Die letzte Flamme

Erschienen: Januar 2007

Couch-Wertung:

75°
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Carsten Kuhr
Das Finale einer packenden Synthese aus Fantasy- und Abenteuerroman

Rezension von Carsten Kuhr Sep 2007

Was braucht man, um einen wirklich packenden Abenteuerroman zu schreiben?

Ein paar wilde Piraten, die ihr Herz auf dem rechten Fleck haben, sind mal zum Anfang nicht schlecht. Besetzte Königreiche, verräterische Adelige, wilde Nordmänner in Drachenbooten und gut befestigte Burgen kommen auch ganz gut.

Und was benötigt man um einen fesselnden Fantasyplot zu erzählen?

Feen, Trolle, Einhörner und Elfen dürfen ebenso wenig fehlen, wie eine böse Zauberin oder Drachen. Magische Waffen und Zauberei und natürlich ein junger, charismatischer Zauberer, der den Kampf gegen die übermächtigen Sendboten der dunklen Mächte aufnimmt.

Mischt man beide Rezepte, schüttelt gut durch - bitte nicht rühren, sonst verbinden sich die Ingredienzien nicht - und heraus kommen Thomas Finns »Chroniken der Nebelkriege«.

Was passiert nun in diesem die Trilogie abschließenden Band?

Die Nebelkönigin Morgoya schickt sich vom besetzten Albion aus an, das Festland anzugreifen. Was bislang undenkbar schien, wird zur Realität. Gargyle, Trolle, Frostriesen, Untote und das Urmonster Hammar überrennen Hammaburg und machen sich den Rhyn aufwärts zusammen mit den zwangsrekrutierten Truppen Albions auf, die stark befestigte Stadt Colona anzugreifen. Die Verteidiger haben den angreifenden Horden im Auftrag der dunklen Mächte wenig entgegenzusetzen. Nicht nur ihre zahlenmäßige Unterlegenheit, auch persönliche Geltungssucht und Kämpfe innerhalb der Magier schwächen ihre Reihen.

Auch der letzte Feuermagier, unser junger Held Kai, muss auf unliebsame Weise von der Uneinigkeit im eigenen Lager erfahren. Ausgerechnet der oberste Stadtmagister, der Leiter der Zauberuniversität von Halla, hintergeht ihn und legt ihm einen magischen Sklavenkragen an. Gut, dass er Freunde hat. Neben Fi, der Elfe, und dem Däumlingmagier Thadäus Eulertin eilen auch die Hexen unter der tatkräftigen Leitung der resoluten Amabilia zu seiner Rettung herbei.

Doch dann führt ihn sein Weg mitten hinein ins von Morgoya besetzte Albion. Es gilt gefangen gesetzte Klabauterer zu befreien, magische Hilfsmittel zu stehlen, die von den Drachen gehütete Flamme wieder zu entfachen und die Elfen zu retten - und das ist erst der Anfang für unser Kind des unendlichen Lichts, der zu allem Übel auch noch einen aufmüpfigen Poltergeist von dessen Fluch zu befreien sucht...

Die Mischung macht’s

Thomas Finn erfindet das Rad nicht neu. Wie ich zu Beginn dieser Besprechung ausgeführt habe, nutzt er geschickt Versatzstücke erfolgreicher Spannungsliteratur um daraus seine eigene Geschichte zu formen.

Die Queste des jungen, zu Beginn der Handlung unerfahrenen und verschüchterten Protagonisten, der im Verlauf der Bände Freunde und Verbündete um sich sammelt, seine magischen Fähigkeiten entwickelt und verloren geglaubte magische Hilfsmittel entdeckt, um im aussichtslosen Kampf gegen das übermächtige Böse anzutreten, ist bekannt.

Dass unser Held letztlich in einem packenden, dramatischen Finale obsiegen wird, ist von vorne herein klar. Die Frage ist eher, wie, auf welche Weise ihm das Kunststück gelingen wird, gegen alle Wahrscheinlichkeit die drohende Niederlage abzuwenden.

Humorvolle Passagen gepaart mit der atmosphärisch dichten Schilderung eines besetzten Landes

Thomas Finn gestaltet aus den bekannten Versatzstücken seine ganz eigene Saga. Mit viel augenzwinkernden Humor portraitiert er Unikate - die beiden Klabauterer Koggs und Bilger sind hier nur ein Beispiel unter Vielen - und bietet uns eine abwechslungsreiche, rasant aufgezogene Handlung.

Nach der Verschnaufpause in Band 2 geht es zum Finale noch einmal in die Vollen. Das Augenmerk fast gänzlich auf Kai gerichtet besticht dieser Roman insbesondere durch die düstere Atmosphäre, die Finn in Albion schildert. Die Verzweiflung der Bevölkerung, die Mutlosigkeit der geknechteten Elfen und die Brutalität der Folterknechte, sie sind regelrecht zu spüren und bewirken beim Lesen eine Gänsehaut.

Auch das schwere Erbe, das Kai als letzter Flammenmagier antritt und die Erwartungen, die mit dem geweissagten Retter an ihn herangetragen werden, belasten den jungen Mann. Da kommt es gut, dass quasi als Ausgleich zu all den Fährnissen das zarte Pflänzchen der Liebe zwischen Kai und der Elfin aufzublühen beginnt. Mit viel Einfühlungsvermögen hat Finn dies dargestellt, schildert oftmals zwischen den Zeilen den Zwang, den Kai angesichts der Prophezeiung spürt, wie er seinen Mut ein ums andere Mal zusammennehmen muss, und letztlich nur siegen kann, indem er etwas Wichtiges opfert.

Die Nebelkrieg-Trilogie bietet sicherlich Fantasy mit Wiedererkennungsfaktor, ist aber sprachlich solide und inhaltlich immer wieder so überraschend ausgearbeitet, dass nie Langeweile aufkommt und der Leser - egal ob jung oder alt - tief in die Finnsche Welt eintaucht und die Wirklichkeit um ihn herum vergisst.

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