Der Ring

  • Blanvalet
  • Erschienen: Januar 2006
Der Ring
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Eva Bergschneider
88°

Phantastik-Couch Rezension vonNov 2006

Fantastisch- spannende Geschichte eines begnadeten Erzählers

Der in Deutschland bisher unbekannte Franzose Henri Loevenbruck konnte in seiner Heimat bereits zwei Fantasy-Reihen erfolgreich präsentieren. Obwohl die keltische Mythologie insbesondere in der Bretagne fest verwurzelt ist, gibt es eher wenige französische Fantasy-Autoren. die sich dieser Elemente bedienen.

Aus dem anglo-amerikanischen Raum gibt es dagegen reichlich Werke dieser Art, daher sollte sich ein neuer Fantasy-Autor etwas Besonderes einfallen lassen, wenn er neben George R. R. Martin und Tad Williams bestehen möchte. Wird es Henri Loevenbruck mit seiner Trilogie ";Das Geheimnis der weißen Wölfin"; gelingen, sich auch international als moderner Fantasy-Autor zu etablieren?

Alea -  Streunerin und Schicksalsträgerin

Die elternlose Aussenseiterin Alea findet in der Heide einen Ring, der an der Hand einer Leiche steckt. Kaum hat sie das Schmuckstück an sich genommen, geschehen Veränderungen in ihrem Geist und Körper, die sie weder begreifen, noch kontrollieren kann. Kurz darauf wird Alea verfolgt, sie flieht vor dem Druiden Phelim aus dem Gasthaus der Familie, die sie liebevoll aufgenommen hatte. Mit ihrem zufälligen Reisebegleiter, den Zwerg Mjolln, gerät Alea in einen Angriff, den beide ohne die Hilfe des Druiden nicht überlebt hätten. Trotz ihres Misstrauens, kann er Alea überzeugen, sich auf der Druidenburg Sai-Mina in Sicherheit zu bringen. Es stellt sich jedoch heraus, dass auch die Bruderschaft scheinbar ausschließlich am Erhalt der eigenen Macht interessiert ist. Die Druiden planen Alea einem für sie möglicherweise tödlichen Test zu unterziehen, um herauszufinden, ob sie der weibliche Samildanach aus der Prophezeiung ist, der das Ende der Druiden-Herrschaft herbei führen soll.

Der erneut fliehenden Gemeinschaft sind inzwischen die Häscher des mächtigsten Druiden-Gegners Maolmòrdha, die Herilim unmittelbar auf den Fersen. Der einzige Ort, der noch eine sichere Zuflucht gewährleisten kann, ist die Heimat der geheimnisvollen Sylphen, der Wald Borcelia, den kein Sterblicher je zuvor gefunden hat.

Gaelia – an der Schwelle zu einer neuen Ordnung

Der Insel Gaelia stehen tiefgreifende Veränderungen bevor. Die Christen und ihre Schriften setzen sich immer mehr gegen die mündlich weiter gegebene Weisheit der Druiden durch. Die Tuatthann, ein uraltes Kulturvolk, das sich jahrhundertelang in unterirdischen Höhlen versteckt hielt, erobert ganze Dörfer und Landstriche. Im Mittelpunkt dieser Entwicklungen steht die dreizehnjährige Alea, die scheinbar zufällig in den Besitz der geheimen Macht des Samildanach gekommen ist, eine Kraft die gleichermaßen von allen Parteien gefürchtet und begehrt wird.

All-Age-Fantasy

";Der Ring"; ist der erste Band der Fantasy-Trilogie ";Das Geheimnis der weißen Wölfin";. Henry Loevenbruck hat mit seiner jugendlichen Hauptprotagonistin auch Fantasy-Leser im Teenager-Alter ansprechen wollen, wie es zuvor Autorenkollegen wie J.K. Rowling (Harry-Potter Serie) und  Philip Pullman (";Der goldene Kompass";, ";Das magische Messer";, ";Das Bernstein-Teleskop";)  getan haben. Im ";Harry Potter Zeitalter"; wurde für solche Werke der Begriff der All-Age-Fantasy geprägt. Dieser Begriff deckt die ganze Spannbreite des Genres ab und bietet Fantasy-Literatur für Leser fast jeden Alters.

Pure Faszination

In ";Das Geheimnis der weißen Wölfin"; basieren die Fantasy-Elemente auf Erzählungen der bretonisch-keltischen Mythologie. Der geschilderte Religionskonflikt zwischen Druiden und Christen erinnert an die endgültige Niederschlagung der keltischen Kultur durch das Papsttum im 8. Jahrhundert.

Obwohl die meisten Figuren bereits aus anderen Fantasy-Werken bekannt sind, ist es Henri Loevenbruck gelungen, jedem eine einzigartige Charakteristik zu verleihen. Viele Figuren sind so vielschichtig gestaltet, dass der Leser nicht entscheiden kann, ob sie nun zu den ";Guten"; gehören, oder nicht. Besonders die Druiden sind sehr geheimnisvoll, einige ihrer Motive werden aufgedeckt, andere bleiben verborgen und geben dem Leser Rätsel auf. Das Geschehen um und mit der Hauptprotagonistin Alea und ihren Begleitern wird so mitreißend und spannend erzählt, dass man ständig mit ihnen bangt und leidet. Trotz der unübersehbaren, vielleicht gewollten Ähnlichkeit mit den ";Gefährten"; in Tolkiens ";Der Herr der Ringe";, erwartet den Leser eine Quest voller Dynamik und unerwarteter Wendungen.

Spannend wie ein Thriller

Der ersten Band ";Der Ring"; der High-Fantasy Trilogie ";Das Geheimnis der weißen Wölfin"; ist ein Abenteuer, dessen Spannungsbogen vom Anfang bis zum dramatischen Finale kaum unterbrochen wird.

Viele Fantasy-Autoren beginnen ihre Geschichte mit einer ausführlichen Charakterisierung ihrer Welt durch Beschreibungen der Landschaft, der Historie und der gesellschaftlichen Struktur. Henri Loevenbruck hält sich nicht damit auf, sondern beginnt direkt mit der Handlung.

Der Erzählhintergrund wird durch das Geschehen selbst aufgebaut. Am Anfang wirken die Aktionen dadurch etwas zufällig, aber im weiteren Verlauf der Geschichte werden die Zusammenhänge klarer und deuten die Konturen eines komplexen Gesamtbildes an. Die Geschichte wird in zunächst unabhängigen Handlungssträngen erzählt, die allmählich ineinander greifen und eine fast greifbare, hypnotische Spannung erzeugen.

Trotz der vielen Ereignisse in diesem ersten Band der Trilogie, hat man das Gefühl, erst am Anfang einer komplizierten Geschichte voller Rätsel zu stehen. Die Rolle der weißen Wölfin Imala und die Bedeutung der Bibliothek der Universität Mons-Tumba werden lediglich angedeutet. Das allein sind schon gute Gründe, sich auf die Erscheinungstermine der weiteren Bände ";Die Schrift"; und ";Die Prophezeiung"; zu freuen. Der französische Autor Henri Loevenbruck ist ganz sicher eine Bereicherung für die Fantasy-Literatur, auch wenn er in ";Das Geheimnis der weißen Wölfin";das Genre nicht unbedingt neu erfunden hat. Sein Epos besticht durch Dramatik, atmosphärische Dichte und einer eigenwilligen Interpretation der keltischen Mythologie. ";Der Ring"; ist ein wahrer Page-Turner, der den Leser bis zum Ende an die Seiten fesselt und mit Sehnsucht nach der Fortsetzung zurück lässt.

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