Spiel mir das Lied vom Goblin
- Penhaligon
- Erschienen: März 2026
- 0


Das Lied vom Goblin ist ganz schön schief
Isabella Nagg führt ein langweiliges Leben: Sie ist unglücklich mit Mr. Nagg verheiratet und fristet ein Dasein als unterforderte Hausfrau. Zum Glück hat sie ihren Basilikum, den sie mit in die Ehe gebracht hat und dem sie regelmäßig ihr Leid klagt. Doch eines Tages wird sie aus ihrem Trott herausgerissen: Als Mr. Nagg die jährliche Alraunenernte dem örtlichen Zauberer überbringen will, ist dieser verschwunden. Nagg nimmt kurzerhand das auf dem Tisch liegende Zauberbuch mit nach Hause – und bietet seiner Frau damit unverhofft eine Möglichkeit, ihr Leben einmal ordentlich umzukrempeln.
Ein vernarrter Basilikum und ein Esel mit Existenzkrise
Isabella kann dem Zauberbuch natürlich nicht widerstehen und probiert gleich mal ein paar Zaubertränke aus. Und damit kommen zwei Figuren ins Spiel, die mit Abstand das Beste an der ganzen Geschichte sind: Ein sprechender Basilikum, für den seine „Herrin“ das Beste ist, was der Welt passieren konnte, und ein sprechender Esel, der die Last des Denkens nicht erträgt und sich nichts sehnlicher wünscht, als wieder seinem trägen Eselalltag auf der Weide nachgehen zu können.
So weit, so gut, nur leider wird man mit den anderen Figuren nicht so warm, und dazu zählt unglücklicherweise Isabella selbst. Das absurde Schicksal, das ihr später in der Handlung blüht, gönnt man ihr beinahe schon, genauso wie ihrem unausstehlichen Ehemann. Mit den beiden möchte man so wenig Zeit wie möglich verbringen. Natürlich blöd, wenn es sich bei einer dieser Figuren um die Protagonistin eines Buches handelt, mit der man auch noch mitfiebern soll. Ach ja, die titelgebenden Goblins gibt es natürlich auch noch. Die sind zwar recht drollig, allzu viel sollte man über ihre Beweggründe und Handlungen aber nicht nachdenken, sonst fliegt einem die Logik nur so um die Ohren.
Humor, der sich in Nebensätzen verliert
Das Buch möchte offensichtlich witzig sein. Doch statt cleverem Witz gibt es nur verschachtelte Sätze voller „lustiger“ Nebensächlichkeiten, die mit Füllwörtern bis zum Äußersten aufgeplustert werden. Situationskomik Fehlanzeige, obwohl es dafür eine Menge Möglichkeiten gegeben hätte. Dazu kommt ein wahrer Berg an Fußnoten, die weder unterhaltsam sind noch notwendig. Lässt man sie aus, verpasst man absolut gar nichts.
Mit der Zeit verliert sich die Geschichte zudem immer mehr in ihren eigenen Ideen. Statt auf ein klares Ziel hinzuarbeiten, wird der Text mit Banalitäten vollgestopft, die dann wieder „humorvoll“ in Fußnoten breitgetreten werden. Möchte man da bis zum Schluss lesen, braucht man eine gute Portion Durchhaltevermögen.
Fazit:
Wie so oft ist die Idee gar nicht schlecht: skurrile Figuren, eine spannende Prämisse und verzwickte Situationen. Doch leider bremst der Humor die anfängliche Euphorie schnell aus, und auch die Handlung driftet irgendwann ins total Absurde ab. Muss man mögen.

Oliver Darkshire, Penhaligon

Deine Meinung zu »Spiel mir das Lied vom Goblin«
Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer und respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Bitte Spoiler zum Inhalt vermeiden oder zumindest als solche deutlich in Deinem Kommentar kennzeichnen. Vielen Dank!