Infekt

  • Piper
  • Erschienen: Januar 2010
  • 0
Infekt
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Eva Bergschneider
74°1001

Phantastik-Couch Rezension vonSep 2009

Ende der Nano-Apokalypse - oder doch nicht?

"Plaque Zone" ist der zur Situation in Jeff Carlsons "Nano"-Trilogie passendere Originaltitel des letzten Bandes. Vor dem Finale wurde die politische Landkarte Nordamerikas neu geordnet, Kalifornien gehört den Russen und Chinesen. Die Überlebenden der Apokalypse organisieren sich, bauen aus dem Schutt primitive Dörfer in den Gebieten auf, die noch nicht von übermächtigen Insektenschwärmen eingenommen wurden. Man trotzt den Widrigkeiten und versucht einen Neubeginn im Jahre 3 nach der Nano-Pest.

Die "Gehirnseuche" kommt

Ruth Goldmann gilt, nachdem sie durch die Androhung einen verheerenden neuartigen Nanobot frei zu setzen, den Frieden erzwungen hat, als Landesverräterin. Sie taucht im neu errichteten Ort Jefferson bei Cam und Allison unter. Die Menschheit scheint immer noch dem Untergang geweiht, denn nur weniger der Neugeborenen überleben.

Jefferson wird angegriffen. Massen von apathischen Gestalten strömen in das Dorf und infizieren seine Bewohner in Sekunden. Die neu entstandenen Orte fallen wiederum den Nanos zum Opfer, denn eine Gehirnseuche verwandelt die Bevölkerung in seelenlose Zombies. Cam, Ruth und eine ältere Deutsche, Ingrid, entkommen mit knapper Not. Ruth entdeckt, dass diese Gehirnseuche-Nanos chinesischen Ursprungs sind. Was bezweckt der Gegner damit, die Amerikaner in willenlose Irre zu verwandeln?

Grand Lake, der letzte große amerikanische Militärstützpunkt, ist das Ziel der Gruppe. Doch dann entschlüsselt Ruth eine geheime Botschaft von der führenden Nano-Forscherin Kendra Freedman auf dem Chip. Warum hat sie einen Nanobot gebaut, gegen den die Chinesen immun sind? Trägt das Blut der Gegner einen Impfstoff gegen diese Seuche? Ruth wird es nicht rechtzeitig heraus finden, sie infiziert sich. Cam kennt nun nur noch ein Ziel: Kendra Freedman finden. Und gewinnt für dieses Unternehmen unerwartete Verbündete.

Gewohnt spannend - und auch sonst wie erwartet

Die gute Nachricht lautet: Jeff Carlsons Nano-Thriller Finale "Infekt" ist genau so spannend geschrieben wie die ersten Bände "Nano" und "Plasma", nämlich von der ersten bis zur letzten Seite. Die nicht ganz so gute Nachricht, wirkliche Überraschungen sind rar gesät.

Was sich grundlegend geändert und somit dem Roman doch noch neue Facetten verliehen hat, ist die politische Lage. Nachdem die Chinesen ihren "Gehirnseuche"-Nano ausgesetzt haben, scheint ihnen der Sieg über Amerika nicht mehr zu nehmen zu sein. Carlson bedauert in seinem Nachwort, dass er die Chinesen zu den "bösen Buben" gemacht hat und beteuert, sich stets um eine respektvolle Schilderung bemüht zu haben. Und tatsächlich erfährt man endlich etwas über die Gründe für die Invasion und die Entwicklung eines Nanobots, der die Amerikaner paralysiert und manipulierbar macht. Jeff Carlson erklärt die Aktionen der Chinesen vor dem Hintergrund der kulturellen und gesellschaftlichen Konstellation Chinas, vielleicht etwas gewagt und wenig schmeichelhaft, aber schlüssig.

Sonst bleibt in der Handlung im Wesentlichen alles beim Alten: Neu entwickelte Nanos, verzweifelter Überlebenskampf, erbitterter Krieg. Was ebenfalls erhalten bleibt, sind die wundersamen Möglichkeiten der Wissenschaft. Unter noch so widrigen und primitiven Bedingungen, werden Präzisionsminimonster mit künstlicher Intelligenz entwickelt. Wie das realisierbar sein soll, bleibt jedoch weiterhin fraglich.

Unerschütterlich scheint des Autors Glaube an die technologische Überlegenheit der Amerikaner zu sein, selbst der Gegner ist auf ihr wissenschaftliches Können angewiesen. Von der im zweiten Band anklingenden Kritik am Selbstverständnis ist in "Infekt" nicht viel übrig geblieben.

Wesentlich differenzierter beschreibt der Autor dagegen die Auswirkungen der Katastrophe auf das Ökosystem des nordamerikanischen Kontinents. Die Darstellung des noch bewohnbaren Raumes wirkt auf der Karte am Anfang des Buches extrem und pauschal. Carlson schildert jedoch in faszinierenden Details, wie sich Lebewesen in einzelnen ökologischen Nischen behaupten und neue Lebensräume erschaffen.

Dem Leser und auch dem Autor sind inzwischen die Hauptcharaktere, die Nano-Entwicklerin Ruth Goldmann und der ehemalige Ranger Cameron Najarro vertraut. Carlson vertieft weiter die Konflikte der beiden, zueinander und mit sich selbst. Besonders Ruth wirkt emotional zwiegespalten. Die Frage danach, ob ausgerechnet die Technik, die die zivilisierte Welt in den Untergang geführt hat, zu ihrer Rettung eingesetzt werden soll, treibt die Forscherin um.

Das Finale inszeniert der Autor wieder voller Dramatik und Knalleffekte, dennoch gestaltet es sich letztendlich wie erwartet. Hat es nun ein Ende mit den fatalen Kleinstrobotern? Vielleicht ja - vielleicht nein, Jeff Carlson lässt die Tür zu einer möglichen Fortsetzung einen Spalt weit offen.

Infekt

Jeff Carlson, Piper

Infekt

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