Hinter der Maske

Erschienen: Januar 2006

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Jörg Kijanski
Eifel-Horror mit Polter- und anderen Geistern

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Dez 2006

Der 52-jährige Arthur Dreyer lebt seit seiner Kindheit mit seiner verwitweten Mutter in Köln. Als diese stirbt bricht für ihn eine Welt zusammen und so verlässt er Hals über Kopf seine Heimatstadt und zieht in das kleine Eifeldorf Fangenburg. Mit seinen Nachbarn hat es der Großstädter dabei von Anfang an nicht leicht. Lediglich sein Nachbar, der Künstler Benzedron, der bevorzugt Teufelsbilder malt, scheint ein wenig zugänglich zu sein. Dieser eröffnet Arthur auch den Grund für die Zurückhaltung der übrigen Nachbarn. Arthurs Haus ist in ganz Fangenburg als ";Spukhaus"; bekannt, da dieses um die Mitte des 18. Jahrhunderts von einem Teufelsanbeter errichtet wurde. In den 1960er Jahren lebte dort zuletzt eine Frau und als diese ihrem Liebhaber von einem verdächtigen Spuk berichtet, will er ihr zur Hilfe eilen. Ein tödlicher Versuch.

Kurze Zeit nach seinem Einleben in dem neuen Haus bemerkt auch Arthur verdächtige Geräusche und andere denkwürdige Veränderungen. Mit Hilfe der jungen ortsansässigen Daphne, von den Dorfbewohnern als Hexe verschrien, will Arthur den unheimlichen Geschehnissen auf den Leib rücken. Dabei stößt er nicht nur auf die Geschichte des Hauses, auch die eigene Vergangenheit holt ihn ein…

";Mutter über alles";

Es ist vor allem der quälend langwierige Einstieg in die Geschichte, der einem den erhofften Lese- bzw. Gruselspaß zunächst einmal ordentlich verleidet. Über unzählige Seiten wird das ";Muttersöhnchen"; Arthur Dreyer in seinem Leiden und Trauern um die verstorbene Mutter dargestellt. ";Mutter hätte gewusst, was zu tun ist"; ist eine der Formulierungen die in eine Endlosschleife geraten zu sein scheinen. Selbst nach gut 100 Seiten hält das Gejammer und die ";Gespräche"; mit Mutter an, wobei ab diesem Zeitpunkt das Buch  dann doch langsam aber sicher Fahrt aufnimmt. Was immer Michael Siefener zu diesem ";Intro"; bewegt haben mag, seinen Lesern hat er damit keinen Gefallen getan, denn diese wollen sich in einem ";phantastischen Roman"; ja in erster Linie über seltsame Phänomene wundern und schaudern, anstatt sich der Vergangenheitsbewältigung des Protagonisten hinzugeben.

";Daphne über alles";

Nachdem die ";Einleitung"; endlich überstanden ist, entschädigt Siefener seine Leser dann mit der gesamten Bandbreite des im Horrorgenre üblichen ";Hokus Pokus";. Unheimliche Klopfgeräusche, sich selbständig bewegende Gegenstände, Seancen, Polter- und andere Geistererscheinungen, sorgfältig gemischt mit Halluzinationen und Angstattacken, sorgen für den nötigen Kick, bevor zum Ende hin sich die ";Fehler"; des Anfangs wiederholen. Gab es zu Beginn für den Protagonisten ";kein Leben ohne Mutter";, so verliebt er sich im letzten Drittel hoffnungslos in die junge Daphne, die ihm - gefühlsmäßig auf jeder dritten Buchseite - erklärt, dass ihre Beziehung aus und vorbei sei, nicht zuletzt aufgrund des gewaltigen Altersunterschiedes.

Stärken und Schwächen

Die Stärken des Plots sollen selbstverständlich nicht verschwiegen werden. Siefener schildert gekonnt, wenngleich aus Platzgründen etwas oberflächlich, die Probleme die ein Städter hat, wenn er sich in ein feststehendes, gewachsenes Dorfgefüge hinein begibt. Ebenso gelungen ist der Lokalkolorit, sprich die Beschreibung von Eifel und Umgebung. Und immer dann, wenn ein unglaubliches Ereignis das nächste jagt, befindet sich Michael Siefener auf sicherem Terrain und fesselt seine Leser. Allein die erwähnte Überbetonung von der allgegenwärtigen Mutter und seiner späteren exzessiven Sehnsucht nach Daphne gehen einem mitunter ordentlich auf den berühmten Keks. Ein somit gewöhnungsbedürftiger Lesespaß von einem deutschen Autor, der in früheren Werken gezeigt hat, dass er es besser kann.

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