Faunblut

  • Bertelsmann
  • Erschienen: Januar 2008
Faunblut
Faunblut
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Carsten Kuhr
85°

Phantastik-Couch Rezension vonDez 2008

„Persönliches Glück oder Freiheit - eine schwierige Wahl für eine aufrechte Frau

Vor fast 20 Jahren hat Lady Mar, die Frau mit der Metallmaske, zusammen mit ihren zwölf grausamen Lords die Küstenmetropole in einem blutigen Handstreich übernommen. Verrat öffnete die Türen zu den Palästen der Faun und schaltete die herrschende Klasse aus. Für das einfache Volk aber hat sich kaum etwas geändert. Sie werden weiter unterdrückt, ausspioniert und ausgebeutet, Angst und Tod lauern an jeder Hausecke.

Jade lebt mit ihrem Vater und einer Köchin im heruntergekommenen Hotel Larimar. Während rings um sie die Stadt zusehends verfällt, haben sie, der Lady und den guten Beziehungen ihres Vaters zu dieser sei Dank, wenigstens ein Dach über dem Kopf und ein, wenn auch geringes Auskommen. Nebenher hilft das Mädchen ihren Freunden, den Flussleuten, und besucht verbotenerweise die verlassene Altstadt. Hier stößt sie das erste mal auf Echos, Wesen mit durchsichtigem Blut, die von den Jägern Lady Mars gnadenlos verfolgt werden. Jade aber fühlt eine seltsame Anziehung, wenn sie die Echos anschaut.

Kurz darauf überstürzen sich die Ereignisse. Zwei Jäger aus dem hohen Norden kommen in die Stadt und werden zusammen mit ihren wilden Tieren im Larimar einquartiert. Der jüngere der Beiden übt eine seltsame Anziehungskraft auf Jade aus. Was ist das nur für ein arroganter, gutaussehender Schnösel, der sie mit seiner Blasiertheit und Ignoranz bis aufs Blut reizt? Und wen nur sollen diese beiden im Auftrag der Herrscherin zur Strecke bringen? Aufstand, Rebellion flüstert es in den Strassen - ein Echoabkömmling, Erbe der alten Könige, soll aufgetaucht sein, der die Echos und die Rebellen gleichermaßen zu den Waffen ruft. Und auch Jade muss sich entscheiden, auf welcher Seite sie steht. Mehr noch, das kurze Glück wird von Verrat auf allen Seiten bedroht - Jades Welt zerschellt wie ein Spiegel in tausende Scherben. Doch so einfach gibt sich die junge Frau nicht geschlagen ...

Das Erwachsenen-Debut einer viel versprechenden Autorin

Nina Blazon hat in den letzten Jahren durch überzeugende Jugendbuchromane auf sich aufmerksam gemacht. Historische Werke mischten sich mit phantastischen Schöpfungen, alle jedoch richteten sich vornehmlich an eine jüngere Leserschicht. Mit vorliegendem Roman, der in einem der beiden All-Age-Verlage unter dem Dach von Random House erscheint, betritt sie Neuland.

Zwar gibt es auch hier phantastische Sequenzen, spannende Verwicklungen und blutige Kämpfe, doch all dies liest sich deutlich dunkler und tiefgründiger als bislang. Schon immer haben sich ihre Figuren entwickelt, sind sie angesichts der Fährnisse, denen die Autorin sie ausgesetzt hat, gereift, mussten erwachsen werden. Doch dieses Mal präsentiert sich all dies realitätsnaher und anspruchsvoller als bisher.

Blazon offeriert uns eine Welt, die in vielem an unsere Realität erinnert. Es gibt Elektrizität, es gibt eine herrschende (Adels-)Klasse, die die Bürger unterdrückt und ausbeutet, und es gibt den Drang der Menschen nach Freiheit und Selbstbestimmung. Nicht umsonst hat die Autorin sich für ein Mädchen, fast schon eine junge Frau als Protagonistin entschieden. Genauso wie diese sich wandeln muss, wie sie sich von Vertrautem lösen, selbst Verantwortung für sich und ihr Handeln, letztlich ihr Schicksal und Glück übernehmen muss, ist jeder seines Glückes Schmied. Im Hintergrund werden immer wieder Themen wie Selbstbestimmung, Verantwortung und Freiheit angeschnitten, dies aber verpackt in einer nie kitschig wirkenden Liebesgeschichte voller unerwarteter Wendungen und Einfälle. Rasant erzählte Szenen wechseln sich mit nachdenklichen Momenten ab, vieles wird nur angedeutet, nicht ausgewalzt, so dass der Leser sich einbringen muss und soll.

Auch wenn die Stadt selbst und das Umland ein wenig unbestimmt bleiben, bannen die mannigfaltigen Rätsel den Leser an die Seiten, erstaunen die Einfälle selbst gestandene Fantasy-Vielleser und berühren die großen Gefühle die Rezipienten. Dies alles in einem sehr schönen, bewusst eingesetzten, fast poetisch zu nennenden Stil, der die Lektüre angenehm und flüssig gestaltet und mit einem wunderschönen Titelbild versehen. Einzig der auf eine gänzlich falsche Fährte verweisende Titel mag ein wenig stören, ansonsten präsentiert uns der Band eine Autorin, die zu einem der Zugpferde bei Random House werden könnte.

Faunblut

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