Somniferus

Erschienen: Januar 2003

Couch-Wertung:

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Jörg Kijanski
Unterschwellig und schleichend bahnt sich der Horror seinen Weg

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Dez 2006

Ralf Weiler lebt in Köln als erfolgloser Schriftsteller von der Sozialhilfe und wartet täglich auf den rettenden Verlagsvertrag. Stattdessen erhält er eines Tages Post von einem Notar namens Harder aus dem Eifelstädtchen Daun. Da sein Onkel Jakob in dem nicht weit entfernten Ort Manderscheid als Pfarrer gearbeitet hat, fährt Ralf erwartungsfroh zu dem Notar, zumal er zu seinem Onkel schon lange keinen Kontakt mehr hatte. Harder eröffnet Ralf, dass der vorliegende Fall seltsam sei. Sein Onkel habe ihn in einem Testament zum Alleinerben gemacht, allerdings gleichzeitig seinen Freitod angekündigt mit dem Hinweis, dass man seine Leiche nie finden würde. Doch ohne Leiche kein (endgültiges) Erbe, jedenfalls nicht vor Ablauf einer Frist von 10 Jahren.

Ein nettes Haus in Manderscheid sowie ein Sparbuch mit einem Guthaben von knapp einer halben Millionen Euro überzeugen Ralf schnell. Die Sache hat nur einen Haken: Ralf soll Harder auf Wunsch seines Onkels ein einzigartiges Buch beschaffen, welches sich im Besitz des bekannten Manderscheiders Sammlers Adolphi befindet. Da Adolphi das Buch ";Enchiridion Mythologium"; aus dem Jahr 1560 nicht heraus geben will, entschließt sich Ralf zu einem Einbruch. Dabei findet Ralf Adolphis Leiche und rennt bei seiner Flucht dessen Tochter Lisa in die Arme. Durch Vermittlung Harders wollen Ralf und Lisa gemeinsam das Rätsel um das geheimnisvolle Buch lösen. Ralf winkt eine große Erbschaft und Lisa will erfahren, warum ihr Vater sterben musste. Dazu müssen die beiden – einer weiteren Weisung Jakobs folgend – den Spuren der Gottheit Somniferus folgen und von dieser ein Standbild finden. Während beide von der Polizei wegen dem Mord an Adolphi dringend gesucht werden, müssen sie sich offenbar einem noch größeren Gegner stellen, denn der finstere Somniferus sucht angeblich all diejenigen heim, die ihre Gedanken auf ihn richten…

Nach ";Eifel-Krimis"; jetzt ";Eifel-Horror";…

";Somniferus"; ist ein ebenso kurzer wie kurzweiliger Roman von Michael Siefener, der mittlerweile bereits vier phantastische Romane, die allesamt in der Eifel spielen,  beim KBV-Verlag veröffentlicht hat. Nach den ";Eifel-Krimis"; erobern nun also phantastische Romane die Gegend. Siefener überzeugt in ";Somniferus"; vor allem durch sehr fundierte Kenntnisse der Örtlichkeiten und erreicht somit ein hohes Maß an Lokalkolorit, was ihm sicher neben Freunden der phantastischen Literatur zahlreiche zusätzliche Leser einbringen wird.

Die Figuren sind eher geheimnisvoll, denn detailliert gezeichnet (von dem Protagonisten Ralf Weiler abgesehen, dessen Figur autobiografische Ähnlichkeiten zum Autor aufweist). Zunächst verschwindet Ralfs Onkel plötzlich, nachdem er sich zuvor sehr auffallend verhalten hat. Der Tod Adolphis, auch er verhielt sich vor seinem Ableben sehr merkwürdig, gibt ebenfalls Rätsel auf, da sein Tod ein recht bizarrer Suizid gewesen sein könnte. Notar Harder wiederum erscheint ebenfalls denkwürdig, denn statt eine Erbschaft wie üblich abzuwickeln, stellt er Ralf immer wieder vor neue Aufgaben, die ihm sein Onkel mit auf den Weg gegeben hat.

Kurzweilige Unterhaltung mit nur wenigen Schwächen…

Etwas gewöhnungsbedürftig ist der Umstand, wie schnell sich Lisa bereit erklärt, Ralf bei der Suche nach dem geheimnisvollen Somniferus-Standbild zu helfen, hatte sie ihn doch erst kurz zuvor gegenüber der Polizei als Mörder angezeigt. Diese stellt sich übrigens recht ";dämlich"; an, was natürlich so sein muss, da ansonsten die Flucht der beiden Hauptfiguren nicht funktionieren kann.

Sieht man von einigen wenigen Schwachstellen ab, bietet der Roman gute Unterhaltung mit kleineren gruseligen Einlagen. Unheimliche Schatten und Geräusche versetzen Ralf und Lisa ein ums andere Mal in Angst und Schrecken, wobei auf eklige Schockelemente und ähnliches verzichtet wird. Unterschwellig und schleichend scheint sich der Horror bis zur Auflösung seinen Weg zu bahnen, die – wie immer – Geschmacksache ist. Bis dahin erfreut sich der Leser an einem Roman, der nicht zuletzt dank einiger gelungener Cliffhanger problemlos aus einem verregneten, einen dezent schaurig-schönen Tag macht.

Verdammt, je schlimmer und aussichtsloser die ganze Sache wurde, desto mehr Spaß schien sie mir zu machen.
Ich hatte schließlich nichts mehr zu verlieren.
Dachte ich.

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