Vampire schlafen fest

  • dtv
  • Erschienen: Januar 2008
Vampire schlafen fest
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Carsten Kuhr
50°

Phantastik-Couch Rezension von Carsten Kuhr Mär 2008

Aufbruch in die Welt der Schönen und Reichen

Sookie Stockhouse hat in ihrem Leben ja schon viel erreicht und auch so einiges gesehen. Doch groß aus Bon Temps, Louisiana ist unsere gedankenlesende Kellnerin bislang zumindest nicht herausgekommen. Das ändert sich nun, doch - wie bei Sookie auch nicht anders zu erwarten - steht beileibe keine Vergnügungs- und Erholungsreise an.

Die Königin der Vampire von Louisiana hat sie dienstverpflichtet. In der Nähe von Chicago treffen sich in einem den Blutsaugern vorbehaltenen Nobelhotel die Herrscher der Bluttrinker, um zu Gericht zu sitzen. Neben alltäglichen Auseinandersetzungen steht diesmal ein ganz besonderer Prozess an: Sophie-Anne Leclerq soll wegen Mordes an ihrem Gatten, dem König von Arkansas, zu Gericht gesessen werden, und es sieht nicht gut aus für die Herrscherin aus dem vom Hurrikan Kathrina heimgesuchten Bundesstaat.

Kann es noch schlimmer kommen? Es kann, denn neben ihrem momentanen Lover, dem Gestaltwandler Quinn, gehören auch ihre Ex-Geliebten Bill und Eric zur Delegation. Damit nicht genug, bedroht auch noch ein Anschlag militanter Vampir-Hasser die Konferenz - und wieder einmal ist es an Sookie, das Schlimmste zu verhindern ...

Wer steckt hinter der Verschwörung?

Im nunmehr siebten Sookie Stockhouse Roman bricht unsere Kellnerin auf in die große weite Welt. Standen die bisherigen Romane ganz im Zeichen der glaubwürdigen Darstellung des ein wenig hinterweltlichen Lebens im dörflichen Louisiana, versucht die Autorin dieses Mal ihre Handlung auf eine größere Bühne zu stellen.

Ich muss zugeben, dass ich diesem Vorhaben ein wenig skeptisch gegenüberstand. Gerade die so glaubwürdige Zeichnung der ein wenig hinterwäldlerischen Rednecks mit ihrer Verwurzelung im christlich geprägtem Bible-Belt und ihrer dickköpfigen Halsstarrigkeit hat den bisherigen Romanen ihren besonderen Reiz gegeben. Nun also die Welt der Schönen und Reichen - eine Welt, in die die bodenständige Sookie so überhaupt nicht hineinpassen will. Und wirklich bewegt Sookie sich zunächst wie ein Fremdkörper in der für sie fremden, glamourösen Welt.

Nur zu bald aber haben sie ihre Sorgen auch hier eingeholt. Die Männer werden einmal ihr Untergang sein. Natürlich hat sie da selbst Schuld, wenn sie sich immer die Alpha-Tierchen als Partner aussucht. Und diese revierbewussten Machos lassen nicht locker. Hin und hergerissen zwischen der Zuneigung zu den so unterschiedlichen Galanen muss sie sich eines feisten Anschlags erwehren. Hier vermischt Harris geschickt ihre Urban-Fantasy-Elemente mit Thriller und Krimitopics. Die Suche nach den Verschwörern, die Jagd nach Mördern und den eingeschleusten Attentätern nimmt einen breiten Raum ein. Dabei bleiben die übernatürlichen Sequenzen eher im Hintergrund. Das nimmt der Handlung auf den ersten Blick viel von ihrer Faszination, fällt später aber kaum mehr auf. Zu rasant überstürzen sich die Ereignisse, rätselt man mit, wer hinter der Verschwörung steckt.

Leser, die neu zur Serie stoßen, werden allerdings ihre Probleme haben, die Hintergründe zu verstehen. Zu sehr hat sich Harris´ Welt verselbständigt, zu sehr spielen die bisherigen Ereignisse in die laufende Handlung hinein.

Das ist in seiner Ausgestaltung spannend und kurzweilig, dennoch habe ich etwas vermisst.
Sei es, dass die in den vorhergehenden Bänden so im Zentrum stehenden Besonderheiten der Gestaltwandler, Elfen und Vampire diesmal doch arg in den Hintergrund rutschen, sei es, dass Sookie in dieser Umgebung nicht ganz so glaubhaft rüberkommt, es fehlt ein wenig die Mühelosigkeit, mit der es Harris gelang. uns ihre Welt bislang glaubwürdig zu machen. Die große Welt der politisch motivierten Intrige, der Machtkämpfe und des Taktierens, sie passen nicht zu unserer Kellnerin. Man merkt ihr und der Autorin an, dass sie aufs Land gehören und die glamouröse Metropole nicht ihr Revier ist. Da hilft es auch nicht, wenn die amourösen Beschreibungen immer deutlicher werden, da fehlt es an der Spritzigkeit der Handlung per se.

Hätte Harris nicht solch mitreißende Sookie-Romane vorgelegt, vorliegendes Werk würde es in meinen Augen sicherlich einfacher haben. So aber attestiere ich dem Text Spannung und Kurzweil, kann aber nicht verhehlen, dass mir die früheren Bände der Serie besser gemundet haben.

Vampire schlafen fest

Charlaine Harris, dtv

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