen Geister schälen, erinnert zudem doch sehr stark an John Carpenters The Fog. Das größte Potenzial wurde leider hinsichtlich der Geschichte von Salem verschenkt: Hier hätte man sich gewünscht, dass der historische Kontext noch deutlicher eingewoben worden wäre und man mehr über die tatsächlichen Ereignisse der berüchtigten Hexenjagden erfährt. Zwar sind die Wendungen, die eine nach der anderen enthüllt werden, spannend genug, um die Leserschaft bei der Stange zu halten, doch unterm Strich bleibt nach dem abrupten Schluss ein etwas halbgarer Eindruck zurück. Vielleicht werden einige dieser Schwächen in späteren Bänden der „Book of Shadows“-Reihe korrigiert. Hier bleibt abzuwarten, ob auch diese noch auf Deutsch erscheinen werden.
„Ein Jahrhundert voller Schrecken hat euch nichts gelehrt. Diese Stadt braucht keinen Fluch, um ins Verderben zu stürzen“
Was jedoch gut gelingt, ist Setting und Atmosphäre: Malerisch und stimmungsvoll beschreibt Penning diesen düsteren und finsteren Ort voller Schrecken. Die Geschichte führt einen durch eine kalte, stürmische Herbstnacht voller raschelndem Laub, verhängnisvoller Schatten und glühender Kürbislaternen (deren wahren Hintergrund einem ganz nebenbei ebenfalls berichtet wird, dürfte dieser doch nur wenigen geläufig sein). Dem Autor kommt seine Erfahrung als Drehbuchautor spürbar zu Gute, denn er hat ein Händchen für eingängige, expressive Beschreibungen und einen dynamischen, filmgleichen Fluss. Zudem ist löblich, dass er sein Augenmerk auf Spukszenen legt und fast gänzlich auf splatterige Gewaltdarstellungen verzichtet, die in dieser Story fehl am Platz gewirkt hätten. Auch wenn der Roman nur selten wirklich Angst einjagt, hat man als Horrorfan dennoch Freude daran, in diese ganz besondere Stimmung einzutauchen.
Fazit:
All Hallows Eve schöpft seine Möglichkeiten nicht voll aus und ist sicher nicht der definitive Halloweenroman geworden. Das Buch punktet aber durch Stil, Atmosphäre sowie ein schönes Coverdesign - und wird dadurch trotz allem zu einer halbwegs vergnüglichen Lektüre für nasskalte Herbstabende im klassischen Stil, um in die richtige Stimmung für den 31. Oktober zu kommen.

Michael Penning, Festa

Deine Meinung zu »All Hallows Eve«
Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer und respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Bitte Spoiler zum Inhalt vermeiden oder zumindest als solche deutlich in Deinem Kommentar kennzeichnen. Vielen Dank!