Blutspur

  • Feder & Schwert
  • Erschienen: Januar 2002
Blutspur
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Carsten Kuhr
60°

Phantastik-Couch Rezension vonNov 2008

Die Vampir-Vertraute im Einsatz bei den Werwölfen

Einige Monate sind vergangen, seitdem die langsam erblindende Detektivin Vicky und ihr Freund, der Bestseller-Autor Henry - seines Zeichens nicht nur Spezialist für glaubwürdige historisch-romantische Wälzer, sondern auch als Langzahn für die Verfolgung von Vampirkollegen zuständig - ihren ersten Fall gemeinsam gelöst haben. Inzwischen sind sie einander näher gekommen, Vertrauen wurde aufgebaut, als ein doch ziemlich ungewöhnlicher Hilferuf Henry Fitzroy erreicht. Ausgerechnet die Werwölfe, die sich sonst ach so viel auf ihre Unabhängigkeit und ihre Rudelmentalität einbilden, suchen um Hilfe nach. Die Jagdsaison ist eröffnet. Ein unbekannter Jägersmann ist auf der Pirsch, und das mit Silberkugeln.

Kaum auf der Farm der Heerkens angekommen, den Geruch der Schafherden in der Nase, kommt es zum ersten Kulturschock. Die Werwölfe hassen beengende Kleidung. Kein Wunder, dass sie auch in ihrer menschlichen Gestalt nackt herumlaufen - was trotz eingeschränktem Sichtfeld für unsere Heldin doch zunächst sehr verstörend ist. Während Vicky tagsüber die Ermittlungen leitet, muss des Nachts, wenn es dunkel ist, der Vampir in die Rolle des Detektivs schlüpfen. Als dann Vickys Ex-Lover Mike Celluci auch noch am Tatort auftaucht, wird die Luft blei- pardon, silberhaltig ...

Urban Fantasy der klassischen Sorte

Schon lange vor dem gegenwärtigen Boom der lasziven Beißerchen, den sexuell gut bestückten Werwölfen und den dominaten Hexern gab es Autoren, die sich entsprechende Geschichten haben einfallen lassen. Tanya Huff gehört zu den Vorreitern dieses Sub-Genres. Bereits 1992 veröffentlicht, besaß der Roman bereits all das, was diese Werke bei Lesern und Leserinnen überall auf der Welt so beliebt macht. Da wird mit der Gefahr des wilden Tieres in einem veränderlichen Körpers kokettiert, geht von den Kreaturen der Nacht nicht nur etwas Faszinierendes aus, sondern sie verbreiten auch ihr Sexappeal. Verbunden wird das Spiel mit uralten Ängsten der Menschheit mit einer spannend und abwechslungsreichen Handlung. Die Suche nach dem Täter erinnert an einschlägige Krimis und lässt den Leser miträtseln und mitfiebern.

Doch Huff setzt noch einen drauf. Um den Leser nur ja nicht vom Haken zu lassen, erblindet unsere Protagonistin. Nicht genug damit, dass sie von zwei Männern, Alpha-Geschöpfen jeder auf seine ganz eigene Art, beeindruckend umgarnt wird, sie bekommt auch noch den Mitleidsbonus des unheilbar Kranken. Die Anpassung an die Freikörperkulturanhänger übt dabei einen unfreiwillig komischen Zug aus, portraitiert es doch einmal mehr die Verklemmtheit, die in Nordamerika, der Heimat der wildesten Pornos, aber auch der bibelfestesten Prediger, nach wie vor präsent ist.

Alles in allem ein munter zu lesender Roman, spannend, abwechslungsreich und ein wenig origineller, als viele der modernen Nachahmer.

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