Androidenträume

Erschienen: Januar 2009

Couch-Wertung:

80°
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Frank A. Dudley
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Buch-Rezension von Frank A. Dudley Jan 2007

Wer bei dem Titel dieses Buches an den legendären Roman von Philip K. Dick denkt, der liegt gar nicht so falsch. Doch wer eine ähnlich düstere Stimmung erwartet, der sollte etwas anderes lesen: "The Android’s Dream" ist ein riesengroßes Science Fiction-Vergnügen, ich habe Tränen beim Lesen gelacht. Anständige Action kommt auch nicht zu kurz, zwischendurch knallt es ordentlich.

Hier riecht es komisch - aber nicht zum Lachen!

Der erste Satz lautet: "Dirk Moeller war sich nicht sicher, ob er einen größeren diplomatischen Konflikt herbeifurzen konnte." Und damit ist die Atmosphäre des ersten Kapitels treffend erfasst: Hier geht es um Ausdünstungen, um Gase, um Flatulenz der besonderen Sorte. Klingt nach Humor für 14jährige, ist es auch irgendwie. Worum geht es also? Nicht nur Schafe, was aber auch schon komisch genug wäre.

In einer entfernten Zukunft gehört die Erde zur Common Confederation, einer Art UNO des Universums. Aufgrund des für galaktische Verhältnisse immer noch niedrigen Entwicklungsstandes der Erde ist unser Planet im Kosmos-Ranking im unteren Drittel angesiedelt. Knapp vor der Erde punkten ihre engsten Verbündeten und wichtigsten Handelspartner, die Nidu. Die Angehörigen dieser Reptilrasse haben nicht nur zweifelhafte Motive, was ihre Beziehungen zur Menschheit angeht, sie sind auch schnell beleidigt, leicht erregbar - und sie kommunizieren untereinander mittels Gerüchen. Hier helfen auch keine gute Kinderstube oder die Vermeidung blähender Lebensmittel: Der Konflikt beginnt, als ein Gesandter der Erde einen Nidu durch die Entlüftung seiner Gedärme regelrecht zu Tode provoziert.

Um noch mehr dicke Luft zu vermeiden, soll die Erdregierung den Nidu ein Schaf der Sorte "Android’s Dream" zur Verfügung stellen, welches diese unbedingt für die Vollständigkeit ihrer umittelbar bevorstehenden Königskrönung benötigen. Der irdische Außenminister stimmt vorschnell zu: Er hat Gegenspieler, die alle Herden der gesuchten Schafrasse mit Viren ausrotten. Das Ziel: Einen Krieg provozieren und ihn gewinnen, damit die Erde im Common Confederation-Ranking steigt.

Auftritt Harry Creek. Er ist der James Bond dieser Geschichte, und mit seinem Erscheinen schwenkt die Handlung stärker in Richtung Action. Creek soll ein passendes Schaf auftreiben, damit der interplanetare Konflikt vermieden werden kann. Doch auch die xenophobe Anti-Nidu-Fraktion schickt Profis ins Rennen. Der Ex-Soldat Creek findet ein Schaf, aber es ist nichts von dem, was er erwartet hat.

Ok, hier geht es nicht um tiefschürfende Zukunftsvisionen, nicht um dunkle Dystopien oder aufgeregte Singularitäten. Hier geht es um Unterhaltung, und zwar prächtige. John Scalzi macht sich über Star Wars lustig, er zieht die Scientology-Pseudo-Religion durch den Kakao und er tritt den Genforschungs-Jüngern in kräftig den desribonukleinsauren Hintern. Sein Humor ist eben furztrocken.

Außerdem spult er routinert einen Hochgeschwindigkeits-SF-Agententhriller ab, neben Harry Creek verblasst auch der neue Bond zum lahmen Anfänger. Klar ist auf alle Fälle: Hier muss der Leser nicht viel nachdenken, aber es erwartet auch niemand von. Er soll sich ausschließlich prächtig amüsieren: Mission accomplished, John Scalzi.

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