Blutsverrat

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  • Erschienen: Januar 2009
Blutsverrat
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Carsten Kuhr
60°

Phantastik-Couch Rezension vonJul 2009

Dark Fantasy - nichts für Schmuse-Leser

Seit den Zeiten, da die Dhampirin Magiere und der Halbelf Leesil ihren Unterhalt mit getürkten Vampirjagden fristeten, sind unsere beiden Helden weit gekommen. Zwischenzeitlich haben sie ihr neues Heim, einen Gasthof in einer Küstenstadt, wieder verlassen. Auf der Suche nach ihren Wurzeln ist Magiere in ihre alte Heimat gereist, hat zum Teil traumatische Erinnerungen und neue Gefahren überstanden. Begleitet von Chap, ihrem Hund, in dessen Körper sich ein Angehöriger des Feen-Volkes festgesetzt hat, sowie der jungen Weisen Wynn geht es weiter gen Norden in Richtung des Elfenreiches.

Auf dem Weg liegen die Kriegsländer, Reiche, die von finsteren, despotischen Tyrannen regiert werden. Hier wuchs Leesil auf, hier wurde er von seiner Mutter in der großen Kunst des geheimen Mordens ausgebildet und vom lokalen Tyrannen als Meuchler missbraucht. Nun schließt sich der Kreis, und Leesil will endlich erfahren, ob seinen Eltern, wie ihm selbst, die Flucht aus der Herrschaft Lord Darmouths gelungen ist.

Die Reise in die Vergangenheit reißt nur notdürftig verheilte Wunden auf und bringt altes Leid zurück. An dem Ort, an dem er aufgewachsen ist, an dem er seine Jugend verbracht hat und elterliche Liebe erfuhr, warten ungelöste Rätsel und ein Fürst auf ihn, mit dem er noch eine Rechnung offen hat.

Doch nicht nur unsere vier Gefährten sind in der Festungsstadt eingetroffen. Auch die beiden sie verfolgenden und manipulierenden Untoten haben sich in einem der Gasthöfe eingemietet. Der undurchsichtige Welstiel und der Vampiraristokrat Chane verfolgen dabei weiter ihre eigenen Pläne. Dass Magiere, vor deren Hilfe sie sich so viel versprechen Leesil beisteht, passt ihnen gar nicht in den Plan. Sie intrigieren, sorgen dafür, dass überall in der Stadt Vampiropfer auftauchen, um Leesil und seine Freunde zu zwingen, überstürzt aktiv tätig zu werden.

Damit nicht genug, mischt sich auch noch eine weitere Partei in den Konflikt ein. Um die sich ungehemmt vermehrenden Menschen von ihrem Reich fernzuhalten, sind die Elfen bereit, alle hehren Grundsätze über Bord zu werfen. Ihre Agenten, die Anmaglahk, sind in den Reichen der Menschen unterwegs, um Zwist zu stiften und dafür zu sorgen, dass die aggressiven Menschen übereinander herfallen, damit die Elfen in Ruhe und Frieden leben können. In den Katakomben der Feste prallen die Parteien aufeinander ...

Gelungene Ansätze, allein dieses Mal fehlt der rote Faden

Mit ihrer Dhampir Saga hat das Ehepaar Hendee bislang eine Reihe von Romanen vorgelegt, die zwar das Genre nicht unbedingt neu erfunden haben, die sich aber flüssig und unterhaltsam lasen. Ab dem drittenn Roman wandelte sich der Ton und die Atmosphäre der Bücher. Stand bis dahin die packende Schilderung der Jagd auf Vampire im Zentrum des Geschehens, versuchten die beiden Autoren ihre Handlung nun auf eine breitere Basis zu stellen. Die die Hauptpersonen prägenden Jugenderlebnisse werden aufgearbeitet, noch etwas diffus bleibende Questen eingeführt und Rätsel über Rätsel gehäuft.
Schon in "Dunkelland" wandelte sich der Schwerpunkt dabei weg von den Kampfbeschreibungen hin zu der Aufarbeitung traumatisch-phantastischer Jugenderlebnisse. Nach wie vor gilt es, seinen Mann, respektive Frau im Kampf zu stehen, sich mit blitzenden Klingen zu verteidigen, doch diese Beschreibungen sind lange nicht mehr so wichtig wie zu Beginn. Nun müssen sich unsere Figuren den bedrückenden Phantomen ihrer Kindheit stellen, ihre Wurzeln suchen, begreifen was sie sind. Dem Leser soll hier aufgezeigt werden, wie und warum Leesil und Magiere zu den Persönlichkeiten wurden, als die wir sie nun immer besser kennenlernen.

Dabei werden auch zusehends Grenzen zwischen Gut und Böse aufgeweicht, werden die Handlung und die Figuren immer komplexer. Allerdings bleibt hierbei ein wenig die Leseflüssigkeit auf der Strecke. Gar zu kompliziert erschien mir der Aufbau der Handlung, sich ständig neu verzweigende Plots sorgten zwar für wechselnde Sichtweisen, aber auch zunehmend für Verwirrung. Was genau treibt Welstiel an? Wie ist Chane, der aufgrund seiner sich ständig wandelnden Motivation zwischen Gut und Böse pendelnd eine der interessantesten Charaktere des ganzes Buches ist, hier einzuschätzen? Auch die Elfen ließen und lassen sich und ihre Rolle schwer definieren. Es werden viele Baustellen aufgemacht, Anknüpfungspunkte gesetzt worunter allerdings die Flüssigkeit der Handlung eindeutig leidet.

Vorliegendes Buch ist von der Atmosphäre und dem Tonfall wie sein Vorgänger dunkel geprägt. Dark Fantasy nennt man in den USA die Mischung von Horrorelementen mit gängigen Fantasy-Themata. Das ist weit von den üblichen Fantasy-Questen entfernt, das spielt bewusst auch mit Figuren, die sich depressiv präsentieren, die zweifeln und zögern, hadern und fehlen. Gerade dies aber macht sie interessant und menschlich, unterscheidet sie von dem üblichen übermenschlichen Heldenmaterial der gängigen Fantasy-Epen. Insofern sind diese Romane interessant, wobei vorliegend ein wenig der rote Faden fehlt.

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