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Peter Kümmel
Ausflug ins Mystery-Genre gründlich mißlungen

Buch-Rezension von Peter Kümmel Jun 2007

Eine bunt gemischte Teilnehmergruppe von zehn Personen befindet sich auf einer Expedition in der Großen Salzwüste Dasht-e Kavir im iranischen Zentralplateau. Neben ihrem Führer Roman gehören zur Gruppe ein Sprachforscher, ein Paläogeologe, ein Paläoanthropologe und eine Majorin vom geographischen Militärinstitut als Wissenschaftler, eine Fotografin, ein Koch, zwei Fahrer sowie ein Dolmetscher, die auch von ihren Nationalitäten her kaum unterschiedlicher sein könnten.

Wie so oft in Mystery-Thrillern beginnt das Geschehen mit einer Entdeckung, die allen bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse widerspricht. In einer Höhle werden etwa sechstausend Jahre alte Steinquader mit keltischen Schriftzeichen aus dem fünften Jahrhundert gefunden - mir ist unklar, wo hier das große Mysterium sein soll, die Wissenschaftler zumindest sind ratlos.

Noch rätselhafter wird es, als plötzlich auf die Gruppe geschossen wird. Die Russin Tatjana wird leicht verletzt. Man tut das ganze dahingehend ab, dass man wohl Drogenhändler ungewollt gestört hat. Doch dies war erst der Beginn einer Reihe von Ereignissen, die dem Team von nun an widerfahren sollen. Der mysteriöse Reiter scheint dabei noch das geringste Problem zu sein.

Dann erreicht der Trupp ein scheinbar verlassenes Dorf. Doch in den Häusern liegen Leichen, meist Frauen und Kinder, denen die Kehle durchgeschnitten wurde. Und bald schon muß die Gruppe um ihr eigenes Leben fürchten...

Emotionslose Schilderung grauenvoller Schrecken

Die französische Schriftstellerin Brigitte Aubert trat bisher vorwiegend als Verfasserin von Kriminalromanen, die oft kontrovers beurteilt werden, in Erscheinung. Ihren ersten Ausflug in die Gefilde der Phantastik kann man getrost als mißlungen bezeichnen. Leider weist das Buch in keiner Weise auf "Mystery" hin, so daß der Leser wie auf dem Titel angekündigt einen "Thriller" erwartet.

Obwohl die Zusammenstellung ihrer Protagonisten viel Potential bietet, wirft die Autorin ihren Lesern zunächst einzelne unzusammenhängende Ereignisse wie Knochen einem Hund lieblos hin. Erschreckende Ereignisse, die den Leser fesseln sollten, werden emotionslos geschildert. Den Höhepunkt bildet dabei das Auffinden des ermordeten Dolmetschers Omar, dessen "abgetrennter Kopf auf seinen blutüberströmten Knien ruhte" sowie zweier weiterer toter Arbeiter.

"Mamma mia! Sind die Männer etwa tot?"

"Leider ja", antwortete Roman und rollte das Seil auf. "Armer Omar, er war so nett."

"Sind wir in Gefahr?", erkundigte sich dÉncausses in einem Ton, als wollte er wissen, wie spät es war.

Leider kein Einzelbeispiel von flachen Dialogen, sondern eher die Regel. Die vor Klischees nur so strotzenden Charaktere scheinen sich darum zu reißen, beim Leser die wenigsten Sympathien erhaschen zu wollen. Selbst Roman, dem wohl die Protagonistenrolle zugedacht scheint, ist nur eine stereotype Erscheinung, die keine Erinnerung über das Buchende hinaus zurücklässt.

Statt neuer Erkenntnisse bringt der weitere Verlauf der Handlung nun zwar eine Grundidee, aus der sich hätte etwas machen lassen, doch ansonsten steigert sich der Schwachsinn von Seite zu Seite und gipfelt in einem haarsträubenden Finale, das nur dadurch zufrieden stellen kann, dass das Buch endlich zu Ende ist.

Verschenkt ist auch die ungewönliche Lokalität, deren Atmosphäre leider überhaupt nicht beeindrucken kann. Ansätze von anthropologischen Erläuterungen erscheinen einem gebildeten Leser ebenso wenig glaubhaft wie die Motive und Verhaltensweisen des mysteriösen Volkes.

Cantus. Fluch der Wüste

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