Whispers of Destiny
- Piper
- Erschienen: November 2025
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Bei Anruf Tod
Wer von uns hat nicht schon darüber nachgedacht, den Job zu wechseln? Doch was für einer neuen Beschäftigung soll man nachgehen? Wie wäre es mit Death Call als neuem Arbeitgeber? Eine Firma, vom Tod persönlich gegründet, die über den Todeszeitpunkt aller Menschen entscheidet. Wenn das mal nicht verlockend klingt…
2096 – (K)eine schöne neue Welt
Wir befinden uns im Jahr 2096, wo die Ressourcen äusserst knapp sind, die Natur die Menschen mit saurem Regen peinigt und Überbevölkerung sowie zu wenig Nahrung für grosse Probleme sorgen. Die Gesellschaft ist mittlerweile in ein Stufensystem eingeteilt. Je höher die Stufe, desto mehr Annehmlichkeiten und Luxus ist einem vergönnt.
In dieser dystopischen Zukunft lernen wir unsere Hauptfigur, die 21-jährige Blue kennen. Sie lebt zusammen mit ihrer besten Freundin Iris in Stufe 3. Das soll allerdings schon bald Vergangenheit sein, denn Blue will in die nächsthöhere Stufe aufsteigen. Ein Arztbesuch bringt jedoch die niederschmetternde Nachricht mit sich, dass ihre Lebenszeit bald abgelaufen ist.
In dieser verzweifelten Lage macht Blue die Bekanntschaft mit dem mysteriösen Creek, welcher für die Firma Death Call arbeitet. Er bietet ihr einen Job als Call Center Agent in eben dieser Unternehmung an, die für alles steht, was Blue hasst. Andererseits würde sie bei einer Zusage 30 weitere Jahre geschenkt bekommen, in denen sie vor dem Tod immun ist und müsste sich somit auch nicht von Iris verabschieden. Blue erkennt, dass Creek ihr eine Chance bietet, die sie nicht ablehnen kann.
Death Call
Blue tut sich schwer in ihrer neuen Rolle als Call Center Agent, da sie sich nicht in der Lage sieht zu entscheiden, wer sterben soll und wer nicht. So rebelliert sie gegen ziemlich alles, hält sich nicht an Regeln, zerrt zudem auch ihrem obersten Chef, dem Tod persönlich, mehr als einmal gewaltig am Nervenkostüm.
Death Call ist ein interessanter Schauplatz. Wer hat sich nicht schon mal gefragt, was im Moment des eigenen Ablebens genau passiert? Justine Pust bietet mit ihrer Variante eines Call Centers einen innovativen Ansatz. Daneben schafft sie es, den Tod als fassbare Figur in die Geschichte zu integrieren. Mit dem oft skizzierten, düsteren Sensenmann hat er wenig gemeinsam. Vielmehr ist er eine Entität, die beschlossen hat, sich den Menschen zu offenbaren, um sein Image zu verbessern. Seine Vorlieben für Stock und Melone sowie die Farbe Rosa machen ihn zusätzlich sympathisch.
Wie bereits erwähnt ist Blue eine sehr rebellische junge Frau. Zwar finde ich es gut, dass sie vieles hinterfragt und nicht als gegeben hinnimmt. Ihre Wut gegen alles und jeden fand ich teilweise jedoch etwas anstrengend und kindisch. Glücklicherweise ist ihre beste Freundin Iris so ziemlich das Gegenteil und sorgt immer wieder für die nötige Prise Optimismus. Nicht zu vergessen der männliche Hauptprotagonist Creek. Er ist sehr pflichtbewusst und loyal gegenüber von Death Call, fühlt sich aber auch stark zu Blue hingezogen. Seine aufkeimenden Gefühle für sie bringen ihn mehr als einmal in einen Gewissenskonflikt. Mit der Liebelei zwischen Blue und Creek gibt es eine romantische Komponente, welche aber angenehm im Hintergrund bleibt. Ob es sie wirklich braucht, ist eine andere Frage. Ich persönlich hätte auch gut darauf verzichten können.
Viele aktuelle gesellschaftliche Themen
In "Whispers of Destiny" werden viele Themen zur Sprache gebracht, mit welchen unsere Gesellschaft sich aktuell konfrontiert sieht. Es geht um moralische Entscheidungen, Überbevölkerung, Ressourcenknappheit oder die Oberflächlichkeit von sozialen Medien, um nur ein paar zu nennen. Trotz aller Gesellschaftskritik und einer bedrückenden dystopischen Welt bleibt die Lektüre unterhaltsam. Dies liegt vor allem am unterhaltsamen Schreibstil und schwarzen Humor, der immer wieder aufblitzt, etwa wenn man als Leser die Figur des Boneld Bump kennenlernt.
Ich hätte mir manchmal noch mehr Hintergrundwissen gewünscht. Wie ist es zum sauren Regen gekommen? Warum gibt es die Flutwellen? Ein tieferer Einblick in die Welt von Blue wäre für mich sehr spannend gewesen. So muss man einige Sachen einfach als gegeben hinnehmen und auch Mr. Tod hat nicht auf alles eine Antwort parat.
Fazit:
Justine Pust bietet mit "Whispers of Destiny" einen dystopischen Roman, der zum Nachdenken animiert. Viele gesellschaftskritische Themen werden angesprochen, der lockere Schreibstil und der immer wieder auftauchende schwarze Humor sorgen indes dafür, dass die Lektüre nicht zu schwer wird. Ab und an wäre etwas mehr Hintergrundwissen schön gewesen, doch die originelle Grundidee tröstet gut darüber hinweg.

Justine Pust, Piper

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