Sternenfeuer

  • Heyne
  • Erschienen: Januar 2008
Sternenfeuer
Sternenfeuer
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Peter Kümmel
68°

Phantastik-Couch Rezension von Peter Kümmel Jun 2007

Klassische Space Opera ohne neue Ideen

Gibraltar - eine Festung auf einem Felsen. Oft angegriffen und belagert, doch die Bewohner trotzten den Angriffen und verteidigten ihr Territorium. Nicht umsonst entstand die Redensart, etwas sei "so sicher wie der Felsen von Gibraltar". Wir befinden uns im 24. Jahrhundert. Mittlerweile musste der Felsen nach einem Angriff mit radioaktiven Waffen zwar aufgegeben werden, die Schlacht aber wurde trotzdem gewonnen und so steht Gibraltar weiterhin als Synonym für eine uneinnehmbare Festung.

"Gibraltar Earth" - so der wunderbar aussagefähige Originaltitel von Michael McCollums Space Opera, der in der deutschen Übersetzung leider dem ebenso unpassenden wie banalen Titel "Sternenfeuer" weichen musste. Gibraltar selber spielt in dem Roman nur eine Nebenrolle, steht aber im übertragenen Sinne für unseren Planeten, der für fremde Mächte ebenso uneinnehmbar bleiben soll wie der gleichnamige Felsen. Doch zunächst zum Anfang der Handlung...

Ein übermächtiger Gegner herrscht über ein gigantisches Sternenimperium

Die Raumfahrt hat mittels neuer Techniken die Schranke der Lichtgeschwindigkeit überwunden und breitet sich weiter in die Tiefen des Universums aus. Bislang sprach noch nichts für die Existenz fremder intelligenter Wesen, als die "Magellan" während eines Erkundungsfluges auf zwei außerirdische Raumschiffe trifft. Als ein Scout-Boot der "Magellan" zwischen die Fronten der beiden Raumschiffe gerät, wird es abgeschossen. Die "Magellan" sieht sich unvermittelt in einen stellaren Konflikt hineingezogen. Aufgrund der bislang fehlenden Notwendigkeit fast unbewaffnet gelingt es Captain Landon mittels eines Husarenstücks, eines der Raumschiffe zu zerstören. Das zweite Raumschiff war bereits von seinem Gegner kampfunfähig gemacht worden. Dort finden sich viele Leichen der verschiedenartigsten Kreaturen sowie ein überlebender Außerirdischer.

Geheimhaltung ist nun oberste Devise der Weltregierung unter Leitung der Welt-Koordinatorin Nadine Halström, um eine Massenpanik zu verhindern. Der Außerirdische wird auf einer Raumstation im Erdorbit gefangen gehalten, wo die Linguistin Lisa Arden versucht, mit dem fremden Wesen in Kontakt zu treten. Die Geheimhaltung gelingt zunächst recht gut, doch Mark Rykand, Bruder der auf dem abgeschossenen Scout-Boot umgekommenen Kommandantin, lässt sich nicht mit einer simplen Unfall-Erklärung abspeisen. Unter Einsatz seines Lebens erreicht er die Raumstation, wo man ihn in das Projekt mit einbezieht, da man ihn ja nun nicht mehr laufen lassen kann.

Der affenartige Außerirdische erweist sich als intelligenter als die Menschen und schon nach wenigen Wochen gelingt die Kommunikation. Was man von Sar-Say - so nennt er sich - erfährt, löst allgemeines Bestürzen aus. Es gibt weitaus mehr fremde Lebensformen, als man sich vorstellen kann. Eine überlegene Macht namens "Broa" herrscht über ein gigantisches Sternenimperium. Die Broa haben eine große Anzahl anderer Existenzen unterjocht und machen vor keinem Gegner halt. Die größte Aufgabe der Menschheit ist es nun, ihre Existenz sowie insbesondere die Lage des Planeten Erde vor den Broa geheimzuhalten. Doch zunächst gilt es, den Wahrheitsgehalt von Sar-Says Aussagen zu überprüfen. Und so startet die bislang größte und gefährlicheste Expedition in den Weltraum...

Wirklich ein übermächtiger Gegner?

Michael McCollum bietet in "Sternenfeuer" mit seiner Routine all das auf, was eine klassische Space Opera ausmacht: Kämpfe im Universum, außerirdische Lebensformen, die Bedrohung unseres Planeten und eine spannende Handlung, bei der auch zwischenmenschliche Beziehungen nicht zu kurz kommen.

Gute Unterhaltung eben, aber mit der Betonung auf "klassisch". Wirklich Neues bietet uns der amerikanische Raumfahrtingenieur McCollum nicht. Er beweist sein Fachwissen in detaillierten wissenschaftlichen Erklärungen und schmückt das, was sich (noch) nicht erklären lässt, meist mit Standards wie Raumsprüngen aus. Den übermächtigen Gegner hält der Autor (nicht unbedingt logisch) technisch etwa auf dem Stand der Menschheit, damit im weiteren Verlauf Spannung garantiert bleibt.

Absolut nicht zu McCollums Stärken zählt die Darstellung der Charaktere. Diese bleiben, obwohl sehr vielseitig angelegt, durchweg blass. Selbst mit den Protagonisten, der Linguistin Lisa Arden und Mark Rykand, wird der Leser nie so recht warm.

Was bleibt, sind neben einer unterhaltsamen Story ein paar grundsätzliche Überlegungen über die Verantwortung von Regierungen und das Abwägen von Streben nach Wissen auf der einen Seite sowie den Schutz der Menschheit auf der anderen. Warten wir ab, ob Michael McCollum aus der Fortsetzung "Sternenstürme" mehr machen kann als "klassische Space Opera".

Sternenfeuer

Michael McCollum, Heyne

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