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Frank A. Dudley
Bas-Lag für Jugendliche

Buch-Rezension von Frank A. Dudley Feb 2007

Wenn Autoren Jugend- oder Kinderbücher schreiben, dann kann das nicht nur für das eigentliche Zielpublikum ein Gewinn sein, sondern auch erfrischend für die erwachsene Leserschaft. New-Weird-Erfolgsautor China Miéville hat mit "Un Lun Dun" einen so genannten Young-Adult-Roman verfasst, sich dabei eher herkömmlicher Plot-Formeln bedient und das ganze mit einer Reihe skurriler Ideen sowie unerwarteter Wendungen aufgepeppt. Das Ergebnis vermag jedoch nicht ganz zu überzeugen.

Auf den ersten Blick scheint der Plot aus der großen Fantasy-Recyclingkiste zu stammen: Eine Jugendliche aus unserer Welt wird in eine fantastische Parallelwelt versetzt, die sie retten muss, um nach Hause zurückkehren zu können. Doch China wäre nicht Miéville, wenn er eine klassische Quest-Geschichte nicht mit mehrdimensionalen Charakteren und sozialistischer Systemkritik verbinden würde. Rund 50 Seiten benötigt Un Lun Dun, um in Fahrt zu kommen, dann ist klar, dass der britische Autor das klassische Erzählmuster durchbricht, in dem der Protagonist mit Hilfe verschiedener Freunde eine Reihe von Aufgaben lösen muss, um sein Ziel zu erreichen.

Die Erwählte ist zwar die junge Zanna, doch das Mädchen gelangt zurück in die Oberwelt und vergisst, was geschehen ist. Also macht sich ihre Freundin Deeba daran, die Aufgabe zu lösen und Un Lun Dun vom bösen Smog zu befreien. Doch sie hat natürlich keine Ahnung, wie sie das anstellen soll. Das prophetische Buch, dessen Vorhersagen bislang eingetreten sind, zieht sich beleidigt zurück und ist keine große Hilfe mehr. Auch die "Propheseers" entpuppen sich als manipulierbar, und bevor sich die 12jährige Deeba mit der neuen Aufgabe richtig angefreundet hat, wird sie nicht nur von den wirklich Bösen, sondern auch den vermeintlich Guten verfolgt. Zu ihrer Bestürzung stellt sie außerdem fest, dass zwischen Ober- und Unterwelt eine inoffizielle Verbindung besteht, allerdings mit schlechten Folgen für beide Seiten der Stadt. Ihre einzige Hoffnung sind nun ihre illustren Freunde: Ein Halbgeist, eine Busschaffner, diverse Wort-Manifestationen und alte Regenschirme.

Wenig Tiefe bei hoher Geschwindigkeit

So sehr wie China Miéville mit seinen Bas-Lag-Romanen polarisiert, so sehr driften in "Un Lun Dun" sein hoher Anspruch und dessen Umsetzung auseinander. Oder, anders gesagt, das Buch bietet für jüngere Leser abwechslungsreiche und spannende Unterhaltung, kann erwachsene Fantasy-Fans aber nur teilweise befriedigen.

Dass statt der auserwählten Zanna ihre beste Freundin ungewollt die Rolle der Retterin Un Lun Duns übernimmt, hebt den Roman auf erfrischende Weise von konventionellen Handlungsmustern ab. Auch die unorthodoxe Vorgehensweise der Ersatz-Erwählten Deeba zum Ende hin zeigt Miévilles Vorliebe, das Genre gegen den Strich zu bürsten. Jugendliche Leser werden mit glühenden Augen die rasante Handlung verfolgen, die fantastischen Geschöpfe der Unterwelt bestaunen und mit Deeba zittern, wenn sie von Geistern, Giraffen und Gasgestalten bedroht wird.

Doch für erfahrene Fantasy-Leser sind die atemlose Flucht Deebas vor den Häschern des Smogs, die oftmals Stakkato-artige Szenenfolge und die häufige Einführung neuer Fantasiegestalten nicht besonders aufregend. Auch die Ökobotschaft sowie die Anspielung auf staatliche Schürung der Angst vor Terroranschlägen sind zu offensichtlich, um zum Nachdenken anzuregen. Und obwohl Deeba durchaus an ihrer Aufgabe wächst, nimmt Miéville seiner Figur durch die gehetzte Erzählweise jegliche Möglichkeit, noch mehr charakterliche Tiefe zu entwickeln.

"Un Lun Dun" ist ein sehr unterhaltsames, aber auch bisweilen oberflächliches Buch. Für "Young Adults" ab 12 bestens geeignet, sollten eingefleischte China-Miéville-Fans aber nicht zu viel davon erwarten.

Un Lon Dun

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