Die Krieger der Stille

  • Heyne
  • Erschienen: Januar 2007
Die Krieger der Stille
Die Krieger der Stille
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Holger Schmidt
87°

Phantastik-Couch Rezension vonJun 2007

Episches Zukunftsmärchen

In der phantatischen Literatur wimmelt es geradezu von einem Seitenzweig der menschlichen Spezies: Dem Homo Schurkus, auch gemeiner Kapuzenmann genannt. Deutlichstes Merkmal der wenig possierlichen Manifestation menschlichen Fehlverhaltens ist seine Kopfbedeckung. Darunter lässt sich so manch dunkler Gedanke verbergen und bestens Ränke schmieden. In beinahe jedem zweiten Fantasyroman treibt so ein Kapuzenmann sein Unwesen; ob satanische Rituale bei Nacht und Nebel, Zauberei und dunkle Magie, Vatikanverschwörungen oder das Ozonloch, die Schuld ist stets bei dem mysteriösen Kapuzenmann zu finden. Und selbst in tausenden von Jahren ist die Menschheit vor den vermummten Bösewichtern nicht sicher, wie Pierre Bordages Roman eindringlich dokumentiert.

Wenn Gedanken töten können

Die Skayten vom Planeten Hyponeros sind für ihre telepathischen Fähigkeiten bekannt. Um sich vor dem Eindringen eines Skayten in die eigenen Gedanken zu schützen, verfügen Adelige über eine spezielle Leibgarde, die sie mental abschirmt. Als die Skayten jedoch die Fähigkeit erlangen, mit Gedankenkraft zu töten, ist es mit der scheinbaren Sicherheit vorbei. Die menschenähnlichen Kunstwesen sind nun nicht mehr aufzuhalten. Gemeinsam mit der korrupten Kirche des Kreuzes und den überall gefürchteten Pritiv-Söldner, greifen die Skayten nach der Macht auf den von Menschen bewohnten Planeten.

Tixu ist Angestellter in einem Reisebüro, das Menschen mithilfe einer Teleportationstechnik zu anderen Welten befördert. Unzufrieden mit seinem sinnlos erscheinenden Job und seinem Leben im Allgemeinen, gelingt es Tixu die meisten Kunden schnell zu vergraulen. Ein chaotisches Büro und unangenehme Körperdüfte schrecken seine neueste Kundin jedoch nicht ab. Die wunderschöne Aphykit ist leider vollkommen mittellos. Zudem scheint sie vor irgend etwas wegzulaufen. Becirct von den Reizen der jungen Frau, arrangiert Tixu kurzerhand eine Reise ohne Bezahlung. Dass er damit seinen Job riskiert, ist ihm egal. Als Aphykit abgereist ist, trachten Fremde auch Tixu nach dem Leben. Nachdem er nur knapp einem Angriff überlebt, beschließt Tixu der Schönen zu folgen. Noch weiß er nicht, dass das Mädchen vielleicht die letzte Hoffnung für die friedliebende menschliche Zivilisation darstellt.

SciFi oder Fantasy?

Von einem üppigen, eine Weltraumszene darstellenden Umschlagbild in die Irre geführt, schlägt der Leser die ersten Seiten dieses Romans auf, und wundert sich: Die Menschheit lebt auf unzähligen Welten, es gibt aber keine Raumfahrt. Sternenschiffe sucht man vergebens. Auch futuristische Technik, künstliche Intelligenzen, Roboter, Datennetzwerke oder sonstige Science-Fiction-Standards, sind mit der Lupe zu suchen. Wenn überhaupt, dann ist "Die Krieger der Stille" als ein Zukunftsmärchen zu bezeichnen. Dafür spricht auch die eher für Fantasy typische Sprache des Autoren. Lediglich die unterschiedlichen Kapiteleinleitungen - fiktive Lexikoneinträge, Lyrik, religiöse Texte - erinnern an den oftmals als Vergleich herangezogenen "Wüstenplaneten".

Dieses Buch ist der Beginn einer Reihe, das macht auch ein von Anfang an sehr in die Breite gehender Weltentwurf deutlich. Haupthandlungsstrang ist die Geschichte von Tixu und Aphykit, sowie der Putsch der Verschwörer. Nebenbei schlüpft der Leser in die Haut vieler anderer Bewohner dieses Universums. Teilweise sind diese Nebenkapitel abgeschlossen, wirken wie eigenständige Erzählungen. Dieser ungewöhnliche und sehr unterhaltsame Aufbau allein macht diesen Roman schon zu einem besonderen Vergnügen.

Phantastische Lesemomente trotz Kapuzenmann

Und es geht noch weiter: Auf der Basis eines "Gut-gegen-Böse-Märchens" entwirft Bordage die faszinierende Welt unserer fernen Zukunft. Begriffe wie "farbenprächtig" und "opulent" drängen sich unweigerlich auf. Tatsächlich hat Bordages Geschichte eine epische Tiefe, die von den ersten Seiten an fesselt. Tixus Odyssee erinnert phasenweise an Dan Simmons "Hyperion", vor allem auch, weil der Autor durch die mannigfaltigen Charaktere und Blickwinkel einen umfassenden Blick auf sein Universum vermittelt. Hinzu kommt der märchenhafte, beinahe lyrische Umgang mit der Geschichte. Das Ende wirkt jedoch etwas unspektakulär, da es die Geschichte nicht abschließt. Die wenigsten werden sich wohl darüber ärgern, nun auch noch zum Lesen des zweiten Bandes genötigt zu werden. Die Schwächen des Romans kann man an einer Hand abzählen. Eine davon sind sicher das eine oder andere sinn- und zwecklos erscheinende Kapitel. Hier tritt der eingangs erwähnte Kapuzenmann in Erscheinung und verfolgt seine bösartigen Absichten, will mit seinen fadenscheinigen Motiven aber nicht so recht überzeugen. Diejenigen Leser, die von einem SF-Roman eben auch Science erwarten, müssen sich in Enthaltsamkeit üben. Nichtsdestotrotz - vielleicht auch gerade deswegen - ist dieses Buch ein epochales Zukunftsmärchen, das eine zeitlose Geschichte erzählt und sicher für viele faszinierende Leseabende sorgen wird.

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