Kuß der Verdammnis

Erschienen: Januar 2005

Couch-Wertung:

40°
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Elmar Huber
Der Serienauftakt wirkt noch unrund

Buch-Rezension von Elmar Huber Dez 2007

";Zu ihren Füßen und um sie herum bewegte sich etwas. Schatten umschwärmten sie. Die Schatten verkrüppelter Gestalten, die sich aber immer dann aufzulösen schienen, wenn Calvin näher hinsah. ";
(Höllenbrut - Carpe Noctem)

Die Vampirin Dilara versucht im London des Jahres 2005 den Sinn ihrer Existenz zu ergründen. Seit sie 1601 als Hexe hingerichtet werden sollte und im Angesicht des Todes den Vampirkuss empfing, hat sich ihr damaliger Mentor, der Urvampir Antediluvian, zu Ihrem Gegenspieler entwickelt. So ist Dilara auf der Suche nach neuen Verbündeten.

Die Schülerin, die sich gegen ihren Mentor stellt, nachdem sie erkennt, dass er ein doppletes Spiel mit ihr gespielt hat. Eine Kontstellation, die wenig Überraschungen aufweist. Der Roman beginnt mit der Nebenfigur Roderick Herrington, einem Mann, der fasziniert ist von Dilaras Abbild, bis er sie wahrhaftig erblickt und natürlich von ihr fasziniert ist. Seine folgenden Nachforschungen führen ihn - und damit den Leser - zu der Dilara, die 1601 im Hyde Park hingerichtet werden sollte.

Schwenk zu Dilara, die gegenwärtig den Sinn ihrer Existenz in Frage stellt. Im weiteren Lauf der Handlung begegnet sie dem Buchhändler Calvin. Die beiderseitige Faszination führt bald zu einer vorhersehbaren Liebesbeziehung, die jedoch von Dilaras und, wie sich später herausstellt, auch Calvins Vergangenheit überschattet ist. Unterschlupf und Unterstützung gegen Antediluvian finden die beiden bei der Vampirrasse der Cemeteries (inklusive deren charismatischem Anführer Guardian), auf die Dilara und Calvin gegen Ende des Buches recht unvermittelt treffen.

In einem Serienauftakt können naturgemäß einige Themen nur angerissen werden, sollen diese Appetizer doch Lust auf mehr machen. Leider wirkt der ganze Roman dadurch etwas unrund und auch ziemlich unentschlossen. Offenbar war zu dem Zeitpunkt noch nicht klar, wie sich einige Figuren weiterentwickeln.
Interesanter als Dilara und Calvin sind einige Nebenfiguren gezeichnet. So etwa Roderick Herrington, der beginnt, sich durch den Kontakt mit Dilara zu verändern, sich von seinem bisherigen Leben zurück zieht, seine Verlobung löst und von Albträumen mit einen Jack the Ripper-Szenario (mit ihm selbst als Ripper) geplagt wird. Meine Sympathie hatte gegen Ende auch Herringtons Ex-Verlobte, die mit ihren Möglichkeiten alles daransetzt, herauszufinden, was mit ihm vorgeht. Leider wird diese - mir nichts, dir nichts - abserviert.

Kennzeichnend für Alisha Biondas Schreibstil sind Nebensätze und unvermittelt eingeschobene, unnötig lange Erklärungen, die leider den Handlungsfluß enorm bremsen und durch ständige Wiederholung ermüdend wirken. Der Leser verliert durch diese Nebensächlichkeiten leicht den Faden. Weniger wäre hier mehr gewesen und auch der Leser wäre durch einen straighteren Handlungsfortgang mehr gefordert.

";Und? Hast du dir Klarheit verschafft?"
Calvin strich sich die langen Haare zurück. In der schwarzen Kleidung wirkte er noch schlanker als er es ohnehin schon war, beinahe androgyn. Und genau deshalb, weil er so einen deutlichen Kontrast zu ihren weiblichen Formen bildete, zog er Dilara besonders an.
";Nicht vollends ...."

Auffällig unglücklich ist ebenfalls, dass Calvin regelmäßig an Dilaras Aufrichtigkeit und Liebe zweifelt und sich die Beziehung zwischen Dilara und Calvin damit ständig im Kreis dreht. Das wirkt auf die Dauer bemüht und langweilig und tut auch der Figur Calvin, die doch tough und geheimnisvoll wirken soll, nicht gut. So hat man eher einen Goth-Bubi vor Augen, der sich in eine unerreichbare Sexbombe verknallt hat, als einen gleichwertigen Partner für eine jahrhundertealte Vampirin.

Leider ist auch die Wortwahl nicht immer gut und wirkt dem Image, das vermittelt werden soll, eher entgegen.
";Sie preßte sich an Calvin und knabberte an seinem Ohrläppchen, was er mit einem kleinen Kiekser honorierte, da er extrem kitzelig war."

";Kuss der Verdammnis" ist - nach einer Kurzgeschichte mit Dilara (von Wolfgang Hohlbein himself) in der Storysammlung ";Der ewig dunkle Traum" - der tatsächliche Serienauftakt von Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik. Wolfgang Hohlbein fungiert als Namensgeber der Serie. Leider wird nirgendwo erwähnt, in wie weit er die Serie beeinflußt. Die Autoren haben die Möglichkeit, im Rahmen eines vorgegebenen Handlungsstrangs, ihre jeweilige Vorstellung von Dilara zum Leben zu erwecken. Damit werden die Charaktere innerhalb einer fortlaufenden Handlung stets etwas anders und neu beleuchtet. Noch unabhängiger ist das Konzept dadurch gestaltet, dass auch Ereignisse aus Dilaras Vergangenheit nach und nach erzählt werden sollen und die Autoren damit die Freiheit haben, parallel zur Gegenwartshandlung, zusätzliche, richtungsweisende Stationen in Dilaras Leben zu beschreiben. Oft werden diese unabhängigen Handlungen von einem Autorenteam umgesetzt.

Unbedingt möchte ich noch die sehr gute Covergestaltung von Mark Freier erwähnen. Der Künstler ist momentan der Superstar bei der Covergestaltung von Kleinverlagesveröffentlichungen (soweit das kein Widerspruch ist). Die Illustrationen im Buch selbst sind von Pat Hachfeld. Diese halte ich für weniger gelungen und auch der Thematik nicht angemessen.

Kuß der Verdammnis

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