Wächter

  • Heyne
  • Erschienen: Januar 2009
  • 2
Wächter
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Holger Schmidt
70°1001

Phantastik-Couch Rezension vonNov 2008

Enttäuschendes Ende einer Odyssee

In 'Die Zeit-Odyssee' wurde die junge britische Soldatin Bisesa Dutt samt ihres Helikopters und ihrem Co-Piloten in eine fremde Welt katapultiert. Stück für Stück fanden sie und ihr Mitstreiter heraus, dass diese Erde eine Patchwork-Welt, zusammengesetzt aus allen Epochen der Menschheitsgeschichte, war. Begleitet wurden sie dabei von den mysteriösen Augen, welche die Menschen scheinbar beobachteten. Letztlich konnte Bisesa herausfinden, dass sie dies alles geheimnisvollen Außerirdischen verdankten.

Nachdem sie wieder in ihr eigenes Universum zurückfinden konnte, musste sich Bisesa einer der größten Katastrophen in der Geschichte der Menschheit stellen. Ein Sonnensturm drohte alles Leben auf der Erde zu vernichten. Nur knapp, und mit vereinten Kräften, konnte die Menschheit diese Krise überstehen. Die Außerirdischen, die sich die Erstgeborenen nennen, hatten zugeschlagen.

Neunzehn Jahre nach dem Sonnensturm erwacht Bisesa Dutt in einem Stasetank. Ihre Tochter, die mit 41 Jahren nun beinahe so alt ist wie ihre Mutter, hat sie aufwecken lassen. Bisesa scheint die einzige Hoffnung im Kampf gegen einen neuen Angriff der Erstgeborenen zu sein. Eine Q-Bombe rast nämlich auf die Erde zu. Verzweifelt versuchen die Menschen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, die fremde Technologie zu verstehen und aufzuhalten, scheitern aber ein ums andere Mal. Indes flieht Bisesa mit ihrer Tochter zu den im Weltraum lebenden Spacern.

Zeitgleich hat sich auf Mir, der nun seit 31 Jahren in einem Taschenuniversum existierenden Patchwork-Erde, eine neue Gesellschaft entwickelt. Menschen aus unterschiedlichen Epochen wachsen langsam zusammen, entwickeln sich dabei jedoch nicht nur zum Besseren. Doch auch die Tage von Mir scheinen gezählt zu sein.

Das Werk zweier SF-Koriphäen

Den Hauptteil des Romans macht die Reise Bisesa Dutts aus. Nebenlinien bilden die Erlebnisse ihrer Tochter und die Abwehrmaßnahmen der Erdregierung, in Person von Bella Fingal. Tatsächlich sind alle Hauptcharaktere Frauen. Die gesamte Geschichte verläuft sehr gradlinig und befasst sich thematisch beinahe nur mit dem Kampf gegen die drohende Auslöschung der Erde.

Eine Zusammenarbeit zwischen Stephen Baxter und Arthur C. Clarke scheint auf den ersten Blick eine runde Sache zu sein. Ihre Stile sind sich sehr ähnlich. In vielen Romanen Clarkes sind Außerirdische auf Menschen sehr fremd wirkende, ferne Schattengestalten, deren Motive immer etwas im unklaren bleiben. Auch in 'Wächter' tauchen die Erstgeborenen nie als handelnde Personen auf, bleiben immer im Hintergrund. Dadurch lässt der Roman zwangsläufig noch einige Fragen offen. Von Stephen Baxter kennt man - neben einem gewohnt routinierten Stil - eine interessante Charakterzeichnung und feinsinnige Charakterbeobachtungen. Indem die Autoren moderne Begriffe wie "Blog", "Avatare" und "Datennetzwerke" verwenden, wirkt der Roman nicht so altbacken wie manch anderes Werk alternder SF-Größen.

Wächter ist der dritte Roman, der durch die Zusammenarbeit Clarkes und Baxters entstand und knüpft in seiner Handlung an 'Sonnensturm' an. Vorkenntnisse sind also durchaus vonnöten bzw. machen vieles für den Leser überhaupt erst interessant.
Schon seit Jahren arbeitete der schwer kranke Clarke mit wechselnden Co-Autoren zusammen. 'Wächter' war sein letztes Werk vor seinem Tod im März 2008.

Reisebericht vs. Handlung

Mit diesem Buch wird dem Leser - angelehnt an Clarkes bekanntestes Werk 'Odyssee im Weltraum' - eine neue Odyssee versprochen. Leider haben es die Autoren mit diesem Begriff etwas zu genau genommen. Man wird mit einer nicht enden wollenden Reiselust von Bisesa Dutt konfrontiert. So lernt der Leser zwar Stück für Stück die Welt in der Mitte des 21. Jahrhunderts kennen, doch wirkliche Handlung, Entwicklung in der Geschichte, findet nicht statt. Beinahe zwei Drittel des Buches brauchen die Autoren, bis die Geschichte endlich etwas an Fahrt aufnimmt. Dann wird es etwas spannender, ebbt nach einem verfrühten Spannungshöhepunkt jedoch schnell wieder ab.

Vieles in diesem Roman wirkt bruchstückhaft, die kurzen Kapitel über Nebenschauplätze sind da nicht das Einzige. Das Ende ist wiederum sehr melancholisch. Die Stimmung in diesem Buchabschnitt ist gut eingefangen.

Eine der größten Stärken Baxters, das Sich-hinein-versetzen in vollkommen fremde Lebewesen, kann in 'Wächter' überhaupt nicht zur Geltung kommen. Die Geschichte an sich bleibt zu lange uninteressant, die Charaktere roboterhaft-blass. Nach zwei guten Büchern ist 'Wächter' ein enttäuschender Abschluss der neuen Odyssee-Trilogie und als letzter Roman Clarkes zum Glück nicht repräsentativ für das Werk dieses großen SF-Autoren.

Wächter

Arthur C. Clarke, Heyne

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