Der Fluch des Salomon

Erschienen: Januar 1994

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Michael Drewniok
Detektiv als Damenschützer & Dämonenjäger

Rezension von Michael Drewniok Apr 2007

Theodore London, leidlich erfolgreicher Privatdetektiv im New Yorker Stadtteil Manhattan, steht buchstäblich vor den Trümmern seiner Existenz: Ein schwerer Sturm hat sein Büro verwüstet, sämtliche Unterlagen wurden vernichtet. Zeit für einen Jobwechsel, denkt sich London, da bittet ihn die reizende Lisa Hutchinson um Hilfe. Sie fühlt sich beobachtet und gejagt, seit sie ihr Elternhaus in Crifo, US-Staat Vermont, fluchtartig verlassen hatte. Ihr Vater Royce, ";Priester” einer obskuren Sekte, hatte sie dort wie eine Gefangene gehalten und ihr ein unschönes Schicksal im Rahmen eines bizarren Rituals angekündigt.

London will helfen, mag aber an nicht an die monströsen Verfolger glauben, die Lisa in ihren Träumen und neuerdings auch in der Realität belästigen. Er wird eines Schlechteren belehrt, als ein echsenhaftes Flugwesen durch das Bürofenster bricht und ihn beinahe in Stücke reißt, bevor er es töten kann. Lisas Monster sind also echt, und da sich London in seine Klientin verliebt hat, stellt er sich erst recht auf ihre Seite.

Weil London nicht allein gegen seine Gegner antreten kann, rekrutiert er eine bunte Schar enthusiastischer Mitstreiter. Zu ihnen zählen Dr. Timothy Bodenfelt, ein idealistischer Arzt, Paul Morcey, ein abenteuerlustiger Hausmeister, und Pa’sha Lowe, ein krimineller Waffenhändler, der London nicht nur mit schwerer Artillerie und Giftgas ausstattet, sondern ihm auch die chinesische Wahrsagerin Lai Wan zur Seite stellt. Sie recherchiert Sensationelles: Londons monströser Gegner war einst ein Mensch, der in seine neue Gestalt mutiert wurde. Dafür verantwortlich ist Royce Hutchinson, der jedoch nur als Erfüllungsgehilfe für einen leibhaftigen Dämonen fungiert: Q’talu, der aufmerksamen Lesern des Alten Testaments als ";Salomons Fluch” bekannt ist, plant seine Rückkehr in diese Welt, die er bei dieser Gelegenheit in Besitz nehmen will. Dazu bedarf es unbedingt eines Menschenopfers, das - wer hätte es gedacht - die arme Lisa darstellen soll.

Gegen Q’talu und seine Schergen hätten Lisas wenig kampferprobten Leibwächter keine Chance, wäre da nicht eine weitere Partei, die sich in den Konflikt einschaltet und London die Macht eines ";Zerstörers” zufließen lässt, ohne ihn allerdings darin zu schulen, wie er sie gezielt einsetzen kann ...

Krimi trifft Horror - es funktioniert!

Polizisten, FBI-Agenten oder Privatdetektive, die keine Räuber, Erpresser und Mörder, sondern Vampire, Dämonen und andere übernatürliche Getüme jagen, kennen die jüngeren Freunde der Phantastik vor allem aus dem Fernsehen. Mulder & Scully waren dort mit ihren ";X-Akten” freilich nicht die Ersten; schon in den 1970er Jahren ermittelte ";Kolchak, the Nightstalker”, eine Serie, die in den USA absoluten Kultstatus genießt.

Dieser Kolchak war es, der diverse Autoren anregte, eigene Geisterdetektive zu kreieren. Sehr erfolgreich (und endlich auch in Deutschland angekommen) ist z. B. Harry Dresden, dessen Sprung - so schließt sich ein Kreis - ins Fernsehen bevorsteht. Schon einige Jahre früher war Teddy London aktiv, der nicht so populär wurde aber trotzdem einen Markstein für dieses Subgenre darstellt. (Der literarische Geisterdetektiv ist übrigens viel älter als das Fernsehen. William Hope Hodgson schuf mit ";Carnacki the Ghostfinder” schon 1910 einen Ermittler, den man gegen Attacken aus dem Jenseits engagieren konnte.)

Zwischen 1992 und 1995 löste Teddy London sechs Fälle mit hohem Spuk- und Blutgehalt. In Deutschland wurde nur sein erstes Abenteuer veröffentlicht; offenbar blieb es ohne Resonanz seitens der Leserschaft. Über eine Begründung lässt sich nur spekulieren. ";Der Fluch des Salomon” ist nicht besser oder schlechter (bzw. blöder) als viele andere Horrorgarne. Die Übersetzung ist gelungen, die Story wüst und actionreich und nicht simpler oder dümmer als andere Horrorlektüre, die sich in den Buchmärkten stapelt.

Schräge Typen für eine schräge Story

Ein sicherer Hinweis auf rasche Niederschrift eines Romans ist die Eindimensionalität der auftretenden Figuren. Morgan will das zwar vertuschen, doch hinter allen Szenen, die Seelentiefe suggerieren sollen, bemerkt der Leser altgediente Klischees. Natürlich ist Teddy London ein Marlowe-Klon; er trägt sogar einen Hut, obwohl ";Der Fluch des Salomon” in den 1990er Jahren neu auflebt. London ist zudem ein Idealist und Drachentöter, obwohl er das durch branchentypischen Zynismus zu tarnen sucht. Es bleibt ihm gar keine andere Möglichkeit als sich in seine Klientin zu verlieben, denn die ist ja sooo niedlich und hilflos. Damit dies noch dem letzten Deppen klar wird, baut Morgan diverse Szenen ein, die Lisa tüchtig weinend und mit ihrem Schicksal hadernd zeigen.

Zum Weinen sind leider auch die Rollen, in die Morgan die übrigen Figuren zwingt. Wahrscheinlich soll es originell und komisch sein, dass Teddy London eine schauerliche Gurkentruppe um sich sammelt, die man keinesfalls Ernst nehmen sollte, da sonst die weitere Lektüre sinnlos wird. ";Der Fluch des Salomon” ist Trash, das muss man sich vergegenwärtigen, um Lächerlichkeiten wie einen menschenfreundlichen Waffenhändler, der alle Schießprügel dieser Welt plus biologisch plus chemische Todmacher in seinem Keller stapelt, oder eine - natürlich asiatische (der Fu-Manchu-Effekt!) - Schönheit mit Draht ins Dämonenreich zu verkraften.

Ist einem das gelungen, übersteht man auch den Auftritt der Bösewichte. Royce Hutchinson und Q’talu wetteifern um den Rang des lächerlichsten Weltenzerstörers. Einmal mehr bestätigt sich, dass Dämonen ziemlich dämliche Schurken abgeben: Ihre Vorstellungen vom Bösen sind ebenso antiquiert wie lächerlich. Im Jenseits liest man offenbar vor allem Kinderbibeln, denn ihnen sind die ";apokalyptischen” Plagen entnommen, mit denen Q’talu Eindruck zu schinden hofft.

Immerhin ist er zumindest marginal schlauer als Hutchinson sen., der mit zum Grinsen reizender Wonne den durchgeknallten Propheten gibt, der das eigene Töchterlein opfern will. Man möchte ihm und Q’talu wirklich raten, nicht so ausgiebig über geplante Übeltaten zu reden, sondern aktiv zu werden. Andererseits benötigen London und seine Mitstreiter die daraus resultierenden Pausen, um sich ";überraschende” Gegenmaßnahmen auszudenken.

Lesen statt Denken und sich unterhalten fühlen

Genug des Spotts, der hier nicht übertrieben werden soll. ";Der Fluch des Salomon” ist das Werk eines Verfassers, der gut über seinen Status Bescheid weiß. Robert Morgan produziert Unterhaltung für lange Bahnfahrten oder Flugreisen. Originalität mag sein Ziel sein, doch sein Talent entspricht nicht seinem Ehrgeiz. Mit ";Der Fluch des Salomon” reiht er sich in das endlose Heer jener Autoren ein, die Verbrauchsliteratur für anspruchslose Leser liefern. Zu denen gehören wir alle hin und wieder, und in einer solchen Phase können uns Bücher wie dieses unterhalten. Bedenklich wird es höchstens, sollte echte Begeisterung aufkeimen, denn das wäre zuviel der Ehre für Londons Rumpelhorror.

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