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S.B. Tenz
Wunderbare Erotik oder Perversion?

Buch-Rezension von S.B. Tenz Mai 2007

Bereits als Kind wird Phedre von ihren Eltern in die Leibeigenschaft verkauft. Wie schon ihre Mutter ist Phedre fortan einem der dreizehn Häuser der Nachtpalais verpflichtet. Obwohl sie, wie alle jungen Mädchen der Nachtpalais, in den Künsten der Wissenschaft unterrichtet wird, bleibt ihr jedoch eines verwährt: die Ausbildung zur Konkubine.

Aufgrund ihres Makels, ein bunter Fleck in der Iris ihres linken Auges, bleibt sie eine Außenstehende, der man überall mit Misstrauen begegnet. Ihr Leben ändert sich jedoch schlagartig, als eines Tages der Edelmann Anafiel Delaunay ins Nachtpalais kommt. Er erkennt sofort die wahre Bedeutung des Makels in Phedres Auge. Sie ist gezeichnet von Kushiels Pfeil, was sie zu etwas ganz besonderem macht: zu der Auserwählten.

Delaunay nimmt sich ihrer an und von nun an gehört Phedre zum Hause Delaunay. Die beste Ausbildung wird ihr fortan zuteil und Phedre reift zu einer wunderschönen und intelligenten Frau. Endlich wird auch sie in der Kunst des Liebesspiels ausgebildet und bald schon gehört sie zu den begehrtesten Frauen, die das Nachtpalais jemals hervorgebracht hat. Phedre ist über alle Maßen glücklich, aber sie ahnt nicht, dass Anafiel Delaunay ganz eigene Pläne mit ihr verfolgt. Er macht sie zu einem Werkzeug, um politische Ränkespiele zu schmieden.

Doch Phedre ist nicht dumm. Bald schon stößt sie auf dunkle Geheimnisse die ihren Herrn umgeben.

Hemmungslose Sexorgien

Um es vorweg zu nehmen: Wer bei vorliegendem Roman typische Fantasy Elemente erwartet, der wartet vergebens. Stattdessen bekommt der Leser eine geballte Ladung Erotik. Wobei ich auch gleich bei meinem ersten Kritikpunkt wäre. Erotische Einlagen sind ja ganz nett, aber muss es gleich so dicke kommen, dass der Leser sich manchmal fragen muss, ob er nicht einen SM-Roman in den Händen hält statt einer Fantasy Lektüre? Wie die Protagonisten ihre Perversionen ausleben, ist zum Teil schon geschmacklos und abstoßend. Feuerhaken, Peitschen und diverse Hilfsmittel gehören zum Standardrepertoire, um nur einige zu nennen.

Prüden Gemütern werden die Haare zu Berge stehen. Moralapostel werden ";Dies Teufelswerk"; wohl gleich den Flammen übergeben. Aber Spaß beiseite. Wer nun denkt, hier handele es sich um einen billigen Sex-Roman, der wird schon nach den ersten Seiten eines besseren belehrt.

Lässt man die wilden Sex-Orgien einmal außen vor, erkennt man sehr schnell, dass die Autorin mit einem hervorragend geschriebenen Roman debütiert. Stilistisch einwandfrei, blumig und wortgewaltig erzählt uns die Autorin aus der Sicht der Hauptfigur (Phedre) eine fesselnde Geschichte, die in einem etwas anderen Europa, vielleicht zur Zeit der Renaissance, spielt.

Faszinierende Protagonisten

Meine anfängliche Skepsis wandelte sich nach etwa einem Drittel des Romans in wahre Begeisterung. Die wunderbaren Dialoge geben der Geschichte das gewisse Etwas und den faszinierenden Protagonisten ihre Glaubwürdigkeit. Die Handlung ist sehr komplex und fordert die ganze Aufmerksamkeit des Lesers. Bei der Fülle von Personen, denen man im Laufe der Geschichte begegnet, verliert man nämlich schnell einmal die Übersicht. Zum Glück gibt es ein ausführliches Personenregister, auf das man immer wieder gerne zurückgreift.

Der Leser muß eine Menge Geduld aufbringen, bis er in die komplexe Handlung eintaucht. Belohnt wird er mit einer bezaubernden Geschichte, die ihresgleichen sucht. Fest steht: Jacqueline Carey ist eine intelligente Autorin, die weit über die Grenzen ihres eigenen Landes hinausshieht.

Fazit

Eine allgemeine Kaufempfehlung auszusprechen ist unmöglich. Am Ende wird man diesen Roman lieben oder ihn maßlos enttäuscht zur Seite legen. Für Fantasy-Fans, die ausschließlich auf Altbewährtes setzen und unzugänglich an den typischen Elementen dieses Genres festhalten, wird dieser Roman sicher keine Offenbarung sein. Wer jedoch bereit für etwas neues ist, eine literarische Herausforderung sucht, über die sich zu debattieren lohnt, der sollte auf jeden Fall zugreifen. Er wird es nicht bereuen. Ich bin überzeugt, dass Jaqueline Carey einmal den Bekanntheitsgrad einer Marion Zimmer Bradley erreichen wird. Das Zeug dazu hat sie jedenfalls.

Hut ab vor dieser hohen Kunst der Erzählung.

Die Geheimnisse des Nachtpalais

Die Geheimnisse des Nachtpalais

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Letzte Kommentare:
01.10.2009 12:47:41
Cianna

...warum wird denn überhaupt noch eine Rezension zu diesem Buch hier aufgeführt?

Dies ist schließlich nur ein Fragment, eigentlich nur der "Vorpann", des Originals "Kushiel\'s Dart"

In der aktuelleren, wunderbar ausführlichen Rezension zu "Kushiel - Das Zeichen" wird ja darauf auch Bezug genommen... also warum veraltete, zerstückelte Auflagen überhaupt noch erwähnen?