Till the End of the Moon - 1. Verdorbenes Herz

  • Bramble
  • Erschienen: Oktober 2025
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Till the End of the Moon - 1. Verdorbenes Herz
Till the End of the Moon - 1. Verdorbenes Herz
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Sebastian Fischer
60°1001

Phantastik-Couch Rezension vonAug 2026

Endlich wahre Bösartigkeit

Nach meinen letzten ziemlich enttäuschenden Ausflügen in die romantische Fantasyliteratur habe ich mich nun mit dem Roman „Till the End of the Moon“ von der chinesischen Schriftstellerin Teng Luo Wie Zhi auseinandergesetzt. Vielleicht weiß ja diese fernöstliche Romanze zu überzeugen und aus dem genretypischen Einheitsbrei hervorzustechen.

Im Gegensatz zur gleichnamigen chinesischen TV-Sendung hat die Buchvorlage eine deutsche Übersetzung erhalten und wird im schicken Farbschnitt auf die Leserschaft losgelassen. Die Vielzahl chinesischer Figuren- und Ortsnamen mag für Leser, die mit der chinesischen Namensgebung weniger vertraut sind, zunächst ungewohnt sein. Dank eines ausführlichen Glossars findet man sich jedoch schnell zurecht.

Eine Reise in die Vergangenheit

Die Autorin kredenzt uns mit der jungen Li Susu eine Protagonistin, die 500 Jahre in die Vergangenheit reist, um die ihr bekannte Welt vor dem Dämonengott Tantai Jin zu retten. Li Susu ist eine Kultiviererin, mit der erlernten Fähigkeit, verschiedene Formen von sogenanntem Qi zu beeinflussen. Runtergebrochen bedeutet diese Begabung, dass unsere Heldin in ihrer Rolle als unsterbliche Kultiviererin in der Lage ist, bestimmte Arten von Magie zu wirken. In Li Susus Zeitlinie steht ihre Welt vor dem Abgrund. Die Bedrohung durch die Dämonen ist übermächtig. Verzweifelt kämpfen Unsterbliche und Menschen um ihre Existenz.

Als eine Art letzter Ausweg reist Li Susu in die Vergangenheit und schlüpft in den Körper einer sterblichen Prinzessin. Ihre besonderen Fähigkeiten stehen ihr von nun an nicht mehr zur Verfügung. Sie hat sich der Aufgabe verschrieben, die Auferstehung des Dämonengottes Tantai Jins zu verhindern, der vor 500 Jahren ebenfalls noch unter den Menschen wandelte.

Li Susu übernimmt die Rolle der jungen Ye Xiwu, die ausgerechnet mit besagtem Tantai Jin verheiratet ist. Dieser fristet als Geisel eines befeindeten Königreichs ein zermürbendes Dasein am Hofe Ye Xiwus Vaters.

Auf der Suche nach Spannung

Dieser Roman lebt insbesondere von der Figur Tantai Jin. Seine Charakterzeichnung als tiefgreifend zu bezeichnen, wäre zwar zu hoch gegriffen, gleichwohl sticht er aus dem Haufen eindimensionaler Figurensammlungen dieses Romans hervor.

Tantai Jin, zukünftiger Dämonengott, ist wahrlich kein sympathischer Zeitgenosse. Er ist gefühlskalt, grausam und von Machtgier durchzogen. Glücklicherweise bleibt er sich insoweit treu und verkümmert nicht an der genretypischen Hyperambivalenz männlicher Protagonisten.

Leider dümpelt der Roman lange Zeit vor sich hin, bevor zumindest ein zaghaftes Gefühl von Spannung aufkommt. Die erste Hälfte dieses Werkes ist geprägt durch ein ermüdendes Katz-und-Maus-Spiel höfischer Oberflächlichkeiten. Auch das Zusammenspiel zwischen Li Susu und Tantai Jin sticht anfangs lediglich durch die immer gleichen und ermüdenden Abläufe hervor. Li Susu versucht, ihren Hass auf den zukünftigen Gott zu unterdrücken, da ihr vieles daran gelegen ist, Tantai Jin am Leben zu halten. Denn erst durch seinen Tod wird er als Gott wieder auferstehen. Er selbst wird aufgrund seiner Abstammung als Prinz eines befeindeten Königreiches von sämtlichen Palastbewohnern verschmäht. Niemand begegnet ihm mit Freundlichkeit. Im Gegenteil, die Abneigung, die ihm entgegengebracht wird, ist eine Gefahr für Leib und Seele. Tantai Jin straft seine Peiniger mit einer zermürbenden Gleichgültigkeit und wartet geduldig auf seinen Moment der Rache.
Immer dann, wenn sich Dialoge oder Handlungsabläufe in Richtung eines Spannungsmomentes bewegen, nimmt die Autorin den Fuß vom Gas und lässt die Lesenden auf halber Strecke verdursten.

Hinzu kommt, dass weder der Weltenbau noch, wie eingangs angedeutet, der Großteil der Charaktere besonders nuanciert ausgearbeitet sind.

Hat man sich durch diesen Dschungel der Ödnis gekämpft, wird man jedoch mit der Figur des Tantai Jin und dessen Seelenleben belohnt. Trotz seiner Bösartigkeit – der ein oder andere Profiler würde ihn sicherlich als Psychopathen bezeichnen – und der Tatsache, dass diese Entwicklung dem Geiselprinzen lehrbuchartig in die Wiege gelegt wurde (seine Mutter stirbt bei der Geburt und die Beziehung zu seinem Vater ist durch Gewalt und Ablehnung geprägt), geht von ihm eine sonderbare Anziehung aus, die sich insbesondere in seinem Unvermögen widerspiegelt, Li Susu zu töten. Im Laufe der Handlung erhält Tantai Jin nämlich einige Gelegenheiten dazu, sich seiner aufgezwungenen Ehefrau zu entledigen. Gleichwohl scheint ihn Li Susu auf eine unerklärliche Art und Weise zu faszinieren.

Wer, wie in vielen Genrevertretern dargeboten, auf der Suche nach schlüpfriger Erotik ist, wird von „Till the End of the Moon“ bitter enttäuscht. Das Miteinander von Tantai Jin und Li Susu wird insoweit eher durch Zurückhaltung dominiert, was allerdings die Stärke dieses Romans in keiner Weise schmälert.

Fazit:

Leider kommt das Buch erst ziemlich spät in Fahrt, sodass der Lesespaß vorerst auf der Strecke bleibt. Im weiteren Verlauf entwickelt sich der Roman zwar weiterhin nicht zu einem Pageturner, mit Tantai Jin bekommen wir jedoch einen interessanten Charakter vorgesetzt, der hält, was Klappentext und Werbemaschinerie uns von einem Dämonenfürsten vermitteln möchten.

Till the End of the Moon - 1. Verdorbenes Herz

Teng Luo Wei Zhi, Bramble

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