Blitze des Bösen

Erschienen: Januar 1996

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Jörg Kijanski
Der Roman lebt von Sauls treibendem Schreibstil

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mai 2006

Fünf Jahre lang macht der Serienkiller Richard Kraven die Stadt Seattle unsicher. Doch während die Journalistin Anne Jeffers sein ";Werk"; journalistisch begleitet und dabei zu seiner vehementesten Gegnerin wird die in seinem Fall die Todesstrafe fordert, gibt es auch viele Menschen, die an die Unschuld des redegewandten einstigen Professors für Elektrotechnik glauben. Nach seiner Verhaftung sitzt Kraven, der seinen Opfern bei lebendigem Leib ihre Organe entnommen haben soll, zwei Jahre im Gefängnis und wartet dort auf seine Hinrichtung. Als es endlich soweit ist, bittet er Anne Jeffers zu einem letzten gespräch, in dem er erneut seine Unschuld beteuert:

";Heute hört nichts auf. Auch wenn man mich tötet nicht. Es wird alles wieder von vorne anfangen. Wer immer diese Leute umgebracht hat, er wartet nur darauf, bis ich tot bin. Dann legt er wieder los. […] Eines bereue ich wirklich, Anne! Daß ich Ihnen beim Sterben nicht genauso zuschauen kann wie Sie mir!";

Zum Zeitpunkt von Kravens Hinrichtung ereignet sich für Anne ein weiterer Schicksalsschlag. Ihr Mann Glen will auf dem Dach des von ihm entworfenen und nach ihm benannten Jeffers-Building mit einigen Kollegen und Mitarbeitern Richtfest feiern, als er plötzlich einen Herzmuskelinfarkt erleidet. Auf dem Weg in s Krankenhaus setzen vorübergehend Atmung und Herzschlag aus, doch die Rettungssanitäter können sein Leben retten. Während Glen seiner Entlassung aus dem Krankenhaus einige Zeit später entgegen sieht, wird eine junge Prostituierte ermordet aufgefunden. Die Verletzungsmerkmale weisen starke Ähnlichkeit zu den Morden von Kraven auf, so dass auch die für seinen Fall gegründete Sondereinheit ihre Arbeit wieder aufnimmt. Nachdem Glen einige Tage wieder zu Hause ist, stellt Anne entsetzt fest, dass sich Glen stark verändert hat und ein anderer Mensch geworden zu sein scheint…

Die Auflösung wird früh vorweggenommen

In ";Blitze des Bösen"; lässt sich John Saul zunächst viel, sehr viel Zeit, um in die Story einzuführen und so ist nach über 100 Seiten noch nicht allzu viel passiert (Hinrichtung Kraven – Herzinfarkt Glen – ein weiterer Mord – erste Veränderungen Glen). Dass der Leser hier nicht schon gelangweilt das Buch zur Seite gelegt hat, hängt u. a. damit zusammen, dass aus immer wieder wechselnden Perspektiven, durchaus kurzweilig, erzählt wird und dann, endlich, das Tempo doch recht ordentlich angezogen wird.

Neben Anne, Glen und der Polizei treten nunmehr auch ";der Mann"; und ";der Experimentator"; auf,  was insbesondere auf letztere Figur bezogen Spannung aufkommen lässt. Leider weiß der Leser nämlich viel zu schnell (genauer gesagt, kann man es sich von Anfang denken), wer ";der Mann"; ist und was es mit dem Mord and er Prostituierten auf sich hat. Schade, denn so flacht der Spannungsbogen an dieser Stelle ab und selbst die eigentliche Auflösung (wer ist der ";Experimentator"; und was hat es mit Glens auffälligen Wesens- und Verhaltensänderungen auf sich?) wird früh vorweg genommen. Warum, wird das Geheimnis des Autors bleiben, denn die eigentlich Idee ist durchaus interessant. Allein die ";technische Frage"; (wie ist es möglich?) wird erst zum Finale hin aufgelöst.

Schwache Übersetzung

Von den angesprochenen Schwachstellen abgesehen trübt den Lesespaß zusätzlich die schwache Übersetzung (oder war es en schlechtes Lektorat?), denn wie sonst kann in Seattle/USA ein ";Kommissar"; ermitteln? Jack McCarthy, eine Randfigur, wird einmal als Polizeichef, ein anderes Mal als Chef der Mordkommission vorgestellt. Ja, was denn nun?

So lebt der Roman letztendlich von Sauls treibenden Schreibstil und einigen zielsicher gesetzten Cliffhangern. Im Ergebnis ein lesbarer, kurzweiliger Horrortrip mit ";netter"; Grundidee. Allerdings sollte der Leser gute Nerven haben, denn John Saul erklärt mitunter den Umgang mit einer Säge sehr detailliert und dies – wie eingangs erwähnt – am lebenden ";Objekt";.

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