Ringwelt

  • Bastei-Lübbe
  • Erschienen: Januar 1972
Ringwelt
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Frank A. Dudley
40°

Phantastik-Couch Rezension vonApr 2006

Zu viel Technik ist schlecht für den Charakter

Was macht ein Buch zum Klassiker? Anerkanntermaßen die harmonische und vollendete Vereinigung genretypischer Merkmale, die auch nach langer Zeit noch Strahlkraft besitzen. Sind sich Kritiker und Leser darüber einig, kann ein Werk wegen seiner überragenden Bedeutung sogar Kultstatus erlangen. Larry Nivens ";Ringwelt"; wird seit seinem Erscheinen 1970 als Kult-Klassiker gehandelt, wird aber den Ansprüchen an stimulierende Science Fiction-Unterhaltung nicht wirklich gerecht.

Dabei ist die Besetzungsliste vielversprechend: Louis Wu ist ein 200jähriger Mensch, den in seiner Übersättigung nur noch das Extreme reizen kann, Nessus ist ein dreihufiger und zweiköpiger Puppetier, feige und manisch-depressiv, Kzin ist ein 2,50 Meter großes Raubkatzenwesen mit hohem Aggressionspotenzial, und Teela ist eine junge unerfahrene Frau mit einer erblichen Glückssträhne. Der Puppetier Nessus rekrutiert alle für eine geheimnisvolle Expedition in die Tiefen Alls, deren Ziel er nicht nennt. Lediglich seine Motivation teilt er der illustren Crew mit: Sein verschollenes Volk flieht bereits seit Jahrhunderten vor einer tödlichen Strahlungsfront, die nach einer Kettenreaktion von Supernovae am weit entfernten Rand der Galaxis entstand. Nessus wurde vom obersten Puppetier, dem sogenannten Hintersten, für die Expedition ausgewählt, weil er nicht ganz so feige ist, wie der Rest seiner Art. Mit einem quasi unzerstörbaren Raumschiff, dessen Antrieb Über-Lichtgeschwindigkeit ermöglicht, brechen sie auf.

Nach einem Zwischenstopp auf einem Puppetier-Planeten erreichen sie ihr Ziel, die – Ringwelt. Mit einem gigantischen Durchmesser von einer Million Meilen (fast viermal die Strecke Erde-Mond) beherbergt sie unvorstellbar große Kontinente, Ozeane, in die ein ganzer Planet passen würde und einen Berg so groß wie die Erde. Scheinbar ist diese Kunst-Welt jedoch verlassen, auf Signale antwortet niemand. Was jedoch noch funktioniert, ist die Meteoriten-Abwehr: sie erfasst das Raumschiff und bringt es zum Absturz. Die unverletzten Abenteurer beginnen mit der Erkundung des Artefakts und stoßen dabei auf eine in die Eisenzeit zurückgesunkene menschliche Kultur.

Kult, aber kein Klassiker

Der Unterhaltungswert von ";Ringwelt"; beginnt an dem Punkt extrem stark zu sinken, an dem er eigentlich deutlich ansteigen sollte: Mit der Entdeckung des künstlichen Ringplaneten. Dieser Übergang macht deutlich, dass Niven sich zu sehr auf die technologischen und physikalischen Aspekte seiner zweifellos guten Idee konzentriert hat. Setting wird hier mit Plot gleichgesetzt, doch weil die Ringwelt-Menschen mit Schwertern kämpfen und sich Niven beharrlich über die Erschaffer der überdimensionalen Raumstation ausschweigt, funktioniert die Gleichung "beeindruckende Technik = gute Geschichte"; noch viel weniger als sonst.

Neben den recht flach modellierten Persönlichkeiten der Hauptfiguren fällt eines ganz besonders auf: Das Fehlen jeglicher Spannung. Etwas, das Leser mitunter von einer guten Geschichte erwarten. Niven nutzt hauptsächlich konstruierte Zufälle oder das genetische Glück von Teela, um die Handlung voranzutreiben. Doch weil ";Ringwelt" als ernstzunehmende Science Fiction ausgewiesen ist, muten diese erzählerischen Tricks  an wie misslungene parodistische Elemente  oder völlig fehlplatzierte maskierte Fantasy-Magie.

Die Ringwelt-Idee an sich ist faszinierend, eine Faszination, die auch nach mehr als einem Vierteljahrhundert noch strahlt. Doch wie Charles Stross hat Niven 90 Prozent seiner Energie in die Erläuterung verschiedener physikalischer Prinzipien gesteckt und nur zehn Prozent in die Entwicklung einer ebenso faszinierenden Rahmenhandlung. Und das sollte ein echter Klassiker eigentlich liefern.

Ringwelt

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