Sothon - Tod aus dem schwarzen Wasser

  • Pabel
  • Erschienen: März 1980
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Sothon - Tod aus dem schwarzen Wasser
Sothon - Tod aus dem schwarzen Wasser
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Michael Drewniok
40°1001

Phantastik-Couch Rezension vonSep 2025

Im Klauengriff des Schreckens

An der neuenglischen Atlantikküste der USA liegt der kleine Ort, der im Sommer gern von erholungsbedürftigen Bürgern der Großstadt New York besucht wird. Die Einheimischen streichen das Geld ein, bleiben aber ansonsten unter sich: Mit den aufgeblasenen Stadtleuten gibt es immer Ärger, wie sich gerade wieder bestätigt. Der Soziologe Ward Allister ist mit Gattin Kay angereist, um sich einigen lokalen Sehenswürdigkeiten zu widmen: den alten, sich seinen Deutungsbemühungen entziehenden Steingravuren am Eingang einer Höhle am Strand und der jungen, willigen Lucy Colbert.

Jetzt ist Allister bei einer seiner Wanderungen verschwunden. Wie Polizeichef Arnos Tannerman weiß, geschieht dies in diesem Ort in der Sommerzeit oft. Man schiebt es auf die Dummheit der Touristen, die ins Meer springen und die Strömungen unterschätzen. Dass es eine ganz andere, sowohl gruselige als auch sorgfältig geheim gehaltene Erklärung gibt, könnte der verschollene Allister bestätigen, wäre er noch am Leben: In der erwähnten Höhle, deren Eingang nur selten sichtbar ist, geht es um. Sothon, eine Kreatur aus der Morgendämmerung des Universums, haust tief im Inneren und wird von einigen Jüngern betreut, die dafür sorgen, dass allzu neugierige Besucher ein grässliches Ende finden.

Natürlich lehnt Tannerman die verstohlenen Munkeleien ab, die das Geschehen immerhin andeuten. So fällt nicht nur Allister dem Wesen zum Opfer, sondern weitere Pechvögel. Bis der Polizeichef endlich begreift, was tatsächlich vorgeht, haben die Kultisten Kay Allister in die Höhle verschleppt, um sie Sothon vorzuwerfen. Rettungseile ist geboten, denn dieser wetzt schon gierig seine Klauen ...

Das Böse naht auf lauten Klauen

Im Gegensatz zu den Storysammlungen, die in der Reihe der „Vampir“-Taschenbücher erschienen, fielen die Romane fast ausnahmslos qualitativ ab. Die Differenz war oft betrüblich groß, und „Sothon - Tod aus dem schwarzen Wasser“ belegt dies quasi in jeder Zeile. Es handelt sich um ein denkbar simples, im eher negativen Sinn triviales Horrorgarn, das schon bei seinem erstmaligen Erscheinen Anfang der 1970er Jahre selbst bei denen, die nur moderaten Ansprüche an das Genre stellen, eher Heiterkeit als Grusel produziert haben dürfte.

Der Plot ist nicht nur generisch, sondern wird auch schlecht entwickelt. Der halbe Roman vergeht darüber, dass der Autor Trottel um Trottel in die Höhle schickt, wo stets geschieht, was erwartungsschürend ausgeblendet wird, aber ‚dank‘ des Originaltitels und des Covers bereits alle Leser wissen. Dass es Widerlinge erwischt, ist kein Trost, denn Autor Lory scheint es darauf anzulegen, uns ausschließlich mit unsympathischen Figuren zu konfrontieren. Das geht über das Klischee-Nest voller misstrauischer, verschrobener, böswilliger Hinterwäldler hinaus und erfasst auch diejenigen, die es hierher verschlägt, wo sie sich als hochnäsiges, anspruchsvolles Stadtpack aufführen.

Lory nutzt (oder missbraucht) jeden (allzu) bekannten Trick, um ‚Spannung‘ zu erzeugen. Deshalb sollte (und wird) man besonders auf jene Dörfler achten, die ausnahmsweise freundlich wirken: Sie werden sich als die Schlimmsten entpuppen! Ein Spoiler ist das nicht, denn dieser Roman ist ein Paradebeispiel dafür, wie man sogar vielfach bewährten Horroreffekten den Garaus machen kann.

Lieferant für billigen Grusel

Was ist von einem ‚Gott‘ zu halten, der in seinem schlammigen Höhlentümpel hockt und darauf wartet, dass man ihm hin und wieder ein Opfer bringt? Es fällt schwer zu glauben, was uns Sothons Jünger im Finale wortreich glauben machen wollen. (Das Monster wartet solange rücksichtsvoll im Hintergrund.) Seit Jahrtausenden sollen demnach die Menschen vor ihm zittern, was jedoch nichts daran ändert, dass Sothon, der einst Altägypten oder das germanische Europa terrorisiert hat, nun im US-Asyl ein kümmerliches Dasein fristet. Er ist auf menschliche Unterstützer angewiesen, die zumindest in der aktuellen Generation das Pulver nicht erfunden haben, und traut sich aus seiner Höhle offenbar nicht hinaus.

„Sothon“ ist der sechste und letzte Band einer Reihe, die der Vielschreiber Robert Lory (geboren als Robert Edward Lore, 1936-2020) sich zwischen 1973 und 1976 aus dem Hirn gewrungen hat. „Horrorscope“ lautet der Obergriff, denn der jeweilige Schrecken orientiert sich an den Sternzeichen. (Dass „Sothon“ für „Krebs“ steht, dürfte keine Offenbarung sein.) Bekanntlich gibt es mehr als sechs Zeichen am Nachthimmel, weshalb mangelnde Resonanz besagter Reihe ein vorzeitiges Ende beschert haben dürfte. (Es ist möglich, dass „Sothon“ nur angekündigt wurde, aber in den USA nie bzw. nur als deutsche Übersetzung erschien.)

In der Tat sind die übrigen Bände keineswegs besser. Hierzulande sind vier weitere Episoden als „Dämonenkiller“-Taschenbücher erschienen. Diese Reihe lief parallel zu den „Vampir“-TBs und unterbot diese qualitativ noch einmal kräftig. Von der Kritik ebenfalls nur mit spitzen Fingern angefasst wird Lorys moderne „Dracula“-Version. In neun Bänden (ebenfalls zusammengebolzt in nur zwei Jahren) wird der Vampirfürst von einem Gutmenschen geknechtet, der ihm einen ferngesteuerten Holzpflock (!) über dem Herzen implantiert hat. (Wer sich das antun möchte, findet sieben dieser neun Werke als „Vampir“-TBs.) Man möchte davon ausgehen, dass selbst anspruchsarme Horrorfans sich letztlich nicht von Lory veralbern lassen wollten. Dies wäre jedenfalls eine Erklärung dafür, dass er, der ab 1963 Kurzgeschichten veröffentlichte sowie ab 1969 jährlich mehrere Romane ausstieß, 1976 abrupt und vollständig verstummte (oder unter einem bisher nicht ermittelten Pseudonym weiterhin sein Unwesen trieb.)

Anmerkung: Mit diesem 81. Band wurden die „Vampir“-Taschenbücher 1980 eingestellt. Die Reihe lief schon lange nicht mehr rund, zu den Übersetzungen zweitklassigen Auslands-Grusels gesellte sich immer öfter drittklassiger Horror aus deutschen Landen, sodass sich die Trauer in Grenzen hielt.

Fazit:

Grusel aus der Mottenkiste, wobei der an sich tragfähige Ideenansatz vor allem unter der dürftigen Ausführung leidet. Einen Sinn ergibt der immerhin im Finale turbulente Spuk nicht, weshalb der Schrecken vor allem im ‚überraschender‘ Epilog liegt, der Sothons Wiederkehr androht: typischer, dazu dick verstaubter Trash-Horror.

Sothon - Tod aus dem schwarzen Wasser

Robert Lory, Pabel

Sothon - Tod aus dem schwarzen Wasser

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