Der eisige Schatten

Erschienen: Januar 2007

Couch-Wertung:

65°
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Carsten Kuhr
Alla Mann an Deck, der ewige Winter bedroht nicht nur das Reich der Elfen

Rezension von Carsten Kuhr Mär 2007

Da wird doch der abgebrühteste Klabauterer auf seinem Buddelschiff verrückt! Da schien die Gefahr, die von Morgoya, der Herrin der Finsternis ausging, vorerst gebannt, Hammaburg gerettet und Zauberlehrling Kai der strahlende Held mit einer hübschen Elfin als Freundin. Doch kaum ist der Däumlingmagier Eulertin sein Volk besuchen, da droht schon neues Unheil. Und das nicht etwa, weil Kai, um bei der Elfin Fi Eindruck zu schinden, einen Elementar beschwört und das Zauberkunststück misslingt. Oh nein, das wäre ja auch zu einfach zu richten. Nein, die Feenkönigin ruft alle Zauberer in ihr Reich, um gegen Morgoya ein Bündnis zu schmieden. Doch nicht nur die Eingeladenen kommen zur Versammlung, ein ungebetener Gast wird ebenfalls vorstellig. Vor Jahrtausenden tobte bereits einmal ein unversöhnlicher Konflikt. Elfen und Zwerge vermochten sich damals kaum gegen die Herren der Lüfte, die riesigen Drachen, zu behaupten. Jetzt erhebt ein seit Urzeiten besiegt geglaubter Lindwurm sein Haupt und eröffnet in Freyborg und Halla neue Fronten. Und allüberall hält der ewige Winter Einzug, und das im Frühling. Mitten drin natürlich wieder Kai, unser letzter angehender Feuermagier, dem aber nicht nur der gestaltwandelnde Drache und eine verräterische Hexe Feuer macht, sondern der sich auch unvermutet mit einem Nebenbuhler um die Gunst der Elfenprinzessin konfrontiert sieht...

Von der Waterkant ins Landesinnere

Im ersten Teil seiner umfangreichen Nebelkrieg-Trilogie hat Thomas Finn seine Handlung ganz auf ein mittelalterliches Hamburg und dessen Umgebung konzentriert. Er zog viel seiner Faszination aus der packenden Darstellung der Hafenstadt, den Seebären und ihrem Seemannsgarn.

Diesmal entsendet er seinen jungen Helden ins Landesinnere. Zusammen mit Kai, der sich nach wie vor schwer tut zu akzeptieren, dass ausgerechnet er die verheissene letzte Flamme ist, und der von seinem Gefühlssturm um Fi, die Elfin, immer wieder abgelenkt wird, besuchen wir malerische Orte, gewaltige Zwingfesten, verwinkelte Städte und einen Hexensabatt.

Fast schon zu viele Fantasy-Versatzstücke

Finn fährt hier alles auf, was gängige High-Fantasy-Epen an entsprechenden Versatzstücken vorsehen. Der verfluchte Turm, ein an Charon erinnernder Fährmann, Dryaden und stolze Zwerge, Frostgeister und Elementare. Das alles in einer packenden Handlung untergebracht sorgt für kurzweiligen Lesespass. Allerdings ist das in der Summe schon fast zu viel des Guten und wirkt im Verlauf des Buches ein paar Mal überfrachtet.

Finn präsentiert als Grundlage seiner Trilogie ein zunächst recht gängiges Fantasy-Szenario. Junger Held mit magischen Gaben ist vom Schicksal dazu ausersehen, dem ultimativen Bösen Einhalt zu gebieten. Auf seinem Weg sammelt er Verbündete um sich, lernt seine Gaben zu gebrauchen trotz allen Widrigkeiten, um sich im Finale seinem Gegner zu stellen, und die Braut nach Hause zu führen. Das ist aus vielen entsprechenden Erzählungen her bekannt. Was nun zeichnet vorliegendes Buch besonders aus? Ein sehr liebevoll und überzeugend gezeichneter Held, dem so manches Mal der Zufall helfen muss.

Zunächst gelingt es Thom Finn, seinen manchmal vorlauten, dann naseweisen, später aber wieder auch innerlich unsicheren Kai sehr anschaulich zu zeichnen. Dem Leser wird es sehr leicht gemacht, in die Rolle des Jungen zu schlüpfen. Die angepeilte Zielgruppe der jungen Erwachsenen und Teenager wird hier genau getroffen. Erinnern wir uns doch zurück, solche Gefühlsstürme wie in Kai, das kennt jeder aus seiner Jugendzeit. Der Nebenbuhler(in) der plötzlich auftaucht - kaum war man sich seiner Gefühle halbwegs sicher, die Probleme, seine Zuneigung zu artikulieren, die Zweifel, den Anforderungen die von aussen an einen herangetragen werden entsprechen zu können - dies alles wird sehr anschaulich und nachvollziehbar dargestellt.

Die Handlung selbst ist abwechslungsreich, verblüfft immer wieder mit netten Einfällen. Die deutlich erkennbaren Städte bilden eine anheimelnde, zugleich aber eben wegen den Abweichungen interessante Kulisse, vor der sich Verbündete wie Gegner sammeln.

Geschickt wechselt der Autor diesmal seinen Antagonisten und stellt unserem angehenden Feuermagier gleich zwei überlegene Opponenten gegenüber. Insbesondere in der Auseinandersetzung mit der Hexe aber muss ihm der Zufall für meinen Geschmack ein wenig zu häufig zur Hilfe eilen. Das wirkte dann an einzelnen Stellen nicht unbedingt ganz glaubwürdig.

Was den Roman, wie schon den ersten Teil, aus der Masse der Fantasy-Trilogien heraushebt, das sind unzweifelhaft die markanten Charakterköpfe. Finn versteht es hier, seine Wesen reduziert auf einige wenige Charaktereigenschaften dennoch glaubwürdig zu portraitieren. Sei es der starrköpfige König der Zwerge, der geschlagene Drachenkönig, die alte, nuschelnde aber bauernschlaue Hexe oder der etwas trottelig wirkende Dracologe, sie alle wirken auf uns vertraut. Zwar nahm diesmal der kautzige Klabauter-Kapitän Koggs Windjammer nur eine Nebenrolle ein, doch die Figuren sind das Rückgrat, das das Buch aufrecht hält, die uns in all ihren Varianten mit all ihren liebevoll gezeichneten Macken an die Seiten fesseln.

Es besteht kein Zweifel, dass Kai seine Aufgabe mit Bravour bestehen wird. Da bin ich nicht bang, doch das wie, und noch mehr das auf wen er bei seiner Queste noch alles trifft, das ist das Interessante. Da wird die Zeit bis zum schliessenden dritten Band lang werden.

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