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Michael Drewniok
Getrieben von äußeren Feinden & inneren Dämonen

Buch-Rezension von Michael Drewniok Sep 2019

In der hier präsentierten Version einer nahen Zukunft des 21. Jahrhunderts den USA als Supermacht noch die UdSSR gegenüber. Der Kalte Krieg ist vor 16 Jahren ‚heiß‘ geworden, was u. a. die atomare Zerstörung Englands zur Folge hatte. Diesseits bzw. jenseits des Atlantiks belauern sich die Gegner.

Auch in den Tiefen der Meere tobt der Krieg. Er läuft schlecht für die USA, denn der Feind sperrt die Zugänge zu den bekannten Ölfeldern. So ist man dazu übergegangen, quasi unter den Augen der Russen deren Vorkommen anzubohren und auszubeuten. Das so gewonnene Öl wird in gigantischen Schlepptanks in die USA gebracht.

Auf diese ‚Förderung‘ ist man angewiesen, weshalb die Militärs in Panik geraten, als binnen weniger Monate zwanzig dieser Raubzüge in der Zerstörung der U-Boote und Tanks münden. Wo ist die undichte Stelle, die dem Feind verrät, wo man zuschlägt? Der Marine-Geheimdienst wendet sich an Dr. Richmond Oberhausen, Direktor der Abteilung Psychologie. Der schickt seinen besten Mann: Leutnant John Ramsey, Elektronik-Spezialist und Psychologe. Er wird an Bord des Ölpiraten-U-Boots „Hornet S 1881“ eingeschleust, wo er feststellen soll, ob sich unter den Besatzungsmitgliedern - Fregattenkapitän Harvey Sparrow, 1. Offizier Leslie Bennett und Ingenieur Joe Garcia - ein Verräter befindet.

Noch bevor die ohnehin schwierige Mission richtig begonnen hat, droht Ramseys Tarnidentität aufzufliegen. Die Russen haben die „Hornet“ trotz mehrfacher Überprüfung mit raffinierten Sendern förmlich gespickt. Immer wieder gerät das U-Boot in die Fallstricke der Verfolger zu geraten. An Bord treibt zu allem Überfluss tatsächlich ein Spion sein Unwesen, der zunehmend aggressiver vorgeht, je näher die „Hornet“ ihrem Ziel kommt …

Denken und handeln: keine naturgegebene Einheit

Es ist noch gar nicht lange her, dass Soldaten primär bzw. vor allem ‚funktionieren‘ = töten (und sterben) sollten. Dass Waffen von Menschen bedient werden, die an ihrer ‚Arbeit‘ keine Freude haben, sondern darüber psychisch krank werden können, wurde erst während des Ersten Weltkriegs anerkannt und erforscht; nicht aus Menschenliebe, sondern weil die betroffenen Soldaten an der Front ausfielen.

Zeitgleich mit dem Aufstieg der Psychoanalyse zur Wissenschaft beschäftigten sich einschlägig interessierte Fachleute mit der Frage, ob man das wachsende Wissen um die menschliche Gedankenwelt auch anderweitig nutzen konnte, um beispielsweise potenzielle Verräter zu entlarven, bevor sie zuschlugen, oder um den Feind mit Hilfe psychologischer Manipulationen auszuschalten.

Als Frank Herbert Mitte der 1950er Jahre „Atom-U-Boot S 1881“ schrieb, war der Psychologe im Militärdienst zwar längst etabliert, doch weiterhin eine Erscheinung, die misstrauisch beäugt wurde - dies auch oder vor allem von jenen, denen die „head shrinkers“ helfen sollten. Ihre Maßnahmen waren schwer verständlich und rührten an menschliche Urängsten: Das Gehirn stand im Zentrum - jenes Organ, das dem Menschen seine Weltsicht ermöglicht! Die Erkenntnis, dass sich das Gehirn chemisch oder psychologisch kontrollieren und manipulieren lässt, war keineswegs willkommen, konnte jedoch nicht ignoriert werden.

Konflikte unter Wasser und im Gehirn

Herbert war fasziniert von der Frage, was „Identität“ bedeutete, wenn sie sich offensichtlich biegen und brechen ließ. Er überspitzte die Realität und schuf eine Kulisse, in der Soldat und Psychologe nicht nur gleichwertig nebeneinanderstehen, sondern - hier in der Figur des John Ramsey - sogar miteinander verschmelzen. Damit postulierte Herbert eine Kriegsführung, die zukünftig weit über die üblichen Angriffs- und Verteidigungsstrategien hinausging.

Dies veranschaulicht Herbert exemplarisch mit der Geschichte eines U-Boots, das nur im Notfall kämpfen soll, weil es eigentlich einen wichtigeren Auftrag erfüllen soll. Der technische Fortschritt ermöglicht eine Minimalbesatzung, die nur vier Männer zählt. Damit schafft Herbert einen abgeschlossenen, übersichtlichen Mikrokosmos, in dem er die Fäden zieht und ein Drama entwickelt, das seine Sicht auf das Thema darlegt.

Die Ausgangskonstellation ist klassisch: Vier Männer, von denen einer ein doppeltes Spiel spielt, belauern einander, wobei der Ich-Erzähler Ramsey keineswegs ausgeschlossen ist. Da er seinen Auftrag geheim halten muss, wächst das Misstrauen der Kameraden, die nicht nur ahnen, dass Ramsey ein Geheimnis hütet. Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen und Konfrontationen. Bündnisse werden geschmiedet, zerbrechen und bilden sich neu, wobei die Partner wechseln. So lange wie möglich sorgt Autor Herbert dafür, dass nicht nur die Männer der „Hornet“, sondern auch wir Leser im Ungewissen bleiben.

Immer noch Krieg und/wegen Öl

Sein Psycho-Drama bettet Herbert in eine spannende Story ein. Sie spielt in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts (und offenbart wieder einmal, dass Science-Fiction-Autoren keineswegs wissen, was die Zukunft bringen wird, indem hier eine längst verblichene Sowjetunion fortexistiert) und entwickelt ein Szenario, das zumindest authentisch wirkt. Herbert gibt sich erfolgreich große Mühe, quasi-dokumentarisch den Alltag auf einem Kampf-U-Boot zu schildern, das außerdem als Unterwasser-Ölbohrer unterwegs ist. Er hat ein Gespür für Konfrontationen, die sich elektronisch gefiltert und auf Distanz abspielen: Nie gibt es den direkten Blick auf den Gegner, der die „Hornet“ jagt.

Während sich diese Passagen noch heute gut lesen, schwächelt Herbert ausgerechnet dort, wo er eine Botschaft vermitteln möchte. Schon Autorenkollege Damon Knight - der auch ein versierter Kritiker war - merkte richtig an, dass Herbert keine Figuren, sondern Figurenhülsen agieren lässt. Zwar stattet er sie mit Biografien aus, doch man merkt dennoch zu deutlich, dass sie Sprachrohre darstellen, über die sich ihr geistiger Vater mitteilt. Zwar gilt zu berücksichtigen, dass Herbert 1955 - „The Dragon Under the Sea“ erschien zunächst unter dem Titel „Under Pressure“ als dreiteiliger Fortsetzungsroman im SF-Magazin „Astounding“ - zu den ersten gehörte, die dieses Plot-Feld beackerten, bis es zum Klischee degenerierte. Nichtsdestotrotz muss man Knight zustimmen: Unter der Story blitzt das Konzept zu deutlich durch.

Die Auflösung ist eher melodramatisch. Ramseys ‚Erkenntnisse‘ wirken vergleichsweise schlicht, obwohl sie von seinem Vorgesetzten - einer Mischung aus Wernher von Braun und Dr. Seltsam - begierig entgegengenommen und in Praktiken umgesetzt werden, die vor allem kurios wirken: Viele Jahrzehnte später hat selbst der Laie ein besseres Verständnis von der Psychologie als Dr. Oberhausen und John Ramsey. „Atom-U-Boot S 1881“ gehört somit in die lange Reihe vom Alter eingeholter, aber lesenswert gebliebener SF-Klassiker.

Fazit:

Der Krieg der Zukunft ist auf psychologischer Ebene mindestens ebenso ‚heiß‘ wie auf waffentechnischer. Autor Herbert widmet sich dem Thema mit sichtlichem Enthusiasmus, schießt dabei jedoch übers Ziel hinaus, während die Darstellung einer nahen Zukunft (aus Sicht der 1950er Jahre) durchaus überzeugen kann: ein gealterter Klassiker, der seine Botschaft dennoch spannend vermittelt.

Atom-U-Boot S 1881

Atom-U-Boot S 1881

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