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Elmar Huber
Nur der halbe Weg

Buch-Rezension von Elmar Huber Okt 2009

"Vor ihm auf dem Boden lag ein abgetrennter Kopf, so groß wie zwei Fußbälle. Mit dreieckigen Augen, die ihn durch die Dunkelheit hasserfüllt anstarrten. In ihren Höhlen flackerte Kerzenlicht. Sein Schein kroch durch den gezackten Mund, vorbei an steilen, scharfen Zahnreihen. Die Nase im Zentrum der Fratze war ein tiefes Loch, mit einem Taschenmesser mitten ins Gesicht geschnitten. Die Haut des Schädels war orangerot, verblichen und fahl."
(Geisternacht)

Mit "Marterpfahl - Sommer der Indianer" (Virpriv-Verlag 2007) legte Stefan Melneczuk ein vielbeachtetes Romandebüt hin, das ihm werbewirksame Vergleiche mit Stephen King einbrachte. "Geisterstunden vor Halloween" ist nun die neuste und bisher umfangreichste Veröffentlichung des Autors, der hier 31 seiner Kurzgeschichten aus 22 Jahren schriftstellerischer Tätigkeit zusammengetragen hat. Zusätzlich ist im Anhang der "Geisterstunden" noch die Novelle "Elaine" in einer überarbeiteten Form enthalten.

Stefan Melneczuk sprudelt vor Ideen

Eins zeigen die "Geisterstunden vor Halloween" zweifellos. Stefan Melneczuk sprudelt geradezu vor Ideen. Er macht sich allseits bekannte phantastische Motive wie Vampire ("Der Kongress"), Werwölfe ("Wölfe"), Endzeitszenarien ("Smaragd", "Staub"), Fantasy ("Drachentod"), klassische Geistererscheinungen ("Die Kinder von Nonstrom", "Immer noch"), Sci-Fi ("Der Koffer") zu Nutze, ohne plumpe Nacherzählungen bekannter Geschichten zu liefern. Nahezu alle Beiträge der "Geisterstunden" verfügen über absolut gelungene Ausgangssituationen. Allerdings scheint das Ziel nicht immer klar zu sein. Viele Geschichten brechen nach einem überhasteten Finale einfach ab, was in einigen Fällen die Wirkung erhöht ("Langemark"), in den meisten Fällen aber wie ein Kompromiss oder eine Verlegenheitslösung wirkt, um endlich zum Ende zu kommen. Das ist besonders schade, da Stefan Melneczuk sein Handwerk außerordentlich gut beherrscht. Er sollte nur länger bei seinen Personen verweilen. Ich denke, einige Figuren aus den "Geisterstunden" würden noch viel mehr hergeben. z.B. das Pärchen aus "Sand", das sich erst wenige Wochen kennt und auf dem Weg nach Las Vegas in dieser geheimnisvollen Geisterstadt Halt machen muss. Bis hierher alles top, doch der Rest passiert einfach zu schnell. Bei King ging es nach einem ähnlichen Beginn in "Kinder des Korns" erst richtig los. Bei Melneczuk naht bereits das Ende mitsamt einem gesichtslosen Etwas. Oder das Ermittlerduo aus "Zimmer mit Aussicht". Was für eine Story, hätte der Autor den Erzähler auf seine alten Tage nochmals ermitteln und das Ungeheuer finden lassen, statt ihm lediglich einen Laptop zu geben, dem er seine Erlebnisse anvertraut. Auch "Ferro" - einwandfrei konstruiert - bleibt nach halber Strecke irgendwie offen stehen.

Dazwischen befinden sich aber auch Perlen, wie "Der lachende Mann", die sehr gut durchkomponiert ist und in der lediglich das etwas willkürliche, aber nicht minder gruselige Ende den Glanz leicht trübt. Oder "Ich weiß was kommt", ein gelungenes Stück der leisen Töne, dessen ruhigem Fluss auch die Zeitsprünge nichts anhaben können. Ebenso der gut aufgebaute "Ezras Garten", bei dem lediglich der Schluss (wieder) etwas überhastet kommt und die dramatisch-pessimistischen Beiträge "Wasser", "Das Mädchen am Steg" und "Der Tank". Ebenfalls bemerkenswert und thematisch herausstechend ist das dichte und düstere "Drachentod".

Verzichtbare Beiträge verwässern die Sammlung

Leider finden sich auch einige verzichtbare Beiträge, wie etwa "Irrtum" und "Der Turm", die absolut kalt lassen und eine eher verwässernde Wirkung auf die gesamte Sammlung haben. Genauso einige Stories, deren Ende als Überraschung gedacht ist, die aber zu schnell durchschaubar und zu konventionell geraten sind ("Hände", "Ednäh", "Immer noch"). Eine gewissenhaftere Auswahl wäre sinnvoll gewesen, auch wenn der Spaß mit den 31 Geschichten - eine für jeden Oktobertag - dann natürlich nicht mehr zu halten gewesen wäre.

Formal überzeugend, doch in den meisten Fällen zu gehetzt und einfach zu kurz, um wirklich zum Leben zu erwachen, wirken diese 31 Geschichten. Mein Tipp wäre, sich auf einige wenige Ideen zu konzentrieren und mit diesen eine wirkliche - weiter gefasste - Geschichte zu erzählen. So würde der Autor auch eine Tiefe erreichen, die den Leser mit den Figuren fühlen lässt. Bereits in "Elaine" ist zu spüren, dass die längere Beschäftigung des Autors mit den Geschichten diesen sehr gut tut, auch wenn die einzelnen Teile in "Elaine" sich noch nicht ganz zusammenfügen wollen. Als großer Trost sei noch gesagt, dass eine Neuauflage von Stefan Melneczuks außergewöhnlichem und unbedingt empfehlenswertem Debütroman "Marterpfahl - Sommer der Indianer" 2010 im Blitz-Verlag geplant ist.

Gute Unterhaltung ohne Nachwirkung

Der Autor ist ein professioneller und gewissenhafter Bühnenbildner. Seine Kulissen sind makellos glatt, keine Unebenheiten, an denen man sich stoßen könnte, keine Kanten, über die man beim Lesen stolpert, keine herausstehenden Nägel, die verletzen. Doch genau so spurlos gehen die "Geisterstunden vor Halloween" am Leser vorbei. Dieser wird gut unterhalten, solange die Vorstellung dauert. Sobald der Vorhang sich wieder schließt, ist das Stück bald vergessen. In Erinnerung bleibt höchstens die technische Perfektion der Darbietung.

Der Kürbis aus Mark Freiers (virtueller) Feder passt 100%ig zum Thema des Buches und macht sich auch gut. Ob man die "Geistesstunden" unbedingt als Hardcover veröffentlichen musste, steht auf einem anderen Blatt. Das ist zwar der momentane Weg des Blitz-Verlags, doch über die Sinnhaftigkeit kann man streiten.

Übrigens ist Stefan Melneczuk an einem 31.Oktober geboren, was ihm wohl ein ganz besonders inniges Verhältnis zu Halloween beschert.

"Wenn du willst, werden wir von nun an jeden Oktober hier draußen verbringen, du und ich am Ende des Stegs, wenn du nur glaubst, wenn du nur fest an uns beide glaubst. Nimm dir ein Herz und folge mir."
(Das Mädchen am Steg)

Geisterstunden vor Halloween

Geisterstunden vor Halloween

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