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Michael Drewniok
Zukünfte, die (manchmal glücklicherweise) nie real wurden

Buch-Rezension von Michael Drewniok Nov 2019

- Alle Namen Gottes (The Nine Billion Names of God; 1953): Eine spektakuläre Weissagung erfüllt sich, als es tibetanischen Mönchen dank moderner Computer-Unterstützung gelingt, sämtliche Namen Gottes aufzulisten.

- Sonderzuteilung (Special Delivery; 1957)*: Von der Erde sind sehnlich gewünschte Luxusartikel auf dem Weg zur Raumstation, doch ein technischer Fehler sorgt für lange Gesichter - und eine noch längere Irrfahrt durch das Sonnensystem.

- Der gefiederte Freund (The Feathered Friend, 1957)*: Das an Bord der Raumstation geschmuggelte Haustier erweist sich als Retter in höchster Not.

- Nimm einen tiefen Atemzug ... (Take a Deep Breath; 1957)*: Wie lange kann der Mensch ohne Schutzanzug im Weltall überleben? Die Besatzung eines havarierten Raumschiffs muss es ausprobieren.

- Freiheit des Weltraums (Freedom of Space; 1957)*: Der Flug ins All eröffnet dem erfolgreichen Moderator ein Leben, das er nicht mehr missen will.

- Ein Besucher zieht vorbei (Passer-by; 1957)*: Die zufällige Entdeckung hätte ihm einen Platz in den Geschichtsbüchern gesichert, wäre sie dem Raumfahrer nicht ausgerechnet während einer heimlichen und unerlaubten Liebestour geglückt.

- Der Ruf der Sterne (Call of the Stars; 1957)*: Anlässlich des ersten bemannten Flugs zum Mars erinnert sich ein alter Raumfahrer an seine eigenen Weltraum-Anfänge.

- Der Wall der Finsternis (Wall of Darkness; 1949): Dieses Mikroversum beherbergt nur eine Sonne und ihren Planeten, dessen Bewohner endlich herausfinden wollen, was hinter jener gigantischen Mauer steckt, die sich über ihre Heimatwelt zieht.

- Spionage der Zukunft (Security Check; 1956): Seine genialen Zukunftsvisionen sorgen dafür, dass nicht der Geheimdienst, sondern misstrauische Aliens auf den Filmausstatter aufmerksam werden.

- Es gibt keinen vierten Morgen (No Morning After; 1954): Als die Mächtigen von Thaar der fernen Erde eine Gedankenwarnung vor dem anstehenden Weltuntergang zukommen lassen, geraten sie ausgerechnet an den betrunkenen, gänzlich gleichgültigen Bill.

- Unternehmen Luna (The Starting Line; 1956)**: Um die ruhmreiche Erstlandung auf dem Mond für sich beanspruchen zu können, versuchen sich die drei Teilnehmerteams gegenseitig hereinzulegen.

- Robin Hood (Robin Hood, F. R. S.; 1956)**: Ausgerechnet Pfeil und Bogen kommen zum Einsatz, als auf dem Mond eine Versorgungsrakete geborgen werden muss.

- Die grünen Finger (Green Fingers; 1956)**: Ein gärtnerisch begabter Wissenschaftler bringt Pflanzen auf dem Mond zum Keimen, unterschätzt jedoch die daraus resultierenden bzw. hervorschießenden Konsequenzen.

- Alles, was glänzt (All That Glitters; 1956)**: Der Fund gewaltiger Monddiamanten sorgt auf der Erde keineswegs für Begeisterung.

- Der Reklametrick (Publicity Campaign; 1953): Ein irdischer Getränkekonzern erkennt die Möglichkeit, ein Mondexperiment für eine außerirdische Werbeaktion zweckzuentfremden.

- Nur eine Frage des Wohnortes (A Question of Residence**; 1956): Für die britischen Mitglieder der Mondexpedition bietet sich die Möglichkeit, dem heimischen Finanzamt eins auszuwischen.

- Die Invasion (Watch This Space; 1956)**: Dummerweise erfolgt der erste Kontakt mit außerirdischen Wesen, als ein besonders schauriges Science-Fiction-Epos weltweit Kinoerfolge feiert.

- Alle Zeit der Welt (All the Time in the World; 1952): Dass ihm ein außerirdisches Gerät in die Hände fällt, mit dem er die Zeit anhalten kann, bietet Gauner Ashton nicht wirklich den erhofften Nutzen.

- Der kosmische Casanova (Cosmic Casanova; 1958): Überall dort, wo er landet, knickt der Raumfahrer Frauenherzen, doch auch er kann nicht alle möglichen Zwischenfälle vorab kalkulieren.

- Der Stern (The Star; 1955): Ausgerechnet die Explosion einer ferner Supernova wurde auf Erden ein Symbol für die Erlösung der Menschheit.

- Aus der Sonne heraus (Out of the Sun; 1958): Eine Eruption wirbelt ein Wesen aus Gas und Elektrizität in den Weltraum hinaus.

- Der Kreis ohne Ende (Transcience; 1949): Der Mensch besiedelt die Erde, entwickelt sich - und muss seinen Heimatplaneten schließlich verlassen.

- Die Lieder der fernen Erde (Songs of Distant Earth; 1958): Die Ankunft irdischer Besucher bringt Aufregung in eine Kolonie, die den Kontakt zur Erde vor langer Zeit verloren hat.

Facetten der Zukunft

Arthur C. Clarke (1917-2007) zählt nicht einfach zu den Pionieren der Science Fiction, sondern auch zu ihren Wegbereitern. Er hat das Genre mitgeprägt, d. h. ihm Impulse gegeben, die zu fixen Bausteinen der SF und von den Schriftstellerkollegen immer wieder aufgegriffen wurden. „Die andere Seite des Himmels“ sammelt Storys aus Clarkes (relativ) frühen Jahren. Sie belegen einerseits seine Meisterschaft und andererseits seine Routine als Autor, der kurz und prägnant auf den Punkt kommen konnte - eine Tugend, die der alte Clarke leider vernachlässigte, weshalb seine Werke lang und länger, aber nicht inhaltsreicher wurden.

Diese Erzählungen zeigen Clarke, den ideenstarken Autor, der seine Einfälle in eindrucksvollen Worten umzusetzen wusste, ohne dabei seinen nüchternen Grundton zu verlieren. Gerade diese Sachlichkeit (und der weitgehende Verzicht auf angeblich ‚unverzichtbare‘ Liebesgeschichten) ließen diese Storys altern, ohne ihrem Unterhaltungswert allzu arg zuzusetzen. Stattdessen greift der Nostalgie-Faktor, wenn Clarke eine Zukunft beschreibt, in der es (abenteuerlicher) Alltag geworden ist, durch das Weltall zu reisen oder auf dem Mond bzw. fremden Planeten zu siedeln.

Vor allem jene Kurzgeschichten, die unter die Oberthemen „The Other Side of the Sky“ bzw. „Venture to the Moon fallen“ - sie sind in der Inhaltsangabe weiter oben durch einen (für „The Other Side …“) bzw. zwei Sterne (für „Venture …“) gekennzeichnet -, sorgen für eine gewisse Sehnsucht: So hätte es werden sollen - jedenfalls aus der Sicht technikbegeisterter Zeitgenossen, die sich mehrheitlich um die Schattenseiten der bemannten Raumfahrt keine Gedanken machten. Stattdessen schien alles möglich zu sein, was Zwischenfälle einschloss. Mut und Köpfchen - die Reihenfolge konnte wechseln - waren die Schlüssel zu Überleben und Erfolg. Besonders eindrucksvoll verdeutlicht Clarke dies in „Nimm einen tiefen Atemzug ...“, doch auch „Der gefiederte Freund“ oder „Robin Hood“ künden von Männern der (notfalls unkonventionellen) Tat.

Scheitern ist durchaus eine Option

Clarke feiert keineswegs die Perfektion. Der Mensch ist im Weltall eine gefährdete Spezies. Wer dies vergisst, kann schnell und auf bizarre zu Tode kommen („Die grünen Finger“). Zwischenfälle werden vom Verfasser allerdings gern auf humorvolle Weise überspitzt und damit entschärft („Sonderzuteilung“, „Ein Besucher zieht vorbei“).

Überhaupt ist Clarke bemüht, ‚trockene‘ Wissenschaft durch Witz attraktiver und zugänglicher zu gestalten. Das ist manchmal etwas (zu) bemüht („Nur eine Frage des Wohnortes“), oft recht bieder („Es gibt keinen vierten Morgen“, „Spionage der Zukunft“), aber in seiner Weitsichtigkeit (wohl zufällig) bemerkenswert („Der Reklametrick“). Vor allem ist Clarke bemüht, die durch die Weltraumfahrt zu erwartenden Veränderungen deutlich zu machen („Alles, was glänzt“), wobei er gern (und ein wenig pompös) die daraus resultierende Faszination heraufbeschwört („Freiheit des Weltraums“, „Der Ruf der Sterne“), aber auch den ‚Faktor Mensch‘ und dessen Schwächen thematisiert („Ein Besucher zieht vorbei“, „Unternehmen Luna“, „Der kosmische Casanova“).

SF-typischer Witz speist sich oft aus Naturwissenschaft und Technik. Wer sich hier nicht auskennt, kann leicht in Teufels Küche geraten („Die Invasion“, „Alle Zeit der Welt“). Ernsthaft wird Clarke, wenn er in „Die Lieder der fernen Erde“ auslotet, wie sich eine Menschheit entwickelt, deren ‚Bevölkerungen‘ durch gewaltige kosmische Entfernungen getrennt werden.

Clarke bricht in neue Sphären auf

Jenseits fauler bzw. von der Zeit eingeholter Scherze oder Visionen gelingen Clarke Erzählungen, die ihre Wirkung nicht eingebüßt haben. Schon „Alle Namen Gottes“ belegt, dass der Verfasser sich Gedanken darüber machte, wie oder ob sich Religion (oder Metaphysik) und Wissenschaft miteinander in Einklang bringen lassen. In „Der Stern“ gelang ihm die Synthese, indem oder obwohl Clarke das klassische christliche Weihnachtswunder als Relikt einer kosmischen Katastrophe und eines damit verbundenen Massensterbens schilderte.

„Der Wall der Finsternis“ ist eine Allegorie auf die menschliche, oft vergebliche Neugier. Für die Lösung eines Problems setzt der Protagonist sein Leben aufs Spiel. Systematisch und (im besten Sinn) rücksichtslos räumt er die dabei entstehenden Probleme aus dem Weg. Er triumphiert - und scheitert, denn die Naturgesetze der von Clarke inszenierten Welt gestatten keinen Durchbruch. Die Erkenntnis wird erreicht, aber sie ist nutzlos. Letztlich ‚siegt‘ die Natur, die der Mensch trotz aller Fortschritte nie wirklich beherrschen wird („Der Kreis ohne Ende“).

Generell bleibt der Kosmos ein Hort der Wunder. „Aus der Sonne heraus“ bricht ein Wesen, das die Definition von „Leben“ ad absurdum führt. Wiederum muss der Mensch erkennen, dass er nur Gast dort ist, wo weder Naturwissenschaft und Technik noch Religion die Realität erfassen. Für Clarke ist das eine Tatsache, die ihn eher fasziniert als in Furcht versetzt - eine Haltung, die er seinen Lesern spannend, ergreifend oder auch humorvoll begreiflich zu machen versteht.

Anmerkungen zur deutschen Ausgabe

Die Ausgabegeschichte von „Die andere Seite des Himmels“ ist hierzulande ein wenig verworren. Dass in der Erstauflage von 1961 die Storys „The Nine Billion Names of God“, „The Star“ und „This Earth of Majesty“/„Refugee” (von 1955) fehlten, war nicht ungewöhnlich: Für die SF-Romane und Sammelbände des Goldmann-Verlags galt eine Seitennormierung: Mehr als 192 Seiten waren nicht drin; waren die Originaltext länger, wurden sie gekürzt bzw. entfielen Kurzgeschichten aus Sammelbänden.

Außerdem wurde als Übersetzer Heinz Bingenheimer genannt. Tatsächlich übernahm Walter Ernsting die Eindeutschung - ein vielbeschäftigter Mann, der unter seinem (eigentlich allseits bekannten) ‚Pseudonym‘ „Clark Darlton“ zu den wichtigen deutschen SF-Autoren nach 1945 zählte (und u. a. die „Perry-Rhodan“-Serie mitschuf), aber ebenso rührig in seinem Bemühen war, die Science Fiction als ernstzunehmendes Genre in Deutschland zu etablieren.

Erstaunlicherweise wurden zwei der entfallenen Storys (als „Alle Namen Gottes“ bzw. „Der Stern“) in die Taschenbuch-Ausgabe von 1964 übernommen (und von Tony Westermayr übersetzt). Ein verkleinerter Schriftsatz glich diesen ‚Zuwachs‘ aus, doch für „This Earth of Majesty“/„Refugee“) blieb weiterhin kein Platz. (Selbstverständlich entfiel weiterhin ebenfalls die „bibliografischen Anmerkungen“ des Verfassers.)

Fazit:

In 23 meist kurzen Erzählungen aus den 1950er Jahren erzählt Autor Clarke von den Wundern und den Banalitäten des Kosmos‘. Einige Geschichten sind SF-Klassiker, weil sie eine weiterhin verständliche Botschaft transportieren, andere sind nostalgische Stippvisiten in eine hoffnungsvolle, inzwischen durch die Realität getilgte Zukunft. Auch über die auf den Schlussgag getrimmte Story ist Clarke nicht erhaben: dennoch eine weiterhin lesenswerte Sammlung.

Die andere Seite des Himmels

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