Schwarze Nacht

Erschienen: Januar 2009

Couch-Wertung:

40°
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Elmar Huber
Wird keine Spuren im Genre hinterlassen

Buch-Rezension von Elmar Huber Sep 2009

"Er sah Wesen vor dem Fenster vorbeistreichen. Sie legten die Hände an die Scheiben und sahen hinein. Ihre Blicke flackerten hin und her, sie leuchteten mit Lichtkegeln in die Zimmer und suchten nach ihm. Ein Auto fuhr auf die Wiese, jemand stieg aus und schlug an die Tür. (...) Wenn er sich umdrehte, würde jemand zwischen den Ästen vorm Fenster stehen und ihn auslachen, lachen und auf ihn zeigen, die Äste beiseite schieben und an die Scheibe klopfen. Doch vor allem konnte er erkennen, dass jemand in der Ecke stand und ihn abwartend beobachtete."
(Die Hütte)

David ist Meister darin, sich die Nächte um die Ohren zu schlagen. Nur nicht schlafen. Schon gar nicht alleine in der Dunkelheit. Dann nämlich verwandelt er sich in ein heulendes Bündel Armseligkeit. Seit einem traumatischen Erlebnis in seiner Kindheit leidet David unter panischer Angst vor der Dunkelheit. Dort wachsen Schatten, werden lebendig, treten heraus aus der Finsternis, um David zu verspotten. Um diese selbstzerstörerische Angst endlich zu besiegen, mietet sich David eine abgelegene Hütte im Wald um dort in einige Tage und Nächte zu verbringen und sich seiner Angst zu stellen.

Tugenden klassischer und moderner Gruselunterhaltung werden vermischt

Ein einsames Haus im Wald, das von Geistern heimgesucht wird, klingt vielversprechend. Klassischer Stoff, der schon für einige gelungene Geschichten gut war. Dass die Geister Auswirkungen eines Traumas sind und womöglich nur im Kopf des Helden existieren klingt schon wesentlich moderner, aber nicht weniger unterhaltend.

Die Entscheidung, Davids Vergangenheit als Rückblenden zu erzählen trägt ebenfalls dazu bei, das Interesse wach zu halten. Auch gewinnt David Profil durch diese Rückblenden ("Er (David) bemüht sich. Er bemüht sich wirklich. Er versucht sich alleine ins Bett zu legen. Er versucht sich mit einem Buch zu beschäftigen, wenn ich zu dir gehe. Aber er kann nicht. Er schafft es nicht."). Stück für Stück finden wir - parallel zu Davids gegenwärtigem Martyrium - so heraus, was in Davids Kindheit geschehen ist. Und mehr noch, beginnen wir etwas zu ahnen, was nicht beschrieben ist. Die Form des Romans ist also durchaus interessant und vielversprechend.
Andreas Roman versteht es auch, Davids Panikattacken, die gruseligen Höhepunkte von "Schwarze Nacht" greifbar zu schildern, ohne dass sich Wiederholungserscheinungen einstellen. Garniert mit einer aufkeimenden Liebe, Gesprächen Davids mit seiner Katze und einer schwer zu definierenden Bruder-Schwester-Beziehung, wird David schnell lebendig und vertraut auch wenn er nicht gerade ein absoluter Sympathieträger ist. Dass sich die Bedrohung nicht nur in Davids Kopf abspielt, zeigt der Autor durch die Katze, die ebenfalls auf die unsichtbare Bedrohung reagiert. Ein gut geplantes Element des Autors. Ein sehr guter Handwerker also, dieser neue "Kronprinz des Horrors" (Zitat).

Woran "Schwarze Nacht" scheitert, ist schlicht die Belanglosigkeit der Story. Nichts gegen einen Charakter, der in der ländlichen Einsamkeit einer Bedrohung ausgesetzt ist. Das sollte eigentlich funktionieren. Doch Davids Dämonen scheinen gar keine Gefahr darzustellen. Schließlich lebt er schon 23 Jahre mit dieser ungewissen Bedrohung und erfreut sich, abgesehen von Schlafmangel, bester körperlicher Gesundheit. Gefahr für Leib und Leben Davids scheint also gar nicht zu bestehen. Leider schafft Andreas Roman nicht den endgültigen Schwenk zu dem Angstauslöser in Davids Kindheit und dessen Folgen. Das hätte, bei gewissenhafter Ausarbeitung, wesentlich mehr Wirkung erzielt. So verpufft das Ende und die Enthüllung, die der geübte Leser bereits ahnt, annähernd wirkungslos.

"Schwarze Nacht" ist ein Roman, der sich flott wegliest und sicher keine Spuren im Genre hinterlassen wird. Ich wünsche Andreas Roman für das nächste Mal eine schlüssigere Geschichte, denn handwerklich wurde ich voll überzeugt.

"Good news for you guys. Dark don't kill."

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