Hinreißend untot

  • Piper
  • Erschienen: Januar 2009
Hinreißend untot
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Carsten Kuhr
30°

Phantastik-Couch Rezension von Carsten Kuhr Mai 2009

„Auch Zeitreisen helfen wenig, wenn ein Liebeszauber die Heldin plagt

Was benötigen auch Vampire, Hexer und Werwesen in unserer Zeit? Richtig geraten, eine echte Seherin, die die Zukunft vorhersagen kann, das wäre natürlich schon etwas, das auch die übernatürlichen Wesen in Versuchung führen kann. Und so muss Cassie als kleines Mädchen mit ansehen, wie eine Autobombe ihre Eltern in der Luft zerreißt, bevor sie für Tony, einen skrupellosen Vampir-Mafioso zu arbeiten beginnt. Nur ihre Gabe, Geister nicht nur zu sehen, sondern sich auch mit ihnen zu unterhalten, verschafft ihr die Chance, der Gefangenschaft zu entfliehen.

Zwischenzeitlich hat Cassie sich mit so gut wie allen übernatürlichen Parteien angelegt. Als Erbin der Pythia, der Hüterin der Zeit, ist sie zu mächtig, als dass man - Pardon, Vampir, Hexer oder Werwolf - sie einfach so ignorieren oder unbehelligt leben lassen könnte. Damit nicht genug, gibt es auch noch eine weitere Aspirantin auf den Titel der Pythia. Und diese kämpft mit allen Mitteln darum, dass Cassie ihr ungewolltes Erbe nicht antritt. Dass diese wie Cassie auch die Zeitreise beherrscht, dass sie bei den Feen unterschlüpft und mit wirklich fiesen Mitteln gegen unsere Heldin vorgeht, macht deren Leben nicht eben einfacher. Es hilft alles nichts, Cassie muss sich ins Feenreich begeben, um ihre Widersacherin dort aufzuspüren, auch wenn das heißt, dass sie einmal mehr von einer lebensbedrohlichen Situation in die nächste schlittert - aber, das sind wir ja mittlerweile gewohnt. Doch dann wird Billy, ihr Geisterfreund in der Anderswelt, wieder lebendig und der Feenkönig verlangt von ihr, dass sie ihm ein uraltes, verschollenes Zauberbuch besorgt und ihre Jungfräulichkeit muss angestachelt von einem Liebeszauber auch noch dran glauben ....

Einem gelungenen Auftakt folgt ein eher mäßiger zweiter Teil

Lange hat es gedauert, bis auch Piper sich auf den fahrenden Zug der Urban Fantasy aufgeschwungen hat. Wo man hinsieht, welche Buchhandlung man auch betritt, die entsprechenden Werke sind bestens und werbewirksam platziert, die Umsätze nach wie vor steigend. Vorliegendes Buch, wie kann es auch anders sein, einmal mehr ein Roman aus einer Serie, von der in den USA bislang fünf Bücher erschienen sind, bietet hier von der personellen Besetzung wenig Überraschendes. Es gibt Vampire - ein wenig dunkler, gefährlicher, raubtierhafter gezeichnet als die weichgespülten Nosferatu einer Davidson und Co, dazu Werwesen, Hexer und Geister. Nein, die Weltenschöpfung kann es nicht sein, die die Herausgeber bewogen haben, sich für diese Reihe zu entscheiden. Was also dann?

Romantik kommt vor, wenn auch eher dezent und erst zum Finale hin. Das ist kein plakativer Sex wie bei anderen, sondern fügt sich als logischer Bestandteil zur Handlung. Und auch die fast schon kriminalistisch zu nennende Suche nach den Motiven der Handelnden bleibt zwar präsent, nie aber dominierend. Beigegeben hat die Autorin in der Gestalt des Geistes eines professionellen Falschspielers auch noch eine Prise Humor, die immer wieder für Auflockerung sorgt.

Das, was den ersten Teil der kleinen Reihe noch ausgezeichnet hat, war neben der rasanten, unvorhersehbaren Action sicherlich die Zeichnung der - wenigen - handlungsrelevanten Personen und die mitreißende Handlung. Beides bietet sich vorliegend nicht annähernd so faszinierend an wie erwartet. Ohne sich groß mit der Vergangenheit aufzuhalten, setzt die Handlung recht abrupt an der Stelle wieder an, an der sie in Teil eins geendet hat.

Und dann geht es wild weiter. Der Plot hüpft wild hin und her, Zeitreisen lösen sich mit rasanten Verfolgungsjagden quer durch unsere Welt und dem Reich der Feen ab, die Verfolger unserer Cassandra werden immer mehr. So manches Mal hat es den Anschein, dass sich wirklich alle verschworen haben, unserer angehenden Pythia an die Gurgel zu gehen. Das nimmt zum Teil groteske Züge an und ist so übersteigert, dass die innere Überzeugungskraft auf der Strecke bleibt. Da fliegen die Kugeln, da sirren die Schwerter, da explodieren die Bomben, doch all dies, ohne dass die Handlung wirklich vorankäme, ohne dass sich ein Ziel, an das uns die Autorin führen möchte, erkennbar wird.

So action- und temporeich die Handlung auch abläuft, die Weiterentwicklung des Handlungsbogens und der Personen bleibt dabei auf der Strecke, so dass der Leser wohl eher zu anderen, überzeugenderen Zyklen greifen sollte.

Hinreißend untot

Karen Chance, Piper

Hinreißend untot

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