Das Siegel des Todes

  • Heyne
  • Erschienen: Januar 2008
Das Siegel des Todes
Das Siegel des Todes
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Carsten Kuhr
70°

Phantastik-Couch Rezension von Carsten Kuhr Jul 2008

Neues aus dem aufgetauchten Land - oder Fantasy von jenseits der Alpen

Das Aufgetauchte Land findet keine Ruhe. Nihal und Sennar haben die acht Reiche vor Aster dem Tyrannen gerettet, doch an machtgierigen Despoten und verräterischen Adeligen besteht auch nach dessen Tod kein Mangel. Die skrupellosen Männer auf dem Weg an die Macht nutzen die Assasssinnen-Gilde für ihre Zwecke. Unliebsame Gegner, verhasste Konkurrenten, rechtmäßige Herrscher, sie alle fallen den Künsten der leisen Mörder zum Opfer.

Mittlerweile hat die Gilde eine Machtposition erklommen, die sie selbst zum Machtfaktor erhebt. Zu viele Geheimnisse sind ihr bekannt, zu viele der Mächtigen der Welt ihnen verpflichtet. So kommen die Anführer der Assassinnen der Erfüllung ihres Planes, Aster von den Toten auferstehen zu lassen, immer näher. Das verschollene Zauberbuch, in dem der schwarzmagischen Spruch zur Erweckung niedergeschrieben steht, haben sie bereits erhalten, nur ein geeignetes Gefäß, ein Körper fehlt ihnen noch.

Möglichst ähnlich dem ursprünglichen Behältnis der Seele soll er sein. In dem Enkel Sennars, einem zwölfjährigem Halbelfen scheinen sie das Gesuchte zu finden. Ein paar ausgebildeter Meuchler werden ausgesandt, den Jungen herbeizuschaffen - koste es, was es wolle. Die Eltern des Jungen werden getötet, der Knabe verschleppt. Doch Rettung naht. Ido, der Zwerg hat sich aufgemacht, den Enkel seiner verstorbenen Freundin Nihal mit seinem Leben zu schützen.

Währenddessen begeben sich die Diebin und Mörderin Dubne und der sie begleitende Magier Lonerin in die jenseitige Welt. Unbekanntes Terrain gilt es zu bezwingen, mannigfaltige Gefahren zu überstehen auf ihrer Suche nach dem verschollenen Sennar. Verfolgt von drei Assassinnen machen sie sich auf die gefährliche Expedition ins Unbekannte, in der Hoffnung, dass der legendäre Magier die Wiederkunft des Tyrannen zu verhindern weiß. Nach unzähligen Gefahren, nach Mühsal und Todesangst stoßen sie tatsächlich auf den gepriesenen Magier - allerdings entpuppt Sennar sich als gebrochener, verbitterter Mann, der einen Großteil seiner magischen Fähigkeiten eingebüßt hat ....

Bubblegum-Fantasy mit ein paar herzergreifenden Szenen

Licia Troisi sorgte mit ihrer ";Drachenkämpferin"-Saga für Furore. Die High-Fantasy-Trilogie um die junge, charismatische Heldin und ihren Traum, auf dem Rücken der Drachen für die Freiheit ihrer Heimat zu kämpfen, eroberte die Herzen der meist jugendlichen Leser. Nun also folgt die Fortsetzung. Und Troisi bleibt sich selbst treu. Warum auch ein erfolgreiches Rezept durch allzu große Neuerungen gefährden?

Im Mittelpunkt der Handlung steht erneut ein junges, vom Schicksal gebeuteltes Mädchen. Mit viel Einfühlungsvermögen und von der Atmosphäre her deutlich dunkler als in ihrer ersten Trilogie berichtet uns die Autorin von den Schicksalsschlägen, die auf Dubhe hernieder prasseln. Immer, wenn diese einmal denkt, Ruhe und Sicherheit in ihrem Leben gefunden zu haben, ein wenig durchschnaufen zu können, bricht Gewalt und Verlust mitleidlos in das vermeintliche Idyll.

Dabei kokettiert die Autorin durchaus mit der Faszination, die mit Gewalt und Tod, mit Mord und Verrat einhergeht. Selten reflektiert die Protagonistin über die moralische Seite ihrer Taten, ist von ihrer Macht über Leben und Tod durchaus fasziniert. Gleichzeitig aber lehnt sie eben diese Macht ab, sehnt sich nach Geborgenheit und Frieden. Dieser Zwiespalt wurde gut nachvollziehbar herausgearbeitet.

Inhaltlich bietet die Trilogie wenig Überraschendes. Es geht einmal mehr um den Kampf der wenigen Guten gegen die machtvollen Bösen. Die Rollen sind klar verteilt, die Unterdogs und ihre Probleme entsprechen dem Gewohnten. Bubblegum-Fantasy, so könnte man diesen Roman dann auch überschreiben, Fantasy mit Wiedererkennungswert, der sich aber flüssig und spannend liest.

Der Schwerpunkt des Romans, wie bislang aller Werke der Autorin, die uns Heyne präsentiert hat, liegt sicherlich in der Zeichnung ihrer weiblichen Hauptpersonen. Hier gelingt es der Autorin, ihre Konkurrenten hinter sich zu lassen, den Leser für die jeweilige Protagonistin einzunehmen, deren Motivation, ihre Entwicklung im Verlauf der Handlung klar und überzeugend herauszuarbeiten. Verbunden mit einer spannenden Handlung, die vom Leser nicht allzu große Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, erfordert, macht den Erfolg der Titel aus.

Ungleich vielen anderen Autoren gelingt es Luici Troisi in ihrem Mittelband der Trilogie ihre Handlung spannend und kurzweilig fortzuführen. Sie weitet das Panorama ihrer Welt aus, sucht und findet neue Orte. Allerdings bleiben diese in ihrer Ausgestaltung doch reichlich nebulös. Der übliche wilde Dschungel, das hohe unwirtliche Gebirge oder ein weitverzweigtes Höhlensystem, das sind nicht eben Beschreibungen, die den Leser sonderlich in ihren Bann ziehen.

Dennoch hat der Roman seine Stärken. In kurzen Kapiteln über ein, zwei Seiten nimmt uns die Autoren wirklich gefangen. Immer dann, wenn sie von Verlust berichtet, sei es der Tod von Idos Drachen oder das Opfer Nihals, um Sennar zu schützen, gelingt es der Autorin, den Leser innerlich zu berühren. Mit viel Gefühl und Einfühlungsvermögen schildert sie die Schicksalsschläge nachvollziehbar und glaubhaft. Auch dass sie es wagt, Sennar als gebrochenen Alten zu zeichnen und Ido als verbitterten Dickkopf darzustellen, ist mutig und würzt ihr Fantasy-Allerlei. Ohne diese Szenen läge ein zwar spannender, aber austauschbarer Plot vor, so gelingt es der Autorin - vereinzelt zwar, aber dennoch - den Leser wirklich in ihre Handlung hineinzuziehen.

Das Siegel des Todes

Licia Troisi, Heyne

Das Siegel des Todes

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