Das vergessene Museum: Der Siegelwahrer von London

  • dtv
  • Erschienen: September 2025
  • 2
Das vergessene Museum: Der Siegelwahrer von London
Das vergessene Museum: Der Siegelwahrer von London
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Phantastik-Couch Rezension vonApr 2026

Magie und vergessene Artefakte der Weltgeschichte

Liam Relish arbeitet als Fahrradkurier in London. Eines Tages soll er ein Paket an eine seltsame Adresse auf Harrington Gardens liefern. Da das Anwesen etwas versteckt liegt, fährt er beim ersten Mal auch direkt daran vorbei und entdeckt erst beim zweiten Vorbeifahren den Eingang. Vor ihm liegt eingepfercht zwischen den anderen Häusern ein altes Herrenhaus. Liam würde dieses gerne bewundern, doch ein plötzlich auftauchender Hund macht ihm einen Strich durch die Rechnung, sodass er mitsamt seinem Paket vom Fahrrad stürzt.

Natürlich lässt sich ein Paketbote davon nicht unterkriegen und so liefert er sein Paket bei Mr. Bradford ab, der ihn im Mangel eines Stiftes kurzerhand ins Haus bittet. Dort sieht Liam dann auch zum ersten Mal die Ausmaße des Gebäudes und was es beherbergt. Scheinbar ist die Adresse ein Geheimes Museum für Geeks, denn neben der Brille von Oppenheimer, dem Schlüssel von Houdini und dem Füllfederhalter von Virginia Wolf befindet sich noch allerhand anderes kurioses Zeug in den Schaukästen.

Zwei Kuratoren und ein Wissenschaftler decken eine Verschwörung auf

Als er dann Kampfgeräusche hört, sieht er, dass Mr. Bradford von einem seltsamen Gegner schwer verletzt wurde, der nun auch ihm nach dem Leben trachtet. Mit größter Anstrengung kann Liam sich verteidigen und den Angreifer in die Flucht schlagen. Für Mr. Bradford würde aber jede Hilfe zu spät kommen, vor allem da immer ein Pizzadienst in der Leitung ist, wenn Liam den Notruf wählt. Mit letzter Kraft führt Mr. Bradford Liam in einen versteckten Raum und überträgt ihm dort die Aufgaben des Kurators. Danach wird alles schwarz für Liam.

Als er wieder erwacht, liegt er im Museum neben der Leiche von Mr. Bradford. Die Polizei ist über ein festes Telefon schnell informiert und taucht auch kurz darauf auf. Liam darf als Zeuge des Ganzen erst einmal nach Hause, wo er dies alles seinem besten Freund und Mitbewohner Harry berichtet.

Am nächsten Morgen wird alles noch seltsamer, da plötzlich ein Anwalt vor der Tür steht und Liam als alleinigen Erben für das Museum betitelt…und dieses soll auch schon seit geraumer Zeit im Testament von Mr. Bradford so verankert gewesen sein. Damit rückt er auf der Suche nach einem Tatverdächtigen sehr weit nach oben, was die Polizei in Person der ambitionierten DI Brown gerne nutzen möchte.

Erst einmal geht es aber in die neue Bleibe von Liam und Harry, denn neben der Pflege des Museums gibt es auch noch freie Logis in der dazugehörigen Wohnung. Kurz eingelebt, gibt es schon die nächsten Überraschungen. Scheinbar gehört Hund Shakespeare mit zum Inventar und der zeigt Liam eine geheime Kommandozentrale unter dem Museum. Und da steht doch tatsächlich Mr. Bradford – zwar nur als materialisierter Geist, aber dennoch vorhanden und aktionsbereit.

Die Entdeckung kann aber nur kurz sacken, denn schon wieder gibt es einen Angriff auf das Museum… und gleichzeitig auch auf das Museum in Berlin. Während Berlin schon gefallen ist, gelingt es Liam, die Angreifer mit geschickten Tricks und einigen Schlägen unter der Gürtellinie abzuwehren. Dieser Angriff war unvorhergesehen und leider wurden viele wichtige Artefakte gestohlen.

Das Interessanteste ist aber, dass es der Kuratorin aus Berlin gelungen ist, einen Sprung zwischen den Museen zu vollführen, obwohl alle bisherigen Versuche scheiterten. Wie konnte sie das schaffen? Und viel wichtiger, warum werden die Museen gerade in perfekter Planung angegriffen? Die Lösung liegt in Berlin, doch das wissen die neuen Kuratoren noch nicht…

Andreas Suchanek und der Geek-Faktor

Ich war in meiner Buchhandlung hier vor Ort und mal wieder auf der Suche nach neuem Lesematerial. Neben Science-Fiction-Klassikern wie Frank Herberts „Dune“ oder neueren Fantasy-Epen wie George R.R. Martins „Das Haus des Drachen“ oder Andrzej Sapkowskis „Witcher“ erweckte plötzlich dieser grün-gelbe, eher unscheinbare Einband meine Aufmerksamkeit. Schnell den Klappentext überflogen und schon war ich gefangen. Da ich die Abenteuer des Harry Dresden, die Polizeiarbeit von Peter Grant und den Magieshop von Alex Verus auch verschlungen habe, fühlte ich mich hiervon sofort angesprochen.

Nun habe ich die Geschichte gelesen und ich muss sagen, ich bin mehr als begeistert von „Das vergessene Museum“. Autor Andreas Suchanek ist es gelungen, eine hervorragende Urban-Fantasy-Geschichte zu schreiben, bei der man lange auf der Suche nach dem wahren Übeltäter bleibt und ich persönlich auch von der Auflösung ziemlich überrascht wurde…obwohl es Anzeichen gab.

Die Erzählperspektive ist aus der Sicht des Liam Relish, der aber nicht nur das jetzige Geschehen beschreibt, sondern am Ende der Kapitel auch immer wieder kleine Einblicke in die Zukunft gibt. Dabei bedient sich Suchanek auch der Sprache seines Protagonisten, dessen Lieblingsspruch scheinbar „What th F***“ ist, was er in diesem Buch auch mehrfach verwendet. Dadurch entsteht aber eine gute Bindung zwischen Leser und Erzähler, da Liam immer in einem netten Plauderton berichtet, der uns Leser auf seine Seite zieht.

Neben dieser Leichtigkeit in der Erzählung kommt die Handlung, die uns wirklich keine Zeit zum Durchatmen lässt. Es gibt erst ein wenig Einleitung, in der Liam der neue Kurator wird, und ab da überschlagen sich die Ereignisse bis zum Showdown. Das Ganze ist gespickt mit Anspielungen aus der britischen Popkultur, vor allem aber „Doctor Who“, da Harry ein großer Fan ist.  Doch auch andere Referenzen sind in diesem Buch versteckt. Vor allem zum Ende hin erkennt man als wahrer Geek, warum das so ist.

Bisher kannte ich Andreas Suchanek nur als Autor der „Flüsterwald“-Romane für Kinder und junge Erwachsene. Mit „Das vergessene Museum“ hat er mich jetzt aber genau an der passenden Stelle abgeholt und ich hoffe, dass nicht nur ich es so sehe und dass es noch weitergehen wird.

Fazit:

Der im dtv Verlag erschienene Roman „Das vergessene Museum“ ist gute und spannende Unterhaltung für Fans von Urban-Fantasy. Die Handlung ist gut durchdacht und es macht wirklich Spaß, den Band zu lesen. Leider gibt es zum Schluss ein offenes Ende, was aber auf eine Fortsetzung und weiterer Geschichten mit Liam Relish hoffen lässt.

Das vergessene Museum: Der Siegelwahrer von London

Andreas Suchanek, dtv

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