Die Kinder der fünften Sonne

Erschienen: Januar 2005

Couch-Wertung:

80°
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Elmar Huber
Die Wege kreuzen sich im Vatikan

Buch-Rezension von Elmar Huber Okt 2008

„Dilara erstarkte im Schoß der Erde. Sie aß von den dunklen Erinnerungen und trank von den fernen Träumen. Und alsbald rührte sie sich in ihrem Grab, brach das Brot, aß davon und strotzte."
(Wer nie sein Brot mit Tränen aß...)

Die Vampirin Dilara ist im Auftrag des Ur-Vampirs Antediluvian unterwegs, um Informationen zu sammeln. Sie reist zum zum Vatikan, um sich dort ein Schriftstück anzueignen, das die Macht der Nosferati stärken soll. Auf ihrer Fahrt trifft sie auf die Rosenkreuzerin Gelophee Roche, die mit gleichem Ziel unterwegs ist.

Ausgehend von einer Erholungspause, die Dilara mit ihrem Diener Cippico in einem Hotel in Avignon verbringt, erhält Dilara von Antediluvian den Auftrag, nach einem Dokument in den Archiven des Vatikan zu suchen. Nach einer beiderseitig beeindruckenden Begegnung mit der Rosenkreuzerin Gelophee Roche macht sich das Trio zusammen auf eine abenteuerliche Suche nach Hinweisen, die zum Versteck des Schriftstücks führen. Nach einer nahezu tödlichen Begegnung von Dilara mit dem Lichtwesen Methalumina trennt sich die Gruppe zwangsläufig (Dilara wird begraben um sich zu regenerieren). Im Vatikan kreuzen sich zum Ende hin wieder die Wege aller Beteiligten.

Der komplette Roman ist innerhalb des Zyklus als Rückblende angelegt, als Geschichte, die Dilara ihrem Gefährten Calvin in der Gegenwart erzählt. Mehr als das erste Drittel des Romans spielt in dem Hotel Maison de Vervins, in das sich Dilara und Cippico für eine Erholungspause zurückgezogen haben. Aufgrund des gleichbleibenden Schauplatzes wirken die Szenen, die hier spielen, wie die Szenen eines Theaterstücks, mit starrer Bühne und Auf- und Abgängen der einzelnen Figuren. Es ist sogar eine komödiantische Minihandlung eingefügt, in der ein Toter in einem Koffer entsorgt werden muß und dieser Koffer unter Täuschung, was seinen Inhalt angeht, kurzerhand Antediluvians Boten überlassen wird. Der feste Szenenaufbau mit wechselnden Figuren ist sehr interessant und trägt eine großen Teil zur friedlichen Atmosphäre des Hotels bei.

Der Roman strotzt von starken stimmungsvollen Bildern

Innerhalb der Personenzusammenstellung bildet der verkrüppelter Diener Cippico einen sehr guten Kontrast zur schönen Dilara. Er ist ihr zwar reglerecht hörig, heißt aber nicht alle Handlungen und Entscheidungen ihrerseits gut. Er verfolgt teilweise andere Wege als Dilara und ist sogar in der Lage, Dilara mental in einen Ruhezustand zu versetzen und sie in diesem Zustand mit Träumen „zu füttern". Dem Autor gelingt es, Dilaras und Cippicos Gefühlswelten anhand prägnanter Szenen und Handlungen für den Leser greifbar zu vermitteln, ohne mit ständigen Wiederholungen zu langweilen.

Mit dem Lichtwesen Methalumina tritt ein neuer Gegenspieler der Vampire auf den Plan, dessen Ziel es scheinbar ist, wahllos alle Vampire zu vernichten. Diese vergehen in der Aura des Wesens. Doch auch Methalumina muß sich an Regeln halten. Mit den befreundeten Malern Auguste Renoir und Claude Monet tauchen zwei historische Persönlichkeiten auf, die den Weg unserer Reisegruppe kreuzen. Nicht weiter wichtig für die Handlung, aber eine nette Idee, die der Geschichte eine Spur historischen Realismus verleiht. In dem Roman ist glücklicherweise keine strikte Trennung von Gut und Böse vorhanden. Es regieren die Zwischentöne. Alle Figuren sind auf die eine oder andere Art voneinander abhängig und dennoch verfolgen alle auch ihre eigenen Ziele.

Marc-Alastor E.-E. transportiert gekonnt die historische Stimmung (der Roman spielt Mitte des 19. Jahrhunderts) durch seine Ausdrucksweise. Es ist z.B. die Rede von einem „...feine(n) Garten, den das Haus geheim hieß, weil er für flanierende Passanten nicht gleich ersichtlich war, und der verhohlene Innenhof, um den sich das einnehmende Gebäude geradezu väterlich schlang...".
Der ganze Roman strotzt von solch starken stimmungsvollen Bildern.

Die Covergestaltung von Mark Freier ist, wie immer, sehr stimmungsvoll und jenseits aller Kritik, die Innenillustrationen von Pat Hachfeld nach wie vor eher auf Fanzine-Level und verzichtbar.

Die Kinder der fünften Sonne

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