Vorübergehend tot

  • Feder & Schwert
  • Erschienen: Januar 2004
Vorübergehend tot
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Sanja Döttling
76°

Phantastik-Couch Rezension vonOkt 2006

Sexy Vampir

Die Romanvorlage zu der TV-Serie "True Blood" zeigt, wie Vampire mit vielen Vorurteilen kämpfen, seit sie sich geoutet haben. Vor allem, wenn sie sich in einem kleinen US Südstaatenkaff herumtreiben.

Sookie Stackhouse arbeitet als Kellnerin in der Kleinstadt Bon Temps in Louisiana. Deshalb ist sie ein wenig überrascht, als eines Tages ein Kunde um ein Glas Blut bittet. Das ist zwar gerade nicht vorrätig, aber Sookie schafft es trotzdem, sich mit dem neuen Vampir Bill anzufreunden. Wie sie bald herausfindet, ist der sogar ihr Nachbar, ihre Häuser sind nur durch den alten Friedhof getrennt.

Während sich zwischen der menschlichen Sookie und dem Vampir Bill langsam Gefühle entwickeln, bekommen sie immer mehr zu spüren, wie viele Vorurteile gegenüber Vampiren in der kleinen Stadt bestehen. Obwohl die Vampire schon vor einigen Jahren ihre Existenz öffentlich gemacht haben und seitdem mehr oder weniger zur Gesellschaft gehören, sogar ihren Blutdurst mit synthetisch hergestelltem Blut stillen können, sind vor allem in Bon Temps nicht alle von untoten Nachbarn begeistert. Scheinbar nicht zu Unrecht. Zwar ist Bill ein äußerst netter und höflicher Vampir, der im Bürgerkrieg für die Südstaaten gekämpft hat, aber seine vampirischen Freunde gehören zu einem ganz anderen Kaliber: Sie halten sich Menschen als lebende Blutsnacks und spielen mit dem unstillbaren menschlichen Verlangen nach vampirischer Aufmerksamkeit.

Kaum ist Bill in die Stadt gezogen, ereignet sich eine Mordserie, auch Sookies Kollegin wird eines Morgens tot aufgefunden. Alle Opfer sind weiblich, und tragen Vampirbisse am Körper. Die misstrauischen Bürger behalten den zugezogenen Untoten im Visier; doch auch Sookies Bruder Jason ist einer der Verdächtigen.

Untote Minderheit

"Vorübergehend tot" von Charlaine Harris ist 2001 erschienen, das Buch ist der Auftakt zu einer ganzen Serie. Zwölf Bände sind bis jetzt erschienen, der finale 13. Band wird im Mai diesen Jahres auf Englisch erscheinen. Vor allem seit Ende 2008 die Fernsehserie zur Buchvorlage bei HBO ausgestrahlt wurde, haben die Geschichten ein breites Publikum für sich gewonnen.

Doch was unterscheidet diesen Roman von den vielen anderen Vampir-Liebesgeschichten, die inzwischen den Büchermarkt überfluten? Zunächst ist die Story um Sookie und Bill erwachsener als die anderer Vampir-Romane. Vor allem die menschliche Protagonistin Sookie ist nicht so schwach und naiv dargestellt, wie viele andere Vampir-Gespielinnen. Sie ist es, die dem Vampir bei der ersten Begegnung das Leben rettet - nicht umgekehrt. Natürlich ist Sookie dem starken und viel älteren Vampir in vielerlei Hinsicht unterlegen, aber dennoch wirkt die Beziehung ein bisschen ausgeglichener.

Zu der Reife des Romans trägt auch der offene Umgang mit Sexualität bei. Schon seit Anbeginn der modernen Vampirromane wird der Vampir-Biss mit erotischen Konnotationen dargestellt. Doch "Vorübergehend tot" begnügt sich nicht mehr mit einem sexuellen Unterton. Vampire werden als sexuell sehr anziehende Wesen dargestellt. Daraus hat sich eine ganze Subkultur entwickelt: Vampirblut ist für die sogenannten "Fangbanger" eine Modedroge, die sie beim Sex mit einem Vampir zu sich nehmen. Sex ist überhaupt ein wesentlicher Aspekt der Handlung.

Das Buch ist aber mehr als eine erotische Liebesgeschichte. In der Vampirthematik spiegelt sich eine subtile Gesellschaftskritik wider. Wie schon angedeutet, versuchen sich Vampire als Minderheit in die menschliche Gesellschaft zu integrieren und leben inzwischen legal unter den Menschen. Doch in dem Südstaatenkaff ist das mit der Toleranz und Integration nicht so einfach. Mit dem Kunstgriff, Vampire als Minderheit darzustellen, gelingt es der Autorin Charlaine Harris existierende Vorurteile gegen alles was 'anders' ist, in einem phantastischen Setting entlarven.

Fazit

Das Buch ist eine gute, leichte Lektüre an trüben Tagen für Vampirfans, hat es aber auch faustdick hinter den Ohren. Der Mord ist brutal, der Sex unverblümt, die Gesellschaftskritik verleiht dem Buch Tiefe und ist deutlich spürbar. Ein kleiner Minuspunkt ist allerdings der gewöhnungsbedürftige Schreibstil. Ob die oft fehlplatzierte Wortopulenz an der Übersetzung liegt, kann hier jedoch nicht beurteilt werden.

(Sanja Döttling, Mai 2013)

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