City of Glass

Erschienen: Januar 2009

Couch-Wertung:

80°
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Carsten Kuhr
Urban-Jugendfantasy der herausragenden Art

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Mär 2009

Seit eintausend Jahren wachen die Jäger der Nephilim über die Menschheit. Mit besonderen, aus dem Engelskelch verliehenen Kräften treten die Streiter gegen die seelenlosen Dämonenhorden an. Schon vor Jahrzehnten aber regte sich in der gläsernen Stadt Idris Widerstand gegen den Auftrag des Engels. Sollte man die Erde wirklich mit den Schattenwesen, den Vampire, Hexern, Werwölfen und Elben teilen, und warum sollen die Nephilim mit ihren übernatürlichen Kräften nicht nur über die Menschen wachen, sondern auch als gerechter Lohn herrschen? Vorreiter der damaligen Revolution war der charismatische Schattenjäger Valentin. Seinem Kreis schlossen sich herausragende Geister an, allein ihr Aufstand scheiterte blutig. Valentin und seine Abkömmlinge schienen getötet, seine Vasallen wurden verurteilt, eingekerkert und verbannt.

Die sechzehnjährige Clare wuchs behütet und umsorgt bei ihrer Mutter auf. Als sie in der Disco Jace kennenlernt, werden sie und ihr bester Freund Simon in ein Abenteuer verwickelt, das man sonst nur aus Büchern und PC-Games kennt. Zunächst versucht sie sich noch selbst etwas vorzumachen, doch nur zu bald muss sie angesichts herber Opfer erkennen, dass hinter ihrer Alltagswelt ein dunkles Reich lauert, das ihr Angst macht. Ein Reich, in der scheinbar jeder sein eigenes Süppchen kocht, in dem nur Macht und Erfolg zählen und die Wahrheit meist gut versteckt wird. Auch ihre Mutter, selber früher Angehörige dieses Reiches, hat sie angelogen und ihr ihr Erbe als Schattenjägerin vorenthalten. Im Verlauf der turbulenten Handlung kommen sich Clare und Jace, in dem sie ihre Bruder zu erkennen glaubt, näher. Als ihr vermeintlich toter Vater Verbindung mit ihnen aufnimmt, weiß sie zunächst nicht, wie sie reagieren soll. Wer ist dieser Mann, der, so faszinierend seine Persönlichkeit auch ist, skrupellos seinen Weg geht? Scheinbar hat er aus seiner Niederlage nicht gelernt, und scheut sich auch nicht, alles zu verraten, für das er einmal stand. Während die von ihm beschworenen Dämonenhorden die Gläserne Stadt angreifen, plant er nichts weniger, als einen Engel zu beschwören - und hat die Rechnung ohne seine Kinder gemacht ...

Das Erlebnis Buch - eine der besseren Urban-Fantasy-Sagen

Cassandra Clares Urban-Fantasy-Trilogie erfreut sich diesseits und jenseits des Atlantiks großen Zuspruchs. In dem Monat für Monat über die Buchhandlungen und die Leser hereinbrechenden Fluten an entsprechenden Titeln hebt die Bücher schon die vorzügliche äußere Gestaltung des Arena Verlages heraus. Die zwar nicht ganz billigen, aber eben im Sinne des Wortes preiswerten Titel wurden mit ansprechenden Originalcoverzeichnungen versehen, ein Lesebändchen darf auch nicht fehlen, so dass das Erlebnis Buch beginnen kann.

Hierzu gesellt sich auch inhaltlich eine zugleich packende wie interessant ausgestaltete Handlung. Mit viel Mühe hat die Autorin ihre Welt entworfen. Nicht etwas die Lykantropen oder die Vampire aber beherrschen die Seiten, nein, es sind die im göttlichen Auftrag angetretenen Kämpfer wider die seelenlosen Dämonen, denen unser Augenmerk gilt. Mit viel Einfühlungsvermögen berichtet uns Clare aus Sicht der jugendlichen Protagonistin von dieser uns wie ihr fremden Welt. Doch mit Clary nicht genug - an ihre Seite hat die Autorin eine ganze Gruppe unterschiedlich ausgerichteter Jugendlicher gestellt, die uns die Handlung über begleiten. Dies ermöglicht es Clare immer wieder, auch für einen solchen Roman ungewöhnliche Themen anzuschneiden. Es geht immer wieder um Gefühls- und Beziehungswirrwarr, um die Suche nach eine "Anleitung zum Glücklichsein". Dass es solch eine Gebrauchsanleitung nicht gibt, dass jeder mit sich, seinen Gefühlen zunächst selbst ins Reine kommen muss, und sich auch unangenehmen, oft verdrängten Wahrheiten stellen muss, zählt zum Pfund, mit dem die Autorin wuchert. Daneben geht es um Tabuthemen wie inzestuöse Faszination unter Geschwistern, um Homosexualität aber auch um den nervenden kleinen Bruder, der um ein wenig Aufmerksamkeit buhlt. Dass derartig jugendgerechte Ansätze die rasant ablaufende Handlung nicht stören, spricht nur für die Autorin. Dazu kommt, dass es Clare gelingt, ungleich vielen anderen Autoren, ihre Figuren überzeugend agieren zu lassen. Das sind einmal keine Erwachsenen im Körper Heranwachsender, das sind auch in Details stimmig agierende, sich im Verlauf der drei Bände weiterentwickelnde junge Menschen: Sie machen Fehler, müssen oftmals gegen Wände rennen, sich einen blutigen Kopf holen und bitter bezahlen, doch auch dies gehört zum Erwachsenwerden dazu. Es gilt, aus seinen oder ihren Fehlern zu lernen, und es gilt, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Das Gefühl dafür, was "richtig" ist, ein inneres Gewissen für das, was zulässig ist und was man eben nicht machen sollte, etwas, das mittlerweile in unserer Gesellschaft immer mehr an Bedeutung verliert, diese Kinder lernen und leben es noch.

Dass der Abschlussband nicht ganz an seine beiden Vorgänger heranreicht, liegt sicherlich darin begründet, dass zum einen die Faszination, die vom Big Apple als Handlungsort ausging, diesmal komplett fehlt. So malerisch Idris auch beschrieben wird, bleibt sie doch ein etwas diffuses Phantasieprodukt, das es mit der Metropole am Hudson und deren ganz besonderen Flair kaum aufnehmen kann.

Zum anderen lässt sich die Autorin in der ersten Hälfte des Buches ein wenig zu viel Zeit, ihren Plot voranzutreiben, so dass sie später gezwungen ist, Rätsel und Hintergründe in einem Mutter-Tochter-Gespräch zu offenbaren. Dass dann gleich noch zwei veritable Engel auftreten ist ein wenig viel des Guten.

Insgesamt über alle drei voluminösen Bände hinweg überrascht der Ideenreichtum und die einfühlsame Figurendarstellung ebenso wie die Gabe der Autorin, bekannte Versatzstücke der Fantasy, des Horror- und Thrillerromans in einen neuen Kontext zu setzen, und mit diesem Mix den Leser an die Seiten zu bannen.

 

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