Sturm über roten Wassern (Locke Lamora 2)

Erschienen: Januar 2008

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Carsten Kuhr
Oceans Locke - oder der Coup im Fantasy Las Vegas

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Dez 2007

Locke Lamora ist wieder da. Zusammen mit seinem Freund und Partner Jean hat er Camorr verlassen und sich, angeschlagen und Blut leckend ein neues Ziel für seine gigantischen Gaunereien gesucht. In der Küstenstadt Tal Verrar ist er fündig geworden. Im Sündenturm, schlichtweg dem luxuriösesten und angesagtesten Kasino der Stadt, residiert der Herr der Unterwelt, Requin. In dessen Tresor, der nicht zu knacken ist, lagern nicht nur die Schätze des Paten selbst, sondern auch der halbe Geldadel der Stadt hat seine Preziosen und Goldtaler vor den gierigen Augen der Obrigkeit und ihrer Steuerschätzer hier in Sicherheit gebracht. Mit enormem finanziellen Aufwand haben Locke und sein Partner es geschafft in nur zwei Jahren die Etagen des Turmes zu erklimmen, und in immer exklusivere Glücksspielsäle Einzug zu finden.

Jetzt, kurz vor Vollendung ihres durchtriebenen Planes, den Herren über den grössten Geldschrank der Stadt um sein Vermögen zu erleichtern, tauchen unerwartete Probleme auf. Mordanschläge werden auf sie verübt, der Autarch der Stadt, der für deren Sicherheit zuständig ist, stellt ihnen nach - und, was eigentlich unvorstellbar erscheint, legt unsere beiden Gentlemen-Gauner herein. Um sich die bedingungslose Unterstützung unserer beiden Meisterdiebe zu sichern, verabreicht er beiden, geschickt im Glas eines edlen Tropfens verpackt, ein tödliches Gift. Nur wenn sie alle zwei Monate das Gegengift erhalten, bleiben sie am Leben - und nun raten sie einmal, wer als Einziger die Zusammensetzung des Antidots kennt? Dabei will er eigentlich nichts wirklich Unerreichbares von unseren beiden mehr als unwilligen Agenten. Sie sollen nur dafür sorgen, dass er sich zum allmächtigen Despoten der Stadt aufschwingen kann. Um dieses hehre Ziel zu erreichen, benötigt der Autarch eine Ablenkung, eine grosse, nein eine ultimative Bedrohung für die Stadt und deren Honoratioren. Der Angriff einer Piratenflotte käme da gerade recht, und so durchlaufen unsere beiden Hochstapler einen Schnellkurs, der sie befähigen soll, so zu tun, als ob sie ein Schiff auch bei schwerem Wetter befehligen können. Dass allerdings ihr nautisch erfahrener Ratgeber mitten im Sturm von einem Herzanfall dahingerafft wird, dass ihr Schiff von einem echten Piraten aufgebracht und geentert wird, das stand so nicht im Drehbuch. Doch wer nun glaubt, dass sich unsere beiden Schlitzohren nicht auch in dieser Lage zu helfen wüssten, der sieht sich eines besseren belehrt ...

Anker auf, macht Leinen los, setzt Segel - auf ins zweite Abenteuer des Locke Lamora

Die Abenteuer des Locke Lamora, das ist reinstes Abenteuergarn, rasant geschrieben, voller unerwarteter Wendungen mit echten Helden, fiesen Bösewichtern und jeder Menge faszinierender Frauen. Ganz im Stil der besten Mantel- und Degenfilme kombiniert mit den roten Kosaren geht es dieses Mal unter Segeln hinein ins neue Abenteuer.

Scott Lynch hat in seinem Debutroman die Latte hochgelegt. Mit glaubwürdigen, weil vielschichtigen Personen, einer allzeit spannenden Handlung voller unerwarteter Wendungen und einem irrsinnigen Tempo hat der den phantastischen Abenteuerroman neu erfunden. Um so gespannter war ich darauf, wie er sich nun im zweiten Band schlagen würde.

Die Anlage des Werkes ist anders als im Auftaktband der Reihe. Locke Lamora, der jugendliche Draufgänger voller Elan und Esprit, der selbstbewusst in den Tag hineinlebt, ist nicht mehr. Die herben Verluste an Freunden und Verbündeten, die Verletzungen, äußerlich wie innerlich, haben ihn reifen lassen, ja geprägt. Nach wie vor kann er sich an einem sorgfältig ausgeklügelten Coup begeistern, setzt er voller Hingabe zu einem Täuschungsmanöver an, doch die jugendliche Unbekümmertheit, sie ist dahin. Das ist in seiner hintergründigen Ausarbeitung glaubhaft und trägt ein gerüttelt Maß zur Überzeugungskraft des Bandes bei.

Natürlich haben sich unsere beiden so ungleichen Freunde wieder ein mehr als würdiges Opfer für ihre Gaunereien ausgesucht. Nie sind es die Habenichtse, die einfachen Bürger, die das Interesse unseres Meisterdiebes erwecken, immer sind es die Reichen und Mächtigen, die sich auf Kosten ihrer Mitmenschen bereichern - Robin Hood lässt grüßen -, ausgeraubt und auf ein kleineres Maß zurückgestutzt werden sollen. Dass dabei so manches Mal etwas schief geht, dass unser Protagonist weitere tragische Verluste hinnehmen muss, dass er Niederlagen einstecken und seinen Stolz herunterzuschlucken gezwungen ist, ähnelt zwar dem Aufzug des ersten Bandes gar sehr, macht aber die Figur gleichzeitig sympathischer und glaubwürdiger.

Natürlich wuchert der Autor mit dem gegenwärtig angesichts des Erfolgs der ";Fluch der Karibik"-Filme so angesagten Pfund der Windjammerromantik. Die edlen Piraten, die voller Wagemut und Können den vollgefressenen Pfeffersäcken zeigen, was eine Harke ist, das ist eine bekannt beliebte Thematik.

Dennoch, bei aller Faszination, die von dem Wind und Wellen, von Segel und dem Heimathafen der Freibeutern ausgeht, bleibt das Auge des Autors doch im Wesentlichen auf den Figuren. Immer wieder gelingt es Lynch mit leichter Feder scheinbar aus dem Handgelenk Schicksale zu schildern, die anrühren, die betroffen machen und seine Personen vor diesem Hintergrund glaubhaft agieren zu lassen.

Spannend und kurzweilig geht es zu, wobei auch nicht zu übersehen ist, dass sich der Autor gerade in der ersten Hälfte des Werkes ein wenig verzettelt hat. Zu umständlich baut er hier die Handlungsebenen auf, ein paar unnötige Exkurse und Längen weist der Text hier wie auch in den Piratenkapiteln auf. Dennoch packt den Leser das Abenteuer wieder am Schopfe, reißt ihn förmlich hinein in eine Welt, in der die übernatürlichen Sequenzen eher stiefmütterlich gestreift werden, eine Welt die Licht und Schatten kennt, und einen Helden, der keiner ist - Locke Lamora.

 

Sturm über roten Wassern (Locke Lamora 2)

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