Unten am Fluss - Watership Down

Erschienen: Dezember 2018

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Michael Drewniok
Mitreißender Exodus im Kaninchen-Mikrokosmos

Buch-Rezension von Michael Drewniok Jan 2019

Das Leben ist gut im Sandleford-Gehege, gelegen in der englischen Grafschaft Berkshire unweit des Städtchens Newbury - jedenfalls aus der Sicht eines Feldkaninchens. Eine Schar dieser langohrigen Nager hat sich hier niedergelassen. Streng aber gütig und halbwegs gerecht wird sie angeführt vom Oberkaninchen Lord Eberesche. Ihm zur Seite stehen als Leibwache und Berater die Mitglieder der Owsla, des Kaninchen-Adels.

Der junge Hazel gilt als aussichtsreicher Kandidat für die Owsla. Seinem jüngeren Bruder Fiver wird dieser Aufstieg verwehrt bleiben. Er hat Visionen, die ihn in die Zukunft blicken lassen. Deshalb ‚weiß‘ Fifer, dass die Menschen über dem Sandleford-Gehege eine Siedlung errichten wollen. Er drängt zum Exodus in ein neues, abseits aller Störungen gelegenes Land, das ihm im Traum erschienen ist. Bei Lord Eberesche holt er sich zwar eine Abfuhr, aber er beeindruckt seinen Bruder sowie einige andere Kaninchen. Sogar der raubauzige Krieger Bigwig schließt sich den zehn Auswanderern an, die sich auf eine gefährliche Reise begeben.

Diese endet glücklich in Watership Down, einem Gelände am Fluss in der Grafschaft Hampshire. Die Kaninchen richten sich ein - und stehen vor einem Problem: Nur Böcke leben in Watership Down. Um ein richtiges Gehege zu gründen, müssen Häsinnen her. Die fände man im nicht sehr weit entfernten Efrafa-Gehege. Doch hier herrschen der tyrannische General Woundwort und seine ihm treu ergebenen Schergen, die niemanden ziehen lassen.

Die Kaninchen von Watership Down befreien in einer Nacht-und-Nebel-Aktion viele geknechtete Efrafa-Insassen und erregen Woundworts Zorn. Er stellt eine Streitmacht auf und plant einen Angriff auf Watership Down. Dort setz man der blanken Gewalt List und Einfallsreichtum entgegen, aber als der Krieg losbricht, sieht es so aus, als würden Woundworts Truppen den Sieg davontragen ...

Ökologische Revolution der Langohren

Es war einmal ... ein englischer Familienvater in den beginnenden mittleren Jahren, der in Oxford die brotlosen Künste Literatur und Geschichte studiert hatte und daher froh sein durfte, später als Angestellter im Amt für Umweltschutz untergekommen zu sein. Auf vielen öden Dienstfahrten dachte er sich für seine beiden Töchter Geschichten über schlaue Kaninchen aus, die er ihnen erzählte, wenn er mit der Familie an den Wochenenden in ein Ferienhaus in den Hügeln von Hamphire fuhr.

Diese Geschichten waren so gut, dass die Töchter, als sie älter wurden, den Vater drängten, doch niederzuschreiben, was sonst verloren wäre. Im Sommer des Jahres 1966 folgte Richard Adams, damals 46-jährig, ihrem Wunsch. Zweieinhalb Jahre schrieb er, ohne sich beirren oder beeinflussen zu lassen, und schuf einen Klassiker der Literaturgeschichte. Davon ahnte er allerdings nichts, als er 1969 versuchte, einen Verlag für seinen Erstling zu begeistern. Doch überall winkte man ab: Zu komplex, zu ausladend habe Adams eine Geschichte erzählt, für die hauptsächlich Kinder und Jugendliche die Zielgruppe zu sein schienen, welche ja bekanntlich lieb und dumm sind und vor der bösen Wirklichkeit beschützt werden müssen. Nur der kleine Verlag Rex Collings griff 1970 eher halb entschlossen zu und brachte das Werk zwei Jahre später in kleiner Auflage heraus, ohne zu ahnen, welches Bestseller-Gold man da geborgen hatte.

Dies waren die Jahre von Flower-Power, der Rebellion gegen das Establishment, der kollektiven Selbstfindung und kosmischen Bewusstseinserweiterung, Jetzt setzten „Der Herr der Ringe“ zum Triumphzug und die hochnotpeinliche Möwe Jonathan zu ihrem Höhenflug an, während über die Kino-Leinwände Filme wie „Easy Rider“ oder „2001 - Odyssee im Weltraum“ flimmerten. In dieser Welt wurde auch eine Schar (oder besser ein Kollektiv) entwurzelter Kaninchen, die sich - Moses und den Israeliten folgend - auf die Suche nach einer besseren, weil von der Zivilisation noch nicht angekränkelten Welt begaben, mit offenen Armen (und Börsen) empfangen.

Kaninchen erobern die Welt

Wobei diese sehr amerikanische Züge trug. In der neuen Welt mischte sich schon früh leicht angegrüntes Gedankengut mit gesundem Geschäftssinn. „Watership Down“ ging in Rekordzeit mehr als eine Million Mal über die Ladentische. Dies sei keine Kindergeschichte über Kaninchen, verkündeten die Werbestrategen von „Penguin Books“, sondern eine epische Parabel über Dinge, die zählen im Leben. Da konnten auch die Erwachsenen guten Gewissens zugreifen. Die Belohnung blieb nicht aus: 1985 hatten die Pinguine fünf Millionen Bände an den Mann und die Frau gebracht. „Watership Down“ war (nach „Farm der Tiere“ von George Orwell) der am meisten verkaufte Titel in der Geschichte dieses nicht gerade kleinen Verlagshauses; selbst die „Canterbury Tales“ oder Homers „Odyssee“ mussten sich den Langohren geschlagen geben.

Richard Adams wurde berühmt und so reich, dass er das heimische Hampshire verließ und auf die Insel Man umsiedelte, wo der Würgegriff des Finanzamtes sich ein wenig lockerer um seinen Hals schlang. Der Siegeszug der „Watership Down“-Kaninchen war nicht mehr aufzuhalten. Ihre Abenteuer gibt es inzwischen als Film, Hörspiel, Musical, Theaterstück (!) und TV-Serie. Erstaunlicherweise hat sich sogar das Buch in der Gunst des Publikums halten können. Seit mehr als Jahrzehnten wird es kontinuierlich nachgedruckt. Weltweit liegt die Auflage weit jenseits der 50-Mio.-Grenze.

Trotzdem werden wir Deutschen wohl niemals wirklich begreifen, welchen Nerv Adams bei seinen Landsleuten und bei den amerikanischen Rebellen traf. Allein die Internet-Suchmaschine “Google” listet unter dem Suchbegriff „Watership Down“ mehr als 1 Million Einträge auf. Darunter sind unzählige Websites, die einen regelrechten Kult um das Buch und seinen Verfasser treiben. Dieser profitiert von der Tatsache, dass Adams seine Kaninchen ihre Abenteuer in einer realen Landschaft erleben ließ. Er siedelte sie auf den Hügeln und Feldern seiner Jugend an, wo sich jeder Ort, der im Roman genannt wird, gut wiederfinden lässt. So etwas steigert den Identifikationsfaktor. Die Bewohner des Grenzlandes zwischen den Grafschaften Berkshire und Hampshire sind „Watership-Down“-Pilger seit vielen Jahren gewöhnt.

Zeitlos statt altmodisch

Noch gar nicht berücksichtigt haben wir bisher die Frage, ob denn die Geschichte „Watership Down“ dem gleichnamigen Mythos gerecht werden kann. Um es kurz zu machen: Richard Adams ist mit Talent und Können eine Saga gelungen, die auch ohne den Medienrummel noch viele Jahre bestehen wird. Fabelähnliche Tier-Fantasy hatte es schon vor „Watership Down“ gegeben; in England wohl die berühmteste ist wahrscheinlich „The Wind in the Willows“ von Kenneth Grahame (1908, dt. „Der Wind in den Weiden“).

Das Geheimnis hinter dem Erfolg ist eigentlich keines: Sowohl Grahame als auch Adams haben ihre Werke ohne Schere im Kopf geschrieben. Beide verfassten keine erbaulichen, belehrenden, verlogenen Kinderbücher, sondern gaben ihr Bestes, um eine Geschichte zu erzählen, die vor allem spannend und mitreißend ist - für Leser jegliches Alters. Sie nahmen ihre Leser ernst; das ist die Quelle, der ewige Klassiker entspringen! Deshalb gibt es auch keine Irritationen, kein verstecktes Grinsen darüber, dass ausgerechnet Kaninchen - knopfäugige, eistütenohrige Wollsocken, die sich mit der Eleganz eines Plumpsacks bewegen - in die Kulissen einer Saga biblischen Ausmaßes gesetzt werden. Sie spielen ihre Rollen großartig, aber das ist kein Wunder bei diesem Drehbuch. Adams entwickelt seinen Nagern eine eigene Welt, die geschickt menschliche Vorbilder aufgreift, ohne gleichzeitig ihre Bewohner allzu sehr zu vermenschlichen; ein Kardinalfehler der Tierfantasy, wobei es die Disney-Studios am übelsten treiben.

Die Kaninchen von Watership Down sind nicht niedlich oder tapfer oder herzensgute pelzige Freunde, sondern eine Schar recht handfester Gesellen, die mit allen vier Pfoten fest auf der Erde (oder darunter) stehen. Das ist gut so, denn die Welt, in der sie leben, ist alles andere als ein Paradies. Die Natur hat es so eingerichtet, dass Kaninchen gut schmecken, von allen Fleischfressern gejagt werden und sich tüchtig vermehren müssen, um die ständigen Verluste auszugleichen. Wären diese Nager mit Verstand ausgestattet, könnte man sie sich sehr gut so vorstellen, wie Adams sie uns vorstellt: pragmatisch und nicht zu Sentimentalitäten neigend.

Pflanzenfresser mit Kultur

Gleichzeitig sind sie keine wilde Horde, sondern ein Volk mit Kultur und Geschichte. Aus leicht nachvollziehbaren Gründen führen sie keine schriftlichen Aufzeichnungen. Die Vergangenheit wird wieder und wieder erzählt, wenn man des Nachts oder an verregneten Tagen im tiefen Bau zusammenhockt. Das hat ihr sagenhaft Gestalt verliehen und mischt sich mit religiösen Motiven.

Wie fromm könnte man sich Kaninchen vorstellen? Auch da gäbe es reichlich Raum für schreckliche Fehlgriffe, zu denen besonders New-Age-benebelte Autoren neigen, die jedes Lebewesen, das kein Mensch ist, automatisch zum Lieblingskind von Mutter Natur erklären. Meistens sind dann auch noch Gottheiten oder Geister im Spiel, die unseren Tierhelden ökologisch korrekte Weisheiten einflüstern (bzw. mit dem Holzhammer einprügeln), die natürlich auf das menschliche Publikum zielen.

Adams meidet solchen verquasten Unsinn; das Pantheon seiner Kaninchen-Götter ist recht aufgeräumt. Frith, der Schöpfer, hilft primär dem, der sich selbst auf die Keulen setzt, und lässt seine viel geprüften Kinder (und die Leser) ansonsten weitgehend in Ruhe. Stattdessen halten sich unsere Nager lieber an das Vorbild des gewitzten Kaninchen-Eulenspiegels El-ahrairah, der wesentlich liebenswerter geraten ist als jeder neunmalkluge Naturgeist, und dessen Eskapaden der Leser gemeinsam mit den Langohren von Watership Down mit Vergnügen Revue passieren lässt.

Alles hat seine Zeit

So bleibt „Watership Down“ noch heute und zukünftig ein Beispiel für unterhaltsame Erzählkunst auf hohem Niveau. Dieses konnte Richard Adams nach 1972 kontinuierlich steigern; zu seinem Ärger nahmen weder Publikum noch Kritik die Romane, die er seither schrieb, nur annähernd so begeistert auf wie seinen Erstling. Dabei beweisen mindestens „Shardik“ (1974, dt. „Shardik“) und „The Plague Dogs“ (1977, dt. „Die Hunde des Schwarzen Todes“), dass Adams definitiv nicht der Hobby-Autor ist, dem zufällig der große Wurf gelang, sondern ein Schriftsteller von Format.

Richard Adams selbst ist mit („Tales from Watership Down“) (dt. „Neues vom Watership Down“) 1996 noch einmal in die Welt von Hazel, Fiver & Co. zurück, doch scheint er dafür nur einige Kapitel, Skizzen und El-ahrairah-Schelmereien, die es nicht in das Hauptwerk geschafft hatten, recht willkürlich und eher lieblos zusammengestellt zu haben; eine Fortsetzung ist dies jedenfalls nicht, und ein echter Lese-Spaß auch nicht.

Löffel im (Film-) Wind

Bereits 1978 wurde „Watership Down“ verfilmt: als Zeichentrickfilm, denn mit echten Kaninchen war diese Geschichte nicht umzusetzen. Martin Rosens Version leidet unter dem beschränkten Budget, gewinnt aber andererseits durch den Verzicht auf Disney-Süßlichkeiten und war trotz diverser, oft beträchtlicher Veränderungen der Vorlage an den Kinokassen durchaus erfolgreich. (Zum Ohr- bzw. Hirnwurm entwickelte sich „Bright Eyes“, der von Art Garfunkel gesungene, schaurig-schöne, schnulzige Titelsong.)

Nicht als Regisseur, sondern als Produzent zeichnete Rosen für eine 13-teilige „Watership-Down“-Fernsehserie verantwortlich, die zwischen 1999 und 2001 entstand. Sie richtete sich an ein junges Publikum, weshalb die Vorlage ‚entschärft‘ wurde.

Wie der zeitgleich entstandene Film „Peter Hase“ nutzten BBC und Netflix für ihren 2018 gestarteten „Watership-Down“-Relaunch die Möglichkeiten der modernen = digitalen Tricktechnik. Das Ergebnis überzeugte nur bedingt, zumal die Produzenten der Story jegliche Düsternis austrieben, um ein möglichst junges bzw. kopfstarkes Publikum zu erreichen. Zumindest in der Originalversion wurde dies durch ausgezeichnete Sprecher - z. B. Ben Kingsley - ausgeglichen. (Dazu gab es ein zwar neues, jedoch ebenfalls grausiges Titellied - „Fire on Fire“; dieses Mal verbrach es Sam Smith.)

Unten am Fluss - Watership Down

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Letzte Kommentare:
04.02.2019 03:08:44
Michael Drewniok

"Gehege" (im Original "warren") definiert Adams als Territorium = Lebensraum einer funktionierenden Kaninchengesellschaft, die wiederum als Kolonie oder Rudel zusammenleben - und da sind Häsinnen (und als solche werden nicht nur weibliche Hasen, sondern auch weibliche Kaninchen bezeichnet; das eigenständige "Zibbe" hat sich nie durchgesetzt) unverzichtbar. - Ist das sorgfältig genug?

02.02.2019 11:46:57
friendofbooks

"Nur Böcke leben in Watership Down. Um ein richtiges Gehege zu gründen, müssen Häsinnen her."

Das Buch ist uneingeschränkt empfehlenswert. Der Kommentar ist es nicht: bitte etwas mehr Sorgfalt! Mit Häsinnen können die Kaninchenböcke kein Gehege gründen!

07.12.2017 13:20:49
Tina

Ein Muss für Leseratten.
Habe ich in den 80ern gelesen, war
Pflichtprogramm.
Der Soundtrack war in den Charts, der Film in den Kinos.
Das Buch übertrifft den Film bei weitem, was ja meistens der Fall ist, da dieser sehr gekürzt ist.

Das Buch würde ich auch ab frühstens 12 Jahren einem Kind in die Hand geben, da es "Gewaltszenen" enthält.
Es geht, wie so oft, um Gut und Böse.
Kaninchen, die das Gute verkörpern und vor den Menschen, die ihnen ihren Lebensraum vor der Nase zubetonieren, fliehen müssen.
Es spielt in den grünen Hügeln Hampshires in Südengland.
Auf der Flucht müssen sie gegen feindliche Kaninchen kämpfen, die ihnen die Freiheit, so zu leben, wie sie es wünschen, streitig machen möchten. Wortgewaltig, manchmal traurig, oft auch lustig, fabelhaft, im wahrsten Sinne des Wortes.

Unbedingt lesen. Damals genauso aktuell wie heute.

07.01.2011 01:55:29
Leos

10/10 Punkten!

Dieser Roman ist einfach fantastisch und seit ich ihn gelesen haben ist er mein Lieblingsbuch Nr. 1. Richard Adams schafft es nicht nur die Welt, Gesellschaft, Mythologie und Charakter der Kaninchen realistisch wirken zu lassen, er schafft mit seinem Werk auch eine moderne Fabel. Man könnte viele Verhaltensweisen der Kaninchen 1:1 auf unsere Welt übertragen.
Allerdings ist anzumerken, dass weder das Buch noch der gleichnamige Zeichentrickfilm für kleinere Kinder geeignet ist.
Die Geschichte von Fiver und Hazel zählt ganz sicher zu den größten, die jemals erzählt wurden! Man sollte sie unbedingt gelesen haben

29.04.2009 08:37:00
mase

Einem Wildkaninchen Gehege droht eine unbekannte Gefahr, die ihr „Seher“ erkennt, aber nicht benennen kann. Daraufhin beschliesst eine handvoll Karnickel den Exodus in eine ihnen unbekannte Welt, um einen neuen Lebensraum zu finden. Anfangs sind sie zu acht (?) und jedes einzelne hat vom Autor einen eigenen Charakter bekommen und genau das macht die Geschichte so interessant. Wie auch in jeder menschlichen Clique gibt es den Anführer, den Muskelprotz, den Klugen, den Feigling, den Mitläufer, den Mutigen, usw.
Unterwegs müssen sie zahlreiche Gefahren und Abenteuer bestehen und hier gelingt es Adams wirklich gut, den Plot auf Kaninchenweise zu schreiben, ohne dass es „kindisch“ rüber kommt. Einfach nur schön zu lesen oder auch zum Vorlesen geeignet.

Besonders hervorheben muss ich die Tatsache, dass Adams seinen Protagonisten zwar eine eigene Kultur und Sprache usw. erfindet, sie aber trotzdem nicht vermenschlicht, wie das z.B. Pirinçci mit seinen Katzen macht, die z.B. einen Computer bedienen können.

Vor ca. 20 Jahren schon mal gelesen und begeistert gewesen und trotzdem verschwand das Buch wie die Zeit. Nie vergessen und kürzlich wieder gesehen und gleich gekauft.
Und ich bin immer noch begeistert.

„Unten am Fluss“ schafft es wohl generationsübergreifend zu begeistern. Das Alter des Lesers spielt keine Rolle und wenn es noch kein Klassiker ist, dann hat es jedenfalls alles dazu.

Eine Odyssee, ein Abenteuerroman, eine Fabel, ein Buch über Freundschaft und eine Abhandlung über das Wildkaninchen an sich in 650 Seiten schön verpackt. Obwohl es mir wunderbar gefallen hat, habe ich noch nie soviel Zeit für ein Buch benötigt wie für dieses. Ich habe mich beim lesen wohl dem Tempo der gemütlich dösenden Kaninchen in der Mittagssonne angepasst und genossen. Überhaupt konnte ich mich sehr gut mit der Lebensweise der Kaninchen anfreunden. Wichtige Entscheidungen? Aufkommende Gefahren? Erstmal gemeinsam essen, dann ne Runde aufs Ohr hauen und dann sehen wir weiter.

09.12.2008 09:21:01
Levke

Ein Klassiker ! Und SO schön!
Ich habe schon als Kind den Zeichentrickfilm gesehen (und da ich damals einige Szenen sehr gruselig fand, nichts für Kinder unter 6 Jahren - man denke nur an die "Draht-Szene" in Cowslip´s Gehege)
Und ich fand als Kind auch den Titelsong toll (und eigentlich immer noch).
Als ERwachses lese ich das Buch auch immer mal wieder, es steht seit Jahren bei mir und zerfleddert immer mehr... und immer wieder sind es neue Aspekte der Geschichte, denen ich mehr Beachtung schenke und die mich zum Nachdenken bringen, denn obwohl das Buch alt ist, kann man immer wieder gleiche Muster auch in heutiger Zeit finden...

Mehr als nur seichte Unterhaltung und absolut empfehlenswert!

21.07.2008 14:17:32
Susannah

Ein großer Kaninchenbau, blühend und lebendig, dessen Bewohner nichts Böses ahnen. Doch Fiver, ein junges Kaninchen, dass offenbar das zweie Gesicht besitzt und Visionen hat, wird vor einem großen Unheil gewarnt: sie alle müssen den Bau verlassen oder werden sterben! Blitzschnell verlassen Fiver und einige andere Kaninchen - Hazel, der mutige Anführer, Bigwig, der alte Kämpfer, Blackberry, der schlaue Helfer, Dandelion, der schnelle Läufer, und viele andere - den Bau und machen sich auf, um einen Ort zu finden an dem sie bleiben können. Unzählige Gefahren müssen sie bestehen - und endlich in Watership Down angekommen drohen weitere Gefahren. Denn nicht weit entfernt liegt das Gehege Efrafa, dass von dem wahnsinnigen General Woundowrt geführt wird ...

Ein Kindheitstraum! Seit guten zehn Jahren sind diese Kaninchen meine Begleiter. Den berühmten Zeichentrickfilm habe ich unzählige Male gesehen, kann ihn zum Teil sogar mitsprechen - und habe ewig auf das Buch gewartet. Liebevoll lässt Adams uns am Leben der Kaninchen teilhaben - mit all ihren natürlichen Verhaltensweisen und Eigenarten. Schöne Charaktere, die man ins Herz schließt, und ein großes Finale, in dem man zittert und bangt. Besonders gut gefallen haben mir immer die Legenden und Geschichten, die die Kaninchen einander erzählen. Besonders die vom Kaninchenfürsten El-ahrairah und dem schwarzen Kaninchen von Inlé. Freunde von Kaninchen sollten hier sowieso zugreifen - aber auch jeder, der sich in diese zauberhafte Welt der Kaninchen entführen lassen möchte.

01.07.2008 16:46:57
fayme

ihr buch ist soo gut ,dass unser langweiliger deutschlehrer es mit uns vor allem mit mir lesen will. also bitte ein gutes buch und ein schlechter lehrer , dass passt garnicht zusammen

10.01.2007 17:07:14
Tark

Das beste Buch, das ich je gelesen habe. Richard Adams führt uns hier schonungslos und ohne Umschweife vor Augen, welche Frevel die Menschen Tieren immer wieder antun, ohne sich über ihre Handlungen richtig bewusst zu sein. Ebenso vermittelt er einen tiefen Eindruck, was es heissen könnte, als Tier in unserer Zeit existieren zu müssen. Natürlich können wir Menschen das Befinden der Tiere nicht ganz in der nötigen Tragweite nachvollziehen und erfassen, wir sind keine Tiere, desweiteren haben wir die Genzen unseres Wirkungsbereiches schon lange überschritten. Aber nach diesem Roman wird das garantiert jeder besser können. Richard Adams versucht das Verhalten, die psychologischen Auswirkungen und die entsprechenden Reaktionen der Kaninchen darauf, dem Leser auf buchstäblich eindringliche Art in eine mitreissende Geschichte verpackt, näher zu bringen. Er schildert das Ganze umgemein glaubwürdig, einfühlsam und detailverliebt, wie ich es noch nie gelesen habe, extrem anrührend. Man möchte sich am liebsten ins Geschehen stürzen und diesen Kaninchen irgendwie helfen, was aber natürlicherweise nicht helfen würde. Das Buch lässt tatsächlich den Gedanken zu, es könnte sich echt eine solche Geschichte auf dem dortigen Schauplatz zu einer bestimmten Zeit zugetragen haben, wenn man über Kleinigkeiten hinweg sehen kann. Es gelingt ihm auch enorm gut, den verschiedenen Kaninchen völlig individuelle Charaktere ein zu hauchen, die absoluten Identifikationsstatus haben. Dennoch heben sie sich aber von typischen Klischees ab. Das Buch ist keine Kinderlektüre und wurde definitiv für jung und alt geschaffen. Hier geht es um den ständigen Ueberlebenskampf, es ist eine Welt voller Verrat und Gefahren. Aber auch ein philosophisches Gefäss von Freundschaft, Treue, Mut und dem Willen, etwas zu verändern. Die Sprache des Buches kommt einfach daher, was aber in keinem Zusammenhang mit der Komplexität des Buches steht. Die Story ist gross, um nicht zu sagen episch. Die Kaninchen machen viel mit, entwickeln sich weiter, manche Sterben. Ereignisse überschlagen sich gerne und dramatische Wendungen sind hier an der Tagesordnung.

Abschliessend kann ich nur sagen: Ich wurde von diesen Kaninchen von Anfang an bis zum traurigen Ende total in diese Welt hinein gesogen. Als Kind habe ich den sehr ordentlich gelungenen Trickfilm von Martin Rosen gesehen, der mich bis heute geprägt hat. Ich wusste sofort, dass Buch muss ich haben.

Wirklich JEDEM nur zu empfehlen.