Dschinnland

Erschienen: Januar 2008

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Frank A. Dudley
Wie Aladdin auf Speed

Buch-Rezension von Frank A. Dudley Jul 2008

Die Seidenstraße mag die exotische Verbindung zu seiner letzten Trilogie um das Wolkenvolk sein, die in China spielt (wenn auch Jahrhunderte später). Kai Meyer entführt seine Leser erneut auf eine fantastische Reise, diesmal jedoch in orientalische Gefilde: Samarkand zur Zeit der abassidischen Herrschaft ist der Ausgangspunkt von Dschinnland.

Und wie der Titel schon recht deutlich mitteilt, geht es um morgenländische Magie. Neben Dschinns, die hier übrigens nicht in Flaschen oder Lampen hausen und schon gar keine Wünsche erfüllen, bringt Meyer das neben Kamelen wichtigste Fortbewegungsmittel aus 1001 Nacht zum Einsatz: fliegende Teppiche. Und zwar auf eine hochdynamische Weise, die an die Mutter aller Verfolgungsjagden aus dem Film Bullitt erinnert und gleichzeitig an den Podrace aus Star Wars‘ Episode I.

Samarkands bester Teppichreiter Tarik verdient seinen Lebensunterhalt als Schmuggler und mit Teppichrennen. Beides einigermaßen einträgliche, wenn auch illegale Jobs. Was Tarik sucht, ist der stete Nervenkitzel, mit dem er neben starkem Alkoholkonsum versucht, den Verlust seiner Freundin Maryam zu kompensieren. Sie kam bei einer gemeinsamen Schmuggeltour nach Bagdad ums Leben, als sie an Dschinns geriet. Auch Tariks Bruder Junis war in Maryam verliebt, nun gibt er ihm die Schuld an ihrem Tod.

Die immer selteneren Schmuggeltouren durch die Wüste sind von außergewöhnlichen Gefahren begleitet, denn Samarkand ist von wilder Magie regelrecht eingekesselt. Seitdem diese vor rund fünfzig Jahren ausbrach, beherrschen Dschinnhorden und andere Monster die Karakum-Wüste. Ihr Anführer ist der Narbennarr, ein mächtiger und furchteinflößender Zauberer.

Noch mehr Ungemach in Tariks und Junis‘ Leben bringt die überaus attraktive Sabatea, entflohene Vorkosterin des Kalifen von Samarkand. Um an ihr Ziel Bagdad zu gelangen, verführt sie nacheinander die beiden Brüder. Während Tarik ablehnt, willigt Junis ein, sie auf einem Teppich in die Hauptstadt des Reiches zu bringen. Doch Tarik folgt ihnen in die Wüste, wo der Narbennarr schon seine Dschinngeschwader in Stellung gebracht hat.

Meyer, der Magier

Magisch, mythisch, meisterhaft: Kai Meyer wächst mit jedem seiner Bücher. Von der All-Age-Ausrichtung seiner letzten Fantasyromane schwenkt er mühelos zu einem erwachseneren Genreansatz mit gebrochenen Helden, die ihren Kummer im Alkohol ertränken, sinnlichen Sexszenen (auf dem Teppich!) und Frankenstein´schen Horrorgestalten. Auch seine Dschinns, durch Disney und Co. eher verniedlicht worden, sind eklige Monster.

Spannend und beinahe atemlos ist der Einstieg, die Beschreibung des turbulenten Teppichrennens in den engen Gassen Samarkands ist Kopfkino par excellence. Mit wenigen Pinselstrichen malt Meyer ein prächtiges und fantasievolles Bild des Orients, baut glaubwürdige sowie vielschichtige Charaktere auf und entfaltet eine fesselnde Geschichte für die 1002. Nacht, die nicht einmal durchhängt: Aladdin auf Speed.

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