Spezialitäten vom Horror-Grill
- Pabel
- Erschienen: Januar 1976
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Entschlossen im Kampf gegen Ungeheuer
Vier trashige, aber gruselrabiate Gruselstorys aus der Ära der „Pulp“-Magazine:
- G. T. Fleming-Roberts: Blutiger Zauber (Blood Magic; 1934), S. 7-24: Schon wieder starb eine Frau unter grässlichen Umständen! Verzweifelt sucht Deputy Fox nach dem Schuldigen oder wenigstens einer Erklärung. Trifft womöglich zu, was gemunkelt wird - dass Mutter Maggie, die alte Sumpfhexe, schwarzmagisch ihre Krallenfinger im Spiel hat?
- Hugh B. Cave: Die sanften Arme des Todes (Death's Loving Arms; 1934), S. 25-61: Was Forscher Leavitt aus einem zuvor nie bereisten Dschungel Südamerikas in die USA brachte, will er vor der Öffentlichkeit unbedingt geheim halten. Das lockt Starreporter Norman Blake an, der auf das blutige Treiben eines besonders schaurigen ‚Mitbringsels‘ stößt.
- Wyatt Blassingame: Das Dorf der Toten (Village of the Dead; 1934), S. 62-128: In einem von Hinterwäldlern und inzüchtigen Irren bevölkerten Nest irgendwo in den Tiefen des US-amerikanischen Südens warten zwei hilflose Maiden auf Rettung vor durch die Nacht geifernden Mördern und womöglich Untoten. Ein Arzt aus der Stadt wendet sich mutig gegen das Grauen und dessen mysteriösen Hintermann.
- Frederick C. Painton: Dr. Tscheckows Vampir (Vampire Meat; 1935), S. 129-145: Wie identifiziert man einen Vampir im Haus eines verrückten Chirurgen, der Gehirne verpflanzen kann?
Die Freuden des unverfälschten Trashes
In den 1920er Jahren starteten sie durch, nach dem Zweiten Weltkrieg war ihre große Zeit bereits vorbei: Immerhin ein Vierteljahrhundert währte die Herrschaft der „Pulps“. Auf billiges, stark holzhaltiges Papier gedruckt, seitenstark und mit grellen, unverhohlen auf Spekulation und Sensation getrimmten Titelbildern (die gern dralle Jungfrauen im Würgegriff geiler Ungeheuer zeigten), boten sie für wenig Geld Storys und Fortsetzungsromane, in denen nicht nachgedacht, sondern gehandelt wurde.
Pulps gab es für alle Unterhaltungs-Genres, also auch und ganz besonders für den Horror, der hier so brutal, eklig und nackt daherkam, wie es zeitgenössisch gestattet war (wobei die Grenzen des Schicklichen im stetigen Duell mit der Zensur neu ausgelotet wurden). Pulp-Horror präsentierte Vampire, verrückte Wissenschaftler, lebende Leichen und sadistische Monster aller Art, die nicht im Verborgenen, sondern gut sichtbar wüteten, wobei sie ihren Fokus notorisch (s. o.) auf ‚Jungfrauen‘ richteten.
Sie wurden folgerichtig mit allem, was der menschliche Geist sich waffentechnisch vorstellen konnte, bekämpft und ausgerottet, blieben ihren Gegnern jedoch nie etwas schuldig. Bereits die Titel deuteten nicht nur an, was die lüsternen Leser erwartete: „Spicy Mystery“, „Weird Tales“, „Strange Tales“ - und „Terror Tales“, ein Magazin, das im September 1934 erstmals auf den heiß umkämpften Pulp-Markt kam, den es mit selbstverständlich noch drastischeren Inhalten aufzurollen vorgab. Dass dies nicht wirklich gelang, verdeutlicht die Tatsache, dass „Terror Tales“ bereits im März 1941 eingestellt wurde.
Ein Schelm, der Gutes dabei denkt
Jon Hanlon (1929-2020) hieß eigentlich Earl Kemp und stellt als Autor nur eine Fußnote der Phantastik dar. Sein eigentliches Interesse galt dem Genre selbst, hinter dessen Kulissen er schaute, um kundig darüber Auskunft zu geben, wie Horror oder Science Fiction ‚funktionierten‘. Seine Liebe galt den Pulps, die er als Schatztruhe in Vergessenheit geratener Genreperlen betrachtete.
Dabei war ihm bewusst, dass die Schatten der Vergangenheit oft gnädig dorthin fielen, wo blanker Unfug gedruckt wurde. Masse statt Klasse: So lautete notgedrungen das Motto dieser Magazine, denn es galt stets viele Seiten auf möglichst honorarflache Weise zu füllen. Selbst fähige Schriftsteller ließen ihre Schreibmaschinen rauchen. Ihre Entlohnung bemaß sich nach der Wortzahl ihrer Werke. Kein Wunder, dass gern ausführliche Dialoge und Beschreibungen eingeflochten wurden.
Kemp bzw. Hanlon war also bekannt, dass er wohl kaum auf Phantastik-Gold stoßen würde, als er den Auftrag übernahm, den Bestand des Magazins „Terror Tales“ zu sichten. Was er für noch lesenswert befand, erschien 1966 in drei Sammelbänden, die qualitativ an die Pulps anschlossen: Diese Taschenbücher waren Billigware. Dennoch kann man sie als Liebeserklärung an eine Periode der Trivialliteratur betrachten, in der Inhalte (und Cover) selbstverständlich waren, die heute die Grenzen des moralisch Vertretbaren zum Teil recht weit überschreiten.
Schrecken ohne Filter
George Thomas Fleming-Roberts (1910-1968), Hugh Barnett Cave (1910-2004), Wyatt Rainey Blassingame (1909-1985), Frederick C. Painton (1896-1945): Nur wenige kennen heute ihre Namen. Sie sind vier Heroen der Pulp-Ära, und in diesem Milieu haben sie fast ausschließlich veröffentlicht. Unzählige Storys fanden ihren Weg in diverse Magazine. Ruhm haben sie niemals erworben, und ihre ‚Karrieren‘ endeten meist, als die Pulps verschwanden.
Man kann andererseits kaum Autoren finden, die besser in Worte fassten, was dieses Genre ausmachte: Permanente Action, grelle Effekte, die Überwältigung der Logik durch rohe Unterhaltung, die Rücksichtslosigkeit, was die Jagd nach des Lesers Aufmerksamkeit angeht. Nach der Lektüre muss man diesen Sturm erst einmal verdauen. Im Nachhinein wird durchaus deutlich, dass in diesen Storys vor allem Männer meist ziellos hin und her laufen, in Fallen tappen, sich in die Freiheit zurückprügeln, es aber irgendwie schaffen, mit der harten Linken Schurken und Monster aller Art niederzustrecken, während die Rechte eine halb bewusstlose, junge Frau umfasst.
Gut und Böse sind Archetypen - der Polizist, Sheriff oder Detektiv als Verkörperung des Rechts (sowie der Moral), der rasende, durch nichts aufzuhaltende Reporter oder einfach der mutige = wahre Mann, der sich entschlossen dem übermächtigen Gegner entgegenstellt. Dieser nimmt die Gestalt schauriger Kreaturen des Jenseits’ (Painton) an oder stammt wenigstens aus ebenso geheimnisvollen wie unheiligen Winkeln dieser Erde (Cave). Komplettiert werden diese Reihen durch menschliche Unholde: der „mad scientist“ (Cave, Painton), der farbige „Wilde“ (Cave), der sabbernde, bärenstarke Idiot (Blassingame), der bizarr entstellte „Krüppel“ (Fleming-Roberts), der „Mischling“. Die geile Lust auf junge, unschuldige Frauen eint sie alle, doch bleibt es zensurbedingt bei verbalen Attacken.
Hier wird aufgeräumt!
Auf modernen Minderheitenschutz muss man verzichten. Vorurteile und Rassismen gehörten in der Entstehungszeit dieser Texte zwar nicht zum guten Ton, aber zum Alltag. Was und wer Kontinenten wie Afrika, Asien, Südamerika oder Osteuropa entstammte, war prinzipiell verdächtig, und dies wurde in (heute zu) deutlichen Worten angemerkt. Aber auch in den USA gab es trivialkulturelle Nischen, in denen das Böse und Hässliche hauste; vor allem in tropischen Südstaaten herrschten Dekadenz und Degeneration (Fleming-Roberts, Blassingame).
Stets siegt die Gerechtigkeit, auch wenn sie auf dem Weg dorthin zahllose Leichen zurücklässt. Wer „böse“ ist, wird umkommen, wobei die schaurigsten Tode = gerechten Strafen den Primärschurken vorbehalten bleiben. In der Regel erwischt sie, wen oder was sie zuvor selbst auf ihre Mitmenschen losgelassen haben. Die Motive sind nebensächlich; das Interesse der Bösewichte scheint im Aushecken möglichst komplizierter Pläne zu liegen, die jenseits des Pulp-Kosmos schon in ihren Ansätzen scheitern würden.
Wie man sich denken kann, haben Frauen einst klassischen Rollen zu spielen. Sie sind entweder alt und hässlich oder ungewöhnlich hübsch und deshalb heimtückisch. Ihnen steht das reine „Mädchen“ mit der ungeschminkten Pfirsichhaut gegenüber, das nur an der Seite eines starken Mannes (Vater, Bruder, platonischer Freund meist vorgerückten Alters) bestehen kann und ansonsten auf Rettung und Heirat durch den männlichen Helden wartet.
Anmerkung: Aufgrund der für diese Taschenbuchreihe üblichen Seitennormierung wurde eine der Storys aus der Originalausgabe ersatzlos gestrichen (Frances Bragg Middleton: From Out of the Shadows). Dem deutschsprachigen Torso wurde zu allem Überfluss ein ‚witziger‘, d. h. klamaukplumper Titel gegeben.
Fazit:
Trivialhorror aus der großen Zeit der Pulp-Magazine. Der Effekt unterdrückt die Logik, die Figuren sind mit stumpfem Messer aus hartem Holz geschnitten, und es geht hart & herzlos zur Sache: naiv, aber mit immer noch spürbarem Schwung fabriziert.

Jon Hanlon (Herausgeber), Pabel

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