Blind

Erschienen: Januar 2007

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Jörg Kijanski
Joe Hill bereichert die Horror-Szene

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jan 2007

Der 1972 geborene Joe Hill sammelte bislang jede Menge Auszeichnungen für seine Kurzgeschichten, darunter den Bram Stoker Award, British Fantasy Award, World Fantasy Award und andere mehr. Kein Wunder also, dass der Heyne-Verlag seinen Debütroman ";Blind"; (auf Anhieb in 20 Sprachen übersetzt, die Filmrechte liegen bereits bei Warner Bros.) mit den Worten ";Die Zukunft der Horrorliteratur hat einen Namen!"; bewirbt.

Der alternde Rockstar Judas ";Jude"; Coyne spielt schon seit Jahren keine Konzerte mehr, da zwei seiner Bandmitglieder verstorben sind. Dafür hat er umso mehr Zeit für seine Hunde Angus und Bon sowie sich um seine skurrile Privatsammlung kümmern zu können, zu der gerahmte Zeichnungen des Serienmörders John Wayne Gacy ebenso gehören wie ein Snuff-Video. Als ihm sein persönlicher Assistent Danny Wooten eines Tages von einer Internetversteigerung erzählt, in dem der Geist eines kürzlich Verstorbenen angeboten wird, zögert Jude nicht lange und aktiviert den ";Sofort-Kaufen-Button";. Am nächsten Tag wird der Anzug des Verstorbenen geliefert und Jude muss schnell erkennen, dass der Geist äußerst lebendig ist und offenbar Jude und all seinen Freunden nach dem Leben trachtet. Ein Anruf bei der ";Verkäuferin"; Jessica Price hinterlässt dann auch keine Zweifel nach dem Motiv, denn bei dem Geist handelt es sich um Craddock McDermott, dem Stiefvater von Anna (Jessicas Schwester). Anna hatte als Groupie ein kurzes Verhältnis mit Jude bevor dieser sie nach Hause zurück schickte. Dort schnitt sich Anna die Pulsadern auf und Craddock schwor kurz vor seinem eigenen Tod Rache.

Als Jude in seinem Auto in der Garage sitzt um über die neue Situation nachzudenken, erscheint plötzlich Craddock neben ihm und zwingt ihn den Motor einzuschalten. Nur durch das Gebell der Hunde wird Judes neue Freundin Georgia auf die Situation aufmerksam und kann ihn gerade noch aus dem Auto befreien. Kurz darauf greift Craddock erneut an, doch diesmal beweisen sich Angus und Bon als zähe Gegner oder besser gesagt, deren schwarze Schattenhunde. Jude und Georgia entschließen sich zum Gegenangriff nachdem Craddock es geschafft hat, Danny in den Selbstmord zu treiben. Gemeinsam mit den Hunden machen sie sich auf den Weg zu Jessica. Während Craddock die beiden verfolgt, erfahren diese durch den Gebrauch eines Ouija-Brettes von Anna, dass diese sich keineswegs selber umgebracht hat…

";Bald können wir ja endlich mal über den ganzen Kram reden. Kann sich nur noch um Tage handeln, so wie ich das sehe. Hab gehört, du bist gerade auf der Straße der Nacht unterwegs. Ich weiß, wo die hinführt. Volles Rohr gegen einen Scheißbaum.";

Eine ausgeprägte Vorliebe für kurze Sätze

Joe Hill schickt also seinen Protagonisten und dessen Freundin auf die Straße der Nacht, auf der die Toten die Lebenden nach unten ziehen. Schon bald weis der Leser kaum noch, was real ist und was nicht. Zahlreiche Tote nehmen Kontakt mit Jude auf und immer wieder trachtet Craddock durch gezielte Aktionen nach Judes und Georgias Leben. Wie gut, dass es da die Hunde ";im Innern der Hunde"; Angus und Bon gibt, denn solange sie an Judes und Georgias Seite sind kann (fast) nichts passieren. Die Übergänge aus dem Reich der Toten  in das reale Leben sind Autor Hill glänzend gelungen und so bereichert der junge Autor die Horror-Szene mit seinem Debütroman durchaus, wenngleich er eine stark ausgeprägte Vorliebe für äußerst kurze Sätze hat.

Apropos Kürze, hier folgt (ungekürzt) Kapitel 3:

";Er verstaute die Schachtel ganz hinten in seinem Wandschrank und beschloss, nicht mehr daran zu denken.";

Der Roman geht von Anfang an hohes Tempo, welches durch 57 Kapitel auf 428 Seiten (davon allein 10 auf den letzten 25 Seiten!) nochmals gesteigert wird. Auch die einzelnen Figuren sind hervorragend gelungen. Judes Gegenspieler Craddock, der als Soldat in Vietnam neben dem Foltern zusätzlich Hypnosetechniken erlernt hat, kommt herrlich diabolisch herüber und Jude selbst ist als alternder, schräger Rockstar ebenfalls glänzend gezeichnet. Seine Vorliebe für Musik, die Namen seiner Hunde belegen es, nimmt im Roman ordentlich Platz ein, ebenso wie die zahlreichen übernatürlichen Phänomene. Es gilt die Vergangenheit (Annas Tod und dessen Ursache) aufzuklären, um deren Geistern zu entkommen. Nach dem Abstecher zu Jessica endet das als Roadmovie konstruierte Schauermärchen mit einem fulminanten Finale im Haus von Judes Vater, der schon seit längerer Zeit bettlägerig auf seinen Tod wartet.

Auf die Verfilmung von ";Blind"; (im Original ";Heart-Shaped Box) darf man gespannt sein, ebenso wie auf weitere Bücher dieses Erfolg versprechenden ";Debütanten";.

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