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Michael Drewniok
Sechs eher sarkastische Blicke auf zukünftige Welten

Buch-Rezension von Michael Drewniok Mär 2020

- Invasion vom Sirius (The Abominable Earthman; 1961), S. 7-36: US-Regierung und Militär krümmen sich in Erinnerung an die Tatsache, dass die Menschheit den Sieg über die Invasoren vom Sirius ausgerechnet dem arbeitsscheuen, kriminellen und verräterischen Pinky Postal verdankt.

- Wir sprechen nie von Tante Nora (We Never Mention Aunt Nora; 1958), S. 37-49: Hätten sie es getan, wäre Nichte Marylin nicht auf denselben Bräutigam hereingefallen, der ihr neun Monate nach seinem spurlosen Verschwinden ebenfalls ein sicherlich nicht menschliches ‚Baby‘ hinterlässt.

- Anderthalb Leben (A Life and a Half; 1959), S. 50-56: Die überbevölkerte Erde hungert und darbt, weil einst ein Menschenfreund dem einzigen Mann, der dafür eine Lösung wusste, mit den Freuden des (weiblichen) Fleisches bekanntmachte.

- Kasper (Punch; 1961), S. 57-61: Die freundlichen Außerirdischen überraschen ihre menschlichen Gastgeber gern mit lukrativen Informationen, denen sie jetzt einen echten Knalleffekt folgen lassen; auch sie sind Fürsprecher jener Weisheit, nach der nichts auf dieser Welt umsonst ist.

- Was zählt (Whatever Counts; 1959), S. 62-142: Eine Gruppe menschlicher Kolonisten gerät in die Gewalt gnadenloser, ihnen hoffnungslos überlegener Fremdwesen. Anscheinend arbeitet ein Mitglied der Gruppe mit den Feinden zusammen, aber tatsächlich verwirklicht es einen ebenso verzweifelten wie genialen Befreiungsplan.

- Drei Porträts und ein Gebet (Three Portraits and a Prayer; 1962), S. 143-160: Mit letzter Kraft hilft ein totkranker Wissenschaftler einem Geschäftsmann, und mit allerletzter Kraft stellt er sich diesem in den Weg, als er sich zum Herrn der Welt aufschwingen will.

Warum wohnt niemand auf dem Mond?

Ein Dreivierteljahrhundert konnte Frederik Pohl (1919-2013) dank seiner nie nachlassenden Liebe zur Science Fiction und eines bis zuletzt scharfen Verstandes das Genre mit Romanen und Kurzgeschichten bereichern, von denen eine beachtliche Anzahl zu den Klassikern gezählt wird. „Invasion vom Sirius“, die hier vorgestellte Sammlung, kann mit solchen Meisterwerken nicht punkten, belegt aber dennoch den Status dieses Verfassers, der schon in seinen frühen Werken gern wider den Stachel allzu optimistisch-naiver Zukunftsvisionäre löckte.

Während diese Storys erschienen, starteten in den USA und in der Sowjetunion unentwegt Raketen, die zunächst Maschinen, dann Kleintiere und schließlich Menschen zumindest ins erdnahe All beförderten. Präsident John F. Kennedy hatte angekündigt, dass die USA vor 1970 Menschen auf den Mond bringen würden; es wurde zwar knapp, aber bekanntlich klappte es. Die Zukunft schien im All zu liegen, wo profitable oder wenigstens (wissenschaftlich) interessante Ziele warteten. Mit Fleiß und Einfallsreichtum würde man sie = alles erreichen!

Dass es so einfach nicht funktionieren konnte, war schon vielen Zeitgenossen klar. Sie wurden als Defätisten und Spielverderber beschimpft, bis sich ihr Pessimismus bzw. Realismus zu bewahrheiten begann. Mit der Mondlandung ging der bemannten Weltraumfahrt weitgehend die Luft aus. Weder setzten Menschen bisher ihre Füße auf den Mars, und selbst auf so erdnahen dem Mond ist keine Basis oder gar Kolonie entstanden. Schnöder Geldmangel mag das Primärproblem sein, doch selbst eine Realisierung der hochfahrenden Pläne hätte nach Pohl an bekannten Schwierigkeiten scheitern können.

Der Faktor Mensch als Schwachpunkt des Fortschritts

Die Titelgeschichte geht das Thema humoristisch an, obwohl Pohl gleichzeitig ein spannendes Invasionsgarn spinnt sowie den scheinbaren Klamauk sarkastisch verbrämt: Während die üblichen Granitkinn-Haudrauf-Helden grimmig entschlossen (aber vergeblich) gegen die überlegenen ETs vorgehen, ist es der (vom Verfasser sorgfältig so gezeichnete) Verlierer, Verräter und Strolch „Pinky“ Postal, der völlig ungeplant die Achillesferse der Besatzer entdeckt. Anders als die Marsianer in H. G. Wells‘ „Krieg der Welten“ erliegen sie keinen unbekannten Erd-Bakterien, sondern werden Opfer eigener (niederer) Triebe, denen sie ebenso ausgeliefert sind wie Pinky Postal, der die Außerirdischen - diese Wendung ist wichtig - begleitet, als sie von der Erde flüchten: Mit seinem Wissen um die Schwächen der Eroberer wird Pinky unter ihnen ein angenehmeres Leben als auf der Erde führen, obwohl man ihn dort als Helden feiert - eine Stellung, die er weder anstrebt und der er nicht gewachsen ist.

Sarkasmus oder wenigstens Ironie ist für Pohl ein gern eingesetztes Stilmittel, das er gut beherrscht. Überhaupt stehen seine Storys mehrheitlich deutlich über denen der meisten SF-Zeitgenossen. Auch Pohl schrieb für Geld und deshalb schnell, weshalb er nur selten wirklich neue Ideen entwickelte und vieles inzwischen altmodisch wirkt; dass beispielsweise Pinky schlicht ein geiler Bock ist, musste 1961 kaschiert und um-, aber allgemein verständlich ‚umschrieben‘ werden. Wichtiger ist, was Pohl aus bekannten Plots zu machen verstand, und wie wenige Worte er benötigte, um seinen Lesern verblüffende Schlüsse zu präsentieren. Auch in der Zukunft stellt das Schicksal dem Menschen bekannte Fußangeln, in die er hineintappt, weil er emotional dem technischen Fortschritt hinterherhinkt. Falsche Scham („Wir sprechen nie von Tante Nora“), Gier („Kasper“) oder kapitale Entscheidungsfehler („Anderthalb Leben“) sorgen für Fehlschläge und Irrtümer, die Pohl - s. o. - hinauszögert, bis im und als Finale echte Überraschungen folgen.

Manchmal lassen sich Schwächen ausgleichen. In „Drei Porträts und ein Gebet“ kehrt Pohl die Voraussetzung um: Der böse Möchtegern-Diktator wird von jemandem ausgespielt, der weiß, wie der Gegner ‚tickt‘, und dieses Wissen einsetzt, um ihn so auszumanövrieren. Noch intensiver beschreibt Pohl in „Was zählt“ das Duell zwischen (einem) Menschen und körperlich wie geistig überlegenden Außerirdischen. Die Spannung wird gesteigert, weil die übrigen Menschen der gefangenen Gruppe nicht wissen dürfen, was Dr. Brabant plant: Sie könnten sich unfreiwillig verraten. Dieses Zweifronten-‚Spiel‘ - seine Gefährten betrachten Brabant als Kollaborateur der Aliens und wollen ihn umbringen - läuft lange auch ohne Wissen des Lesers ab, Einmal mehr ist die Verblüffung groß, als Pohl den Plot-Knoten dramatisch schürzt; man verzeiht ihm, dass er in dieser zu lang geratenen Story - eigentlich ein Kurzroman - mehrfach auf Nebenschauplätze ausweicht, die für die Handlung letztlich irrelevant sind. Stattdessen wächst die Neugier, es mit einem Roman dieses Autors zu versuchen!

Anmerkung: Um die verlagsübliche Seitennormierung auf 160 Seiten nicht zu überschreiten, wurde die in der US-Ausgabe enthaltene Story „The Martian Star-Gazers“ (1963) nicht übersetzt und aufgenommen.

Fazit:

Nicht zukünftige Supertechnik, sondern der weiterhin unvollkommene Mensch steht im Mittelpunkt dieser Geschichten. Genretypische Ideen werden gegen den Strich gebürstet; meist gelingt dem Verfasser sogar das Kunststück des schwierigen Aha!-Effekts in der letzten Zeile: nicht die besten Storys von Frederik Pohl, aber typisch für einen Autor, der selbst Routine-SF zu veredeln weiß.

Invasion vom Sirius

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